Das
Wetter hat sich von der selbstverständlichen Alltagserscheinung zum
Hauptzankapfel von Wissenschaftlern, Politikern und Medienmachern
gewandelt. »Welche Gefahren drohen uns, wenn sich das Wetter ändert?«
fragen ebenso besorgt wie auflagenträchtig die Zeitungen. Kein Tag ohne
Katastrophenmeldungen, Spekulationen und Vermutungen über das Wetter
und Klima von morgen und übermorgen. Riesige Wissenschaftsapparate
haben sich der Wolken und des Windes bemächtigt, fast täglich spucken
Supercomputer neue Angstszenarien aus: »Treibhaus, Eiszeit oder beides?
« stecken die Schlagzeilenmacher die Bandbreite möglicher Katastrophen
ab.
Egal, ob es
regnet oder schneit, kein Mensch glaubt mehr, daß das Wetter irgendwie
noch »normal« ist. Kaum ist es mal drei Wochen warm, denkt jeder an den
Treibhauseffekt. Und »kaum ist es mal drei Wochen kalt, kommen die
ersten Fragen, ob es eine neue Eiszeit gibt«, umschreibt der
Temperaturexperte des Deutschen Wetterdienstes in Frankfurt, Gerhard
Müller-Westermeier, die Stimmung im Lande-. »Das ist eben typisch
menschlich.«
Im Mittelpunkt
der Ängste steht der sogenannte künstliche Treibhauseffekt. Das
»greenhouse warming« droht den Deutschen die Lust am Wetter zu
verderben, in kaum einem anderen Land der Welt wird das Klimaproblem so
heftig diskutiert, in keinem anderen Land gibt es eine eigene
Parlamentskommission zur politischen Aufarbeitung der
»Klimakatastrophe«. Deutschland ist auch führend bei der Programmierung
sogenannter »Klimamodelle«, die die künstliche Erwarmung simulieren
sollen.
Sollten
Autoauspuffe und Fabrikschlote weiterhin so viel Kohlendioxyd (CO2) in
die Atmosphäre pusten wie bisher, so die zentrale These, droht sich das
CO, wie eine riesige Glasglocke um die Erde zu schließen und
einfallende Sonnenstrahlen in der Lufthülle »einzusperren«. Der
Treibhauseffekt werde die Erdatmosphäre in den nächsten hundert Jahren
um irgendeinen Wert zwischen 1,5 und 4,5 Grad aufheizen, lauten die
Vorhersagen.
Fest steht
zunächst: Der bange Blick aus dem Fenster bringt keinen
Erkenntnisgewinn. Kein Mensch kann durch bloße Inaugenscheinnahme von
stahlblauem Himmel, sturmgeknickten Bäumen, Gewitterwolken oder
Tornadofronten Rückschlüsse auf Klimaveränderungen ziehen. »Wir selbst
können auch über ein Menschenalter hinweg überhaupt keine
Feststellungen in bezug auf das Klima treffen«, sagt der Pressesprecher
des Hamburger Klimaforschungszentrums, Stefan Hoppenau: »Das wäre
dasselbe, als wollten Sie eine Wahlprognose machen, indem Sie auf der
Straße fünf Leute befragen.« Denn während das Wetter eine tägliche
Erscheinung ist, ist das Klima der langfristige Durchschnitt aller
Wettererscheinungen, und zwar über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg.
Veränderungen dieses Durchschnitts lassen sich bestenfalls mit
wissenschaftlichen Messungen herausfinden, nicht aber durch subjektive
Eindrücke vom Alltagswetter.
Immerhin: Es gab
sie ja, die Wetterkatastrophen des letzten Jahrzehnts. Mitte Januar
1993 fegte der Orkan Verena mit 16o Stundenkilometern über Deutschland,
abgelöst von den Sturmungeheuern Agnes und Barbara. Am 12. Januar
standen den Einwohnern von Trier bei 130 Stundenkilometer schnellen
Winden die Haare zu Berge, während jeder Quadratmeter des
Schwarzwaldortes Freudenstadt unter 66 Liter Regen ertrank.
