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Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Klima oder bleibt wie es ist PDF Drucken E-Mail
Friday, 25. January 2008

Die besten Artikel aus 20 Jahren
Titelgeschichte im SZ-Magazin vom 6.8.93: Klimaphobie und "Klimakatastrophe".
Von Gerhard Wisnewski

Wissenschaftler haben eine neue Angst entdeckt: die Angst vor dem Wetter. Manche sprechen auch klar von einer Klimaphobie. Meist beginnt sie mit einem mißtrauischen Blick zum Himmel. Dann werden stärkere Sonnencremes gekauft - am besten Faktor zwanzig-, breitkrempige Strohhüte und dunkle Brillen. Bei schönem Wetter atmen die von der Phobie Befallenen nur noch sparsam, bei Regen rekapitulieren sie pH-Werte. Im Endstadium verfinstert sich ihr Blick grundsätzlich bei jedem Wetter. Sensible Naturen trauen sich nicht mehr auf die Straße.

Längst haben Ozonloch und Treibhauseffekt die Ängste vor einem Atomkrieg abgelöst. Das Wetter, das ebenso belanglose wie beliebte Gesprächsthema von einst, ist zu einem Angstmacher ersten Ranges geworden. Bei einer Befragung von 1051 Müttern stellte sich schon 1992 heraus, daß diese Frauen sich vor allem vor Umweltkatastrophen fürchten. Ganz oben dabei: das Wetter. Fünfzig Prozent zittern am meisten vor dem Ozonloch, 45 Prozent vor der »Klimakatastrophe«. Nach einer älteren OECD-Studie von 1988 fühlten sich 43 Prozent der Deutschen vom Klimaproblem sehr betroffen, 1989 waren es bereits 55 Prozent. Tendenz: weiter steigend.


Das Wetter hat sich von der selbstverständlichen Alltagserscheinung zum Hauptzankapfel von Wissenschaftlern, Politikern und Medienmachern gewandelt. »Welche Gefahren drohen uns, wenn sich das Wetter ändert?« fragen ebenso besorgt wie auflagenträchtig die Zeitungen. Kein Tag ohne Katastrophenmeldungen, Spekulationen und Vermutungen über das Wetter und Klima von morgen und übermorgen. Riesige Wissenschaftsapparate haben sich der Wolken und des Windes bemächtigt, fast täglich spucken Supercomputer neue Angstszenarien aus: »Treibhaus, Eiszeit oder beides? « stecken die Schlagzeilenmacher die Bandbreite möglicher Katastrophen ab.

Egal, ob es regnet oder schneit, kein Mensch glaubt mehr, daß das Wetter irgendwie noch »normal« ist. Kaum ist es mal drei Wochen warm, denkt jeder an den Treibhauseffekt. Und »kaum ist es mal drei Wochen kalt, kommen die ersten Fragen, ob es eine neue Eiszeit gibt«, umschreibt der Temperaturexperte des Deutschen Wetterdienstes in Frankfurt, Gerhard Müller-Westermeier, die Stimmung im Lande-. »Das ist eben typisch menschlich.«

Im Mittelpunkt der Ängste steht der sogenannte künstliche Treibhauseffekt. Das »greenhouse warming« droht den Deutschen die Lust am Wetter zu verderben, in kaum einem anderen Land der Welt wird das Klimaproblem so heftig diskutiert, in keinem anderen Land gibt es eine eigene Parlamentskommission zur politischen Aufarbeitung der »Klimakatastrophe«. Deutschland ist auch führend bei der Programmierung sogenannter »Klimamodelle«, die die künstliche Erwarmung simulieren sollen.

Sollten Autoauspuffe und Fabrikschlote weiterhin so viel Kohlendioxyd (CO2) in die Atmosphäre pusten wie bisher, so die zentrale These, droht sich das CO, wie eine riesige Glasglocke um die Erde zu schließen und einfallende Sonnenstrahlen in der Lufthülle »einzusperren«. Der Treibhauseffekt werde die Erdatmosphäre in den nächsten hundert Jahren um irgendeinen Wert zwischen 1,5 und 4,5 Grad aufheizen, lauten die Vorhersagen.

