Auf
einer winzigen, weitgehend unbekannten Insel an der Ostseeküste liegt
das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit (FLI). Seit der
Entdeckung der Vogelgrippe auf der in unmittelbarer Nachbarschaft von
Riems gelegenen Insel Rügen herrscht beim FLI Hochbetrieb. Im In- und
Ausland sind die FLI-Leute gefragte Experten bei der Bekämpfung der
Vogelgrippe. Der Witz dabei ist, daß erstens niemand weiß, wie die
Vogelgrippe nach Rügen kam und zweitens, daß die Krankheit ausgerechnet
in unmittelbarer Nähe jener Labors ausbrach, in denen das Virus schon
lange vorhanden ist, nämlich der Labors des FLI. Und drittens, daß die
mutmaßlich befallenen Vögel just in diese Labors zur Untersuchung
transportiert wurden, um das H5N1 Virus zu diagnostizieren. Was am 16.
Februar 2006, nach einer langen Folge düsterer Prophezeiungen durch das
Institut, auch geschah. Im Folgenden dokumentiere ich ein kleines
"Vogelgrippe-Tagebuch", das ich aus den Pressemitteilungen des
Instituts zusammengestellt habe.
Insel Riems, 13. Januar 2005.
In den nächsten Wochen brechen drei Experten des Instituts für
Epidemiologie des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) vom Standort
Wusterhausen (Brandenburg) zu Reisen in zwei von der Vogelgrippe
betroffene Länder auf. Wie der Präsident des FLI, Prof. Dr. Thomas C.
Mettenleiter, heute bekannt gab, werden die beiden Epidemiologen im
Rahmen von Missionen der Welternährungsorganisation FAO in Rumänien und
der Türkei unterwegs sein, um den dortigen Behörden bei der Bekämpfung
der Vogelgrippe zur Seite zu stehen.
Insel Riems, 25. Januar 2006.
Deutschland und Frankreich unterstützen mit einer gemeinsamen mobilen
Einsatzgruppe den europaweiten, von der EU-Kommission koordinierten
Kampf gegen die Vogelgrippe. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), als
Bundesoberbehörde verantwortlich für die wissenschaftliche Koordination
der Tierseuchenbekämpfung in Deutschland, soll dabei eine führende
Rolle übernehmen.
"Das FLI verfügt über die entsprechende
wissenschaftliche Expertise und Erfahrung, um die Leitung der geplanten
'Task Force Tierseuchen' zu übernehmen", so der Präsident des
Instituts, Prof. Thomas Mettenleiter. Dazu sollen umfassend sowohl in
der Epidemiologie als auch in der Diagnostik von Tierseuchen geschulte
Experten eingesetzt werden.(...)Das nationale Referenzlabor für aviäre
Influenza (Vogelgrippe) am Institut für Virusdiagnostik des FLI, das
gleichzeitig auch als internationales Referenzlabor des
Welttierseuchenamts (OIE) anerkannt ist, untersucht sämtliche
Verdachtsfälle in Deutschland. Es bietet europaweit Unterstützung bei
der Diagnostik der Vogelgrippe an.
Insel Riems, 01. Februar 2006.
Das Friedrich-Loeffler-Institut, FLI, geht in seiner aktuellen
Bewertung auf das Risiko einer möglichen Einschleppung von hoch
pathogenem H5N1 (Geflügelpest) aus den europäischen Ausbruchsländern
ein. Die Gefährdung durch illegale Importe von lebendem Geflügel und
Geflügelprodukten wird weiterhin als hoch eingeschätzt. Für eine
mögliche Einschleppung des Geflügelpestvirus über Zugvögel
differenziert das Institut zwischen den Flugrouten. Demnach stellen
über die Südwest- und Zentralroute nach Deutschland ziehende Vögel ein
geringes Risiko dar, während für über die Ostroute ziehende Vögel das
Risiko einer Viruseinschleppung als mäßig eingeschätzt wird.
Da
anhand der Zugrouten keine begrenzten Risikogebiete für Deutschland
definiert werden können und keine klare Beurteilung der Situation in
den Überwinterungsgebieten möglich ist, empfiehlt das FLI als
Schutzmaßnahme eine Aufstallung des heimischen Haus- und Nutzgeflügels
für zwei Monate ab dem 1. März. (...)
Eine Einschleppung des hoch pathogenen Influenzavirus vom Typ H5N1 über den Vogelzug kann nicht ausgeschlossen werden.
Insel Riems, 03. Februar 2005.
Die Klassische Geflügelpest, oft als Vogelgrippe bezeichnet, kommt nach
wie vor in einigen asiatischen Ländern vor. Seit Herbst letzten Jahres
betrifft die Tierseuche auch mehrere mittel- und osteuropäische Staaten
(Kroatien, Rumänien, Russland, Türkei, Ukraine, Zypern). Umso wichtiger
ist die Vorbereitung auf den Notfall und die Übung effektiver
Bekämpfungsmaßnahmen in den bisher nicht betroffenen Ländern. Daher
führte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) mit dem Bundesministerium
für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und dem
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) erneut
eine Notfallübung durch. An der BBK eigenen Akademie für
Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in Ahrweiler
probten vom 31.01. bis 02.02. 2006 rund 30 Fachleute den Ernstfall.
(...)