Gleichzeitig ließen sich die Münchener im Englischen Garten bei 19 Grad
plus die erste Maß Freiluftbier durch die Kehle rinnen. Wetter
verrückt: Der stürmische und laue Jahreswechsel 1992-1993 setzte eine
Reihe zu warmer und windiger Winter fort, die seit etwa 1990 andauert.
»Die Natur
schlägt zurück«, warnten landauf, landab die Schlagzeilen. Fachleute
winken jedoch ab: Auf die Frage, ob sich das Klima ändert, sagt Rolf
Doberitz vom Hamburger Seewetteramt: »Ich würde sagen: nein.«
Untersuchungen hatten ergeben, daß die Windtätigkeit in der ersten
Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts eher zu schwach gewesen war.
Doberitz: »Und jetzt, wo ein paar Stürme da sind, sagt man, das ist die
Klimakatastrophe. Aus unserer Sicht wurde einfach die Bandbreite der
natürlichen Sturmtätigkeit zu gering eingeschätzt. Schließlich gab es
auch in den Jahrhunderten davor Perioden mit starken Stürmen, wie
sollen denn sonst am Ende des Mittelalters Dollart und Jadebusen
entstanden sein. Damals muß es gewaltige Sturmfluten gegeben haben.«
Überdies verweist das Seewetteramt auf die stürmischen Winter von »19
62, 1967, 1975, 1976 und 1981, die in Hamburg mit schweren Sturmfluten
einhergegangen sind«.
Das Auftreten von Wirbelstürmen habe seit 1930 insgesamt »keine Tendenz zur Zunahme gezeigt«.
Für Stürme aus
jüngerer Zeit könne man »einen sehr einfachen Grund finden«, meint Rolf
Doberitz, »nämlich, daß es rund um die Azoren etwas wärmer geworden
ist, im subpolaren Gebiet um Grönland aber kälter«. Dieses
Temperaturgefälle mit seinen stärkeren Tiefdruckgebieten widerspricht
den Klimaprognosen, statt sie zu bestätigen: Die Vorhersagen gingen
davon aus, so Doberitz, »daß sich die subpolaren Gebiete um Grönland am
stärksten erwärmen. Im grönländischen Raum ist im Moment gerade das
Gegenteil der Fall.«
Und die milden
Winter? Anhand von Temperaturmessungen könne man »sicher sagen«, so
Doberitz, daß drei milde Winter im Mitteleuropa »auch früher schon
vorgekommen« seien: »Dazu gehören zum Beispiel die Winter 1882-84,
1898-1900, 1934-36 und 1973-75. Selbst vier milde Winter hintereinander
gab es von 1925-28, also zu einer Zeit, wo von einem verstärkten
Treibhauseffekt noch nicht gesprochen werden kann.«
Bleibt noch der
»zu milde Frühling«. Immerhin war zum Beispiel das Frühjahr 1993
gegenüber dem Mittelwert von 1951 bis 1980 hierzulande um 0,9 bis 2,7
Grad zu warm, das Frühjahr davor auch schon. »Aber«, so Gerhard
Müller-Westermeier vom Deutschen Wetterdienst, »das kommt eben mal vor,
das ist noch kein Beweis für den künstlichen Treibhauseffekt.« Fazit:
»Die natürliche Klimaunruhe ist eben ziemlich groß.«
Die extremen
europäischen Wetterergebnisse der vergangenen Jahre sind noch kein
Beleg für die drohende Klimakatastrophe. Und schließlich: Selbst wenn
sich das Klima in Mitteleuropa signifikant verändern sollte - für das
globale Klima ist das noch lange nicht repräsentativ: Mitteleuropa
macht gerade ein Prozent der Erdoberfläche aus. Ob es in München
stürmt, regnet oder schneit oder in Hamburg die Sonne gnadenlos vom
Himmel brennt - über das globale Klima oder den künstlichen
Treibhauseffekt sagt das erst recht nichts aus.
Auslöser der
Sorge ums Weltklima sind Planeten wie E. Um dieses Gestirn zu
betreiben, werden rund 120.000 Mark im Monat benötigt, ferner 250
Kilowatt Strom und zwanzig Kilometer Kabelgeflecht. Anschaffungskosten
von E.: rund vierzig Millionen Mark.