Fest steht zunächst: Der bange Blick aus dem Fenster bringt keinen Erkenntnisgewinn. Kein Mensch kann durch bloße Inaugenscheinnahme von stahlblauem Himmel, sturmgeknickten Bäumen, Gewitterwolken oder Tornadofronten Rückschlüsse auf Klimaveränderungen ziehen. »Wir selbst können auch über ein Menschenalter hinweg überhaupt keine Feststellungen in bezug auf das Klima treffen«, sagt der Pressesprecher des Hamburger Klimaforschungszentrums, Stefan Hoppenau: »Das wäre dasselbe, als wollten Sie eine Wahlprognose machen, indem Sie auf der Straße fünf Leute befragen.« Denn während das Wetter eine tägliche Erscheinung ist, ist das Klima der langfristige Durchschnitt aller Wettererscheinungen, und zwar über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg. Veränderungen dieses Durchschnitts lassen sich bestenfalls mit wissenschaftlichen Messungen herausfinden, nicht aber durch subjektive Eindrücke vom Alltagswetter.

Immerhin: Es gab sie ja, die Wetterkatastrophen des letzten Jahrzehnts. Mitte Januar 1993 fegte der Orkan Verena mit 16o Stundenkilometern über Deutschland, abgelöst von den Sturmungeheuern Agnes und Barbara. Am 12. Januar standen den Einwohnern von Trier bei 130 Stundenkilometer schnellen Winden die Haare zu Berge, während jeder Quadratmeter des Schwarzwaldortes Freudenstadt unter 66 Liter Regen ertrank. Gleichzeitig ließen sich die Münchener im Englischen Garten bei 19 Grad plus die erste Maß Freiluftbier durch die Kehle rinnen. Wetter verrückt: Der stürmische und laue Jahreswechsel 1992-1993 setzte eine Reihe zu warmer und windiger Winter fort, die seit etwa 1990 andauert.

»Die Natur schlägt zurück«, warnten landauf, landab die Schlagzeilen. Fachleute winken jedoch ab: Auf die Frage, ob sich das Klima ändert, sagt Rolf Doberitz vom Hamburger Seewetteramt: »Ich würde sagen: nein.« Untersuchungen hatten ergeben, daß die Windtätigkeit in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts eher zu schwach gewesen war. Doberitz: »Und jetzt, wo ein paar Stürme da sind, sagt man, das ist die Klimakatastrophe. Aus unserer Sicht wurde einfach die Bandbreite der natürlichen Sturmtätigkeit zu gering eingeschätzt. Schließlich gab es auch in den Jahrhunderten davor Perioden mit starken Stürmen, wie sollen denn sonst am Ende des Mittelalters Dollart und Jadebusen entstanden sein. Damals muß es gewaltige Sturmfluten gegeben haben.« Überdies verweist das Seewetteramt auf die stürmischen Winter von »19 62, 1967, 1975, 1976 und 1981, die in Hamburg mit schweren Sturmfluten einhergegangen sind«.

Das Auftreten von Wirbelstürmen habe seit 1930 insgesamt »keine Tendenz zur Zunahme gezeigt«.

Für Stürme aus jüngerer Zeit könne man »einen sehr einfachen Grund finden«, meint Rolf Doberitz, »nämlich, daß es rund um die Azoren etwas wärmer geworden ist, im subpolaren Gebiet um Grönland aber kälter«. Dieses Temperaturgefälle mit seinen stärkeren Tiefdruckgebieten widerspricht den Klimaprognosen, statt sie zu bestätigen: Die Vorhersagen gingen davon aus, so Doberitz, »daß sich die subpolaren Gebiete um Grönland am stärksten erwärmen. Im grönländischen Raum ist im Moment gerade das Gegenteil der Fall.«

Und die milden Winter? Anhand von Temperaturmessungen könne man »sicher sagen«, so Doberitz, daß drei milde Winter im Mitteleuropa »auch früher schon vorgekommen« seien: »Dazu gehören zum Beispiel die Winter 1882-84, 1898-1900, 1934-36 und 1973-75. Selbst vier milde Winter hintereinander gab es von 1925-28, also zu einer Zeit, wo von einem verstärkten Treibhauseffekt noch nicht gesprochen werden kann.«

Bleibt noch der »zu milde Frühling«. Immerhin war zum Beispiel das Frühjahr 1993 gegenüber dem Mittelwert von 1951 bis 1980 hierzulande um 0,9 bis 2,7 Grad zu warm, das Frühjahr davor auch schon. »Aber«, so Gerhard Müller-Westermeier vom Deutschen Wetterdienst, »das kommt eben mal vor, das ist noch kein Beweis für den künstlichen Treibhauseffekt.« Fazit: »Die natürliche Klimaunruhe ist eben ziemlich groß.«