Die teilnehmenden Experten,
Amtstierärzte, Vertreter von Bund und Ländern sowie Fachleute aus
Frankreich, Holland und Kroatien werteten die Übung als Erfolg. Der
Leiter eines Kreisveterinäramts, der im Mai 2003 den bisher einzigen
Fall von klassischer Geflügelpest in Deutschland erfolgreich bekämpft
hat, betonte: "Wir waren auf die Situation gut vorbereitet. Geholfen
hat uns auch, dass wir kurz zuvor mit unserem Krisenstab in Ahrweiler
das Szenario Geflügelpest geübt hatten. Dies hat das Zusammenspiel mit
dem Katastrophenschutz und allen Beteiligten der Verwaltung im
Einsatzgeschehen sehr erleichtert. Regelmäßige praxisnahe Übungen wie
diese sind für ein effizientes Krisenmanagement unerlässlich und helfen
uns, auf den hoffentlich nicht eintretenden Ernstfall dennoch
angemessen vorbereitet zu sein".
Riems, 09.Februar 2006.
(...) Zum Thema Geflügelpest informierten die Wissenschaftler am
zweiten Tag über den aktuellen Stand. Nach Einschätzung des
Friedrich-Loeffler-Institutes geht insbesondere von Zugvögeln, die auf
der Ost-Route über den Nahen Osten und die Türkei fliegen, ein
Einschleppungsrisiko aus. Da nicht vorhersehbar sei, in welchen
Gebieten in Deutschland die Vögel rasten, sei das bundesweite
Einsperren der Tiere sinnvoll. Bund und Länder befürworten aufgrund
dieser Risikoeinschätzung ein bundesweites Aufstallungsgebot für zwei
Monate ab dem ersten März. "Die jetzt gemeldeten Fälle in Nigeria
müssen noch abschließend bewertet werden. Nach erster Prüfung bestärken
sie uns aber in der Auffassung, dass Eintrag über Zugvögel eine reale
Gefahr darstellt", sagte der Präsident des FLI, Professor Thomas
Mettenleiter.
Insel Riems, 14. Februar 2006.
Der Nachweis von hoch pathogenem H5N1 Geflügelpestvirus in Nigeria und
Italien veranlasste das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) zu einer
Neubewertung des Risikos der Einschleppung der Vogelgrippe nach
Deutschland. Für über die Südwest- und Zentralroute aus den
Brutgebieten im Frühjahr nach Norden ziehende Wildvögel stufte das FLI
die Einschätzung von "gering" auf "mäßig" hoch. Weiterhin unklar bleibt
die Situation in Italien und Slowenien mit bestätigten Funden von hoch
pathogenem H5N1 Virus und Verdachtsfällen. Eine Einschleppung des Virus
durch Wildvögel über kürzere Entfernung kann demnach aber ebenfalls
nicht mehr ausgeschlossen werden. Daher empfiehlt das FLI die
Aufstallung des heimischen Geflügels zum nächst möglichen Zeitpunkt.
In den letzten Tagen meldeten einige
europäische Länder, unter anderen Bulgarien, Italien und Slowenien,
Nachweise oder Verdachtsfälle des Geflügelpestvirus H5N1 bei
Wildvögeln, vor allem bei Höckerschwänen. (...) Ein Eintrag durch
andere Wasservögel kann ebenso wenig ausgeschlossen werden wie eine
Migration der Schwäne aus den Ausbruchsgebieten in Kroatien und dem
Donaudelta. 'Offenbar scheinen Schwäne aber besonders empfindlich für
das Virus zu sein und können als Indikatortiere angesehen werden', so
Mettenleiter. Höckerschwäne sollten daher während des
Wildvogel-Monitorings im Frühjahr verstärkt beobachtet und vor allem
kranke oder tot aufgefundene Tiere in jedem Fall auf Infektionen mit
Influenzaviren untersucht werden.
Insel Riems, 16. Februar 2006.
Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Bundesforschungsinstitut für
Tiergesundheit, auf der Insel Riems in Mecklenburg-Vorpommern ist in
Deutschland für die Sicherung einer effizienten Tierseuchendiagnostik
zuständig. Es führt über 40 nationale Referenzlaboratorien für
gefährliche Tierseuchen. Darunter befindet sich auch das nationale
Referenzlabor für aviäre Influenza (Vogelgrippe) und damit die zentrale
Stelle für den Nachweis von Geflügelpestviren in Deutschland. Seit Mai
letzten Jahres wurde dem Institut darüber hinaus die Funktion eines
internationalen Referenzlabors der Weltorganisation für Tiergesundheit
(OIE) für die Vogelgrippe übertragen.
Sämtliche Verdachtsfälle auf
Vogelgrippe bundesweit werden am FLI abgeklärt. So auch die
Verdachtsproben von der Insel Rügen: Am Dienstag um 16.00 trafen die
Proben vom Landesamt für Landwirtschaft und Lebensmittelüberwachung in
Rostock am FLI ein und bereits um 19.00 konnte der Präsident des
Instituts, Prof. Dr. Thomas C. Mettenleiter, den Nachweis von
Influenzavirus vom Typ H5N1 bekannt geben. Zum Nachweis des Erregers
kommen modernste molekularbiologische Nachweisverfahren zum Einsatz,
die innerhalb kürzester Zeit eine sichere Diagnose erlauben. Dabei wird
das Erbmaterial des Erregers zunächst im Reagenzglas millionenfach
vermehrt, um so besser detektiert zu werden. Anschließend erfolgt die
Charakterisierung des Materials.
Die Proben von der Insel Rügen
werden derzeit am FLI weiter untersucht, um den Verdacht auf das
Vorliegen der stark krankmachenden(hoch pathogenen) Variante des H5N1
Virus zu bestätigen. Mit weiteren Ergebnissen wird im Laufe des Tages
gerechnet.