Mit der Erde hat
E. auch wenig gemein. Er kreist nicht um die Sonne, sondern steht im
15. Stock eines Hamburger Universitätshochhauses - ein Kunstplanet.
Dort, in einem grauen Kasten namens Cray 2S, spielt sich das gesamte
Leben von E. ab. Die Welt am Draht soll Vorhersagen ermöglichen, wie
sich das Klima in den nächsten Jahrhunderten auf einem anderen
Planeten, der Erde, entwickeln wird. Mit der Antwort auf die Frage, wie
gut oder schlecht Kunstplaneten wie E. das Geschehen auf der Erde
wiedergeben, steht und fällt die Annahme des sogenannten künstlichen
»Treibhauseffekts«, der »Klimakatastrophe« oder welche anderen Namen
die vermutete Erwärmung der Erde sonst noch bekommen hat.
Die
Klimakatastrophe findet also erst mal im Elektronenrechner statt. Und
darin liegt das Problem. Denn an der Aussagekraft der Computermodelle
gibt es viele Zweifel. Die Klimamodelle geben nicht die Bedingungen auf
der Erde wieder, sondern schon eher den jeweiligen Stand der Computer-
und Programmiertechnik. Vor einigen Jahren, etwa hatten Planeten wie E.
nicht einmal eine Atmosphäre, geschweige denn einen Ozean, von den
Wechselwirkungen zwischen beiden gar nicht zu sprechen. Was aber
niemanden daran hinderte, aufgrund solcher Modelle Prognosen über die
zukünftige Erwärmung der Erde abzugeben. Mit der Entwicklung der
Computermodelle schwankten die Vorhersagen über die globale
Mitteltemperatur in den nächsten hundert Jahren erheblich. »Die ersten
Modelle haben eine ganz große Erwärmung vorhergesagt, die nächsten eine
ganz geringe, die heutigen, feineren Modelle liegen eher in der Mitte«,
resümiert Müller-Westermeier vom Deutschen Wetterdienst. »Aber die
Rechner haben eben immer noch nicht die Kapazität, um das ganze
komplexe Geschehen auf der Erde und in der Atmosphäre zu erfassen. Das
Klimasystem ist noch lange nicht vollständig erforscht.«
In der Hitze der
Klimadebatte werden weniger spektakuläre Prognosen kaum zur Kenntnis
genommen. Das ist einerseits verständlich, haben doch Wissenschaftler
und Umweltverbände massiv die Forderung erhoben, durch rasches,
entschlossenes Handeln katastrophale Entwicklungen abzuwenden.
Andererseits werde aber der neueren wissenschaftlichen Literatur, »die
eine Abschwächung bisher erwarteter Klimaveränderungen glaubhaft macht,
wenig Beachtung gewidmet«, konstatiert der ehemalige Professor für
theoretische Meteorologie an der Freien Universität Berlin, Heinz Forta.
Das Problem für
alle, die sich dem Klima wissenschaftlich nähern: Die Werte, die uns
heute erschrecken, können schon morgen überholt sein - im Positiven wie
im Negativen. Gewißheit wird es beim menschengemachten Treibhauseffekt
vermutlich niemals geben. »Das Problem ist, daß das Klimasystem ein
kompliziertes System ist, das noch nicht einmal im Normalzustand
verstanden wird«, sagt der Chemiker Rainer Grießmann vom Ökoinstitut in
Freiburg.
Die
Unzulänglichkeiten der Forscher und Computer teilen sich in bekannte
und unbekannte Defizite auf. So ist in den Rechnern die komplexe
Struktur der Wolken beispielsweise nicht enthalten - das feine Spiel
der Wasserdampfgebilde läßt sich auch von den ausgefuchstesten
Klimamodellen bis heute nicht abbilden. Die Wolkenstruktur ist aber ein
so wesentlicher Klimaregulator, daß manche Forscher allein deshalb die
Gültigkeit der Modelle bezweifeln. Über die unbekannten Defizite weiß
man naturgemäß noch weniger.