Die extremen europäischen Wetterergebnisse der vergangenen Jahre sind noch kein Beleg für die drohende Klimakatastrophe. Und schließlich: Selbst wenn sich das Klima in Mitteleuropa signifikant verändern sollte - für das globale Klima ist das noch lange nicht repräsentativ: Mitteleuropa macht gerade ein Prozent der Erdoberfläche aus. Ob es in München stürmt, regnet oder schneit oder in Hamburg die Sonne gnadenlos vom Himmel brennt - über das globale Klima oder den künstlichen Treibhauseffekt sagt das erst recht nichts aus.

Auslöser der Sorge ums Weltklima sind Planeten wie E. Um dieses Gestirn zu betreiben, werden rund 120.000 Mark im Monat benötigt, ferner 250 Kilowatt Strom und zwanzig Kilometer Kabelgeflecht. Anschaffungskosten von E.: rund vierzig Millionen Mark.

Mit der Erde hat E. auch wenig gemein. Er kreist nicht um die Sonne, sondern steht im 15. Stock eines Hamburger Universitätshochhauses - ein Kunstplanet. Dort, in einem grauen Kasten namens Cray 2S, spielt sich das gesamte Leben von E. ab. Die Welt am Draht soll Vorhersagen ermöglichen, wie sich das Klima in den nächsten Jahrhunderten auf einem anderen Planeten, der Erde, entwickeln wird. Mit der Antwort auf die Frage, wie gut oder schlecht Kunstplaneten wie E. das Geschehen auf der Erde wiedergeben, steht und fällt die Annahme des sogenannten künstlichen »Treibhauseffekts«, der »Klimakatastrophe« oder welche anderen Namen die vermutete Erwärmung der Erde sonst noch bekommen hat.

Die Klimakatastrophe findet also erst mal im Elektronenrechner statt. Und darin liegt das Problem. Denn an der Aussagekraft der Computermodelle gibt es viele Zweifel. Die Klimamodelle geben nicht die Bedingungen auf der Erde wieder, sondern schon eher den jeweiligen Stand der Computer- und Programmiertechnik. Vor einigen Jahren, etwa hatten Planeten wie E. nicht einmal eine Atmosphäre, geschweige denn einen Ozean, von den Wechselwirkungen zwischen beiden gar nicht zu sprechen. Was aber niemanden daran hinderte, aufgrund solcher Modelle Prognosen über die zukünftige Erwärmung der Erde abzugeben. Mit der Entwicklung der Computermodelle schwankten die Vorhersagen über die globale Mitteltemperatur in den nächsten hundert Jahren erheblich. »Die ersten Modelle haben eine ganz große Erwärmung vorhergesagt, die nächsten eine ganz geringe, die heutigen, feineren Modelle liegen eher in der Mitte«, resümiert Müller-Westermeier vom Deutschen Wetterdienst. »Aber die Rechner haben eben immer noch nicht die Kapazität, um das ganze komplexe Geschehen auf der Erde und in der Atmosphäre zu erfassen. Das Klimasystem ist noch lange nicht vollständig erforscht.«

In der Hitze der Klimadebatte werden weniger spektakuläre Prognosen kaum zur Kenntnis genommen. Das ist einerseits verständlich, haben doch Wissenschaftler und Umweltverbände massiv die Forderung erhoben, durch rasches, entschlossenes Handeln katastrophale Entwicklungen abzuwenden. Andererseits werde aber der neueren wissenschaftlichen Literatur, »die eine Abschwächung bisher erwarteter Klimaveränderungen glaubhaft macht, wenig Beachtung gewidmet«, konstatiert der ehemalige Professor für theoretische Meteorologie an der Freien Universität Berlin, Heinz Forta.

Das Problem für alle, die sich dem Klima wissenschaftlich nähern: Die Werte, die uns heute erschrecken, können schon morgen überholt sein - im Positiven wie im Negativen. Gewißheit wird es beim menschengemachten Treibhauseffekt vermutlich niemals geben. »Das Problem ist, daß das Klimasystem ein kompliziertes System ist, das noch nicht einmal im Normalzustand verstanden wird«, sagt der Chemiker Rainer Grießmann vom Ökoinstitut in Freiburg.