Das Hauptproblem
bei der Computersimulation heißt bei den Forschern »Parametrisierung«.
Dahinter steht das Bemühen, kleinräumige Prozesse und regionale
Klimaerscheinungen zu erfassen und in den Rechner einzugeben.
Hochkomplexe Wolkenturbulenzen sollen ebenso in Ziffern ausgedrückt
werden wie Veränderungen der Vegetation. Dabei behilft man sich mit
Schätzungen und Mittelwerten, was bedeutet, daß jedes Klimamodell
bereits Unsicherheiten in sich birgt, bevor es überhaupt startet. Die
Parameter sind nichts als Annahmen, wie diese Prozesse aussehen könnten
- ob sie wirklich so ablaufen, weiß man nicht. Unklar ist auch, ob und
wie sich diese Unwägbarkeiten gegenseitig aufheben oder sogar
aufschaukeln.
Während die
Forscher einerseits nicht über genügend Wissen und Daten verfügen,
müssen sie sich andererseits auch noch selbst beschränken. Um die
Rechenzeit der Elektronenhirne nicht ausufern zu lassen, muß die
Komplexität der Klimamodelle zurechtgestutzt werden. Allein die
Berechnung eines Jahres dauert in der Computersimulation acht Stunden.
Eine Prognose über hundert Jahre verschlingt mithin achthundert Stunden
oder einen guten Monat reine Rechenzeit.
Ein gutgehütetes
Geheimnis der Klimaforscher besteht darin, daß ihre Modelle noch
wesentlich primitiver sind als die der täglichen Wettervorhersage. Die
bringt es nach eigenen Angaben der Wetterfrösche auf eine
Treffsicherheit von 87 Prozent - für den nächsten Tag. Mit jedem
weiteren Tag schnellt die Fehlerquote nach oben, schaukeln sich die
internen Unsicherheiten der Modelle so weit auf, daß am Ende kompletter
Unsinn entsteht. Die Avantgarde der Wetterforscher im Europaischen
Zentrum für Mittelfristige Wettervorhersagen (EZMW) müht sich zwar, den
Vorhersagezeitraum auf zehn Tage auszudehnen, doch das geht zu Lasten
der regionalen Auflösung. Da es sich bei der globalen Atmosphäre,
gekoppelt mit den Ozean-, Eis- und Landflächen, um ein nichtlineares,
chaotisches System handele, seien längerfristige Wettervorhersagen
»prinzipiell unmöglich«, sagt der Berliner Meteorologe Heinz Fortak.
Was das heißt -
ein »nichtlineares, chaotisches System« -, veranschaulichte am 29.
Dezember 1972 der Meteorologe Edward Lorenz in einem Artikel mit der
Überschrift: »Kann das Schlagen eines Schmetterlingsflügels in
Brasilien einen Tornado auslösen?« Aber ja, beantwortete der
Wissenschaftler die selbstgestellte Frage. Da aber solche Prozesse von
keinem Computer der Welt jemals erfaßt werden können, muß eine
längerfristige Prognose des chaotischen Wettersystems scheitern.
Nichtlineare, chaotische Systeme zeichnen sich dadurch aus, daß minimal
veränderte Ausgangsbedingungen am Ende zu völlig verschiedenen
Vorhersagen führen können.
Wird ein
Klimamodell gestartet, produziert es denn auch erst mal nichts als
Nonsens. »Schon kleine Programmierfehler«, erklärt auch der Hamburger
Klimaforscher Hartmut Graßl, »schaukeln sich nach wenigen Modelltagen
zum größten Unsinn auf.« Im Modell rauschen dann plötzlich Winde von
zehntausend Metern pro Sekunde, die Erde friert unter Temperaturen von
minus 450 Grad. Um die Fehler zu beheben, wird das Modell anschließend
»geeicht«, die eingegebenen Annahmen, etwa über die nicht erfaßbaren
Wolkenprozesse, korrigiert, bis es wenigstens das aktuelle Klima
halbwegs realistisch wiedergibt.