Die Unzulänglichkeiten der Forscher und Computer teilen sich in bekannte und unbekannte Defizite auf. So ist in den Rechnern die komplexe Struktur der Wolken beispielsweise nicht enthalten - das feine Spiel der Wasserdampfgebilde läßt sich auch von den ausgefuchstesten Klimamodellen bis heute nicht abbilden. Die Wolkenstruktur ist aber ein so wesentlicher Klimaregulator, daß manche Forscher allein deshalb die Gültigkeit der Modelle bezweifeln. Über die unbekannten Defizite weiß man naturgemäß noch weniger.

Das Hauptproblem bei der Computersimulation heißt bei den Forschern »Parametrisierung«. Dahinter steht das Bemühen, kleinräumige Prozesse und regionale Klimaerscheinungen zu erfassen und in den Rechner einzugeben. Hochkomplexe Wolkenturbulenzen sollen ebenso in Ziffern ausgedrückt werden wie Veränderungen der Vegetation. Dabei behilft man sich mit Schätzungen und Mittelwerten, was bedeutet, daß jedes Klimamodell bereits Unsicherheiten in sich birgt, bevor es überhaupt startet. Die Parameter sind nichts als Annahmen, wie diese Prozesse aussehen könnten - ob sie wirklich so ablaufen, weiß man nicht. Unklar ist auch, ob und wie sich diese Unwägbarkeiten gegenseitig aufheben oder sogar aufschaukeln.

Während die Forscher einerseits nicht über genügend Wissen und Daten verfügen, müssen sie sich andererseits auch noch selbst beschränken. Um die Rechenzeit der Elektronenhirne nicht ausufern zu lassen, muß die Komplexität der Klimamodelle zurechtgestutzt werden. Allein die Berechnung eines Jahres dauert in der Computersimulation acht Stunden. Eine Prognose über hundert Jahre verschlingt mithin achthundert Stunden oder einen guten Monat reine Rechenzeit.

Ein gutgehütetes Geheimnis der Klimaforscher besteht darin, daß ihre Modelle noch wesentlich primitiver sind als die der täglichen Wettervorhersage. Die bringt es nach eigenen Angaben der Wetterfrösche auf eine Treffsicherheit von 87 Prozent - für den nächsten Tag. Mit jedem weiteren Tag schnellt die Fehlerquote nach oben, schaukeln sich die internen Unsicherheiten der Modelle so weit auf, daß am Ende kompletter Unsinn entsteht. Die Avantgarde der Wetterforscher im Europaischen Zentrum für Mittelfristige Wettervorhersagen (EZMW) müht sich zwar, den Vorhersagezeitraum auf zehn Tage auszudehnen, doch das geht zu Lasten der regionalen Auflösung. Da es sich bei der globalen Atmosphäre, gekoppelt mit den Ozean-, Eis- und Landflächen, um ein nichtlineares, chaotisches System handele, seien längerfristige Wettervorhersagen »prinzipiell unmöglich«, sagt der Berliner Meteorologe Heinz Fortak.

Was das heißt - ein »nichtlineares, chaotisches System« -, veranschaulichte am 29. Dezember 1972 der Meteorologe Edward Lorenz in einem Artikel mit der Überschrift: »Kann das Schlagen eines Schmetterlingsflügels in Brasilien einen Tornado auslösen?« Aber ja, beantwortete der Wissenschaftler die selbstgestellte Frage. Da aber solche Prozesse von keinem Computer der Welt jemals erfaßt werden können, muß eine längerfristige Prognose des chaotischen Wettersystems scheitern. Nichtlineare, chaotische Systeme zeichnen sich dadurch aus, daß minimal veränderte Ausgangsbedingungen am Ende zu völlig verschiedenen Vorhersagen führen können.

Wird ein Klimamodell gestartet, produziert es denn auch erst mal nichts als Nonsens. »Schon kleine Programmierfehler«, erklärt auch der Hamburger Klimaforscher Hartmut Graßl, »schaukeln sich nach wenigen Modelltagen zum größten Unsinn auf.« Im Modell rauschen dann plötzlich Winde von zehntausend Metern pro Sekunde, die Erde friert unter Temperaturen von minus 450 Grad. Um die Fehler zu beheben, wird das Modell anschließend »geeicht«, die eingegebenen Annahmen, etwa über die nicht erfaßbaren Wolkenprozesse, korrigiert, bis es wenigstens