Nur wenn man von
einem vergleichsweise einfachen Modell des Treibhauseffekts ausgeht,
das viele bekannte und unbekannte Rückkoppelungen ignoriert, kommt es
im Modell zu dem berüchtigten künstlichen Treibhauseffekt. Eine solche
Rückkoppelung ist für Fortak die Möglichkeit, daß bei einer Erwärmung
in den polfernen Gebieten mehr Wasser verdampft, über den Polen als
Niederschlag niedergeht und dort als Schnee abgelagert wird. Dem Meer
würde damit Volumen entzogen, entgegen den Prognosen würde der
Meeresspiegel sinken.
Auch namhafte
Mathematiker geben keinen Pfennig auf die Aussagekraft der Modelle. Der
dänische Professor Bernhelm Booß-Bavnbek, ehemals Leiter des Zentrums
für Mathematisierung in Bielefeld, fordert geradezu Ketzerisches: »1.
Wir müssen damit aufhören, Schreckgespenster aus der blauen Luft an die
Wand zu malen. 2. Wir müssen mit der Behauptung aufhören, wir würden
die Wirkungen unserer Klimabeeinflussungen kennen. 3. Wir müssen auch
damit aufhören, Dinge in Bewegung zu setzen, deren Wirkungen wir nicht
überschauen können - ob es sich um neue unmittelbare Umweltschweinerein
oder unübersehbare Gegenmaßnahmen handelt." »Wir haben keine Grundlage
«, so der Experte für mathematische Modellierung in Umweltfragen
weiter, »um die Wirkung der Klimaänderungen vorherzusagen, weder
innerhalb eines bestimmten Zeitintervalls noch für ein bestimmtes
geographisches Gebiet.« Die behauptete Exaktheit der Klimaprognosen sei
»Etikettenschwindel und direkt irreführend«. Die Vorhersagen der
Klimawissenschaftler hält er «für gut gemeint, aber unverantwortlich«.
Das Problem sei,
»daß wir einige grundlegende Mechanismen des irdischen Klimasystems
nicht verstehen«. Zum Beispiel die Frage, wieviel CO2 die Ozeane
absorbieren können, bevor die menschlichen Kohlendioxyd-Emissionen in
größerem Umfang in die Atmosphäre aufgenommen werden. Zum Beispiel, ob
und unter welchen Bedingungen der Golfstrom seine Richtung ändern wird.
Kritiker wie
Booß-Bavnbek zählen nicht zu den vielgeschmähten »Verharmlosern«. Er
steht zu der Meinung, »daß eine unkontrollierte Ablagerung von
Gigatonnen Treibhausgasen in der Atmosphäre äußerst riskant und für uns
alle lebensgefährlich ist«. Allein, was nun wirklich passieren wird, ob
die Erde kälter oder wärmer, feuchter oder trockener wird, ob München
unter Eis verschwindet oder unter tropischer Sonne schwitzt, das können
wir nicht wissen. Nur daß etwas passieren wird, und daß dramatische
Klimaänderungen sehr schnell vor sich gehen können, da ist sich der
Wissenschaftler »so gut wie sicher«.
Andere, vor allem
deutsche Klima-Kapazitäten sind da weniger zimperlich. So prophezeite
der Frankfurter Klima-Professor Christian Dietrich Schönwiese einem
Reporter: »Wenn wir uns in dreißig Jahren noch einmal treffen, wird die
Weltmitteltemperatur so in der Größenordnung von ein bis drei Grad
gestiegen sein.« Eine Prognose, bei der selbst Leute aus dem eigenen
Lager die Augen verdrehen.
Kritiker wie
Heinz Fortak sehen den künstlichen Treibhauseffekt als Ergebnis einer
»unheiligen Allianz zwischen Wissenschaftlern, Presse und Politikern,
bei der es um Forschungsgelder, Auflagen und Prestige geht. Auf der
Strecke bleiben junge Leute wie meine Tochter, die drei Kinder hat und
um die Zukunft zittert. Ich glaube, der Schaden durch die verursachte
Panik wird weitaus größer sein als durch die prophezeite
Klimakatastrophe.«
Erschienen im Süddeutsche Zeitung Magazin am 6. August 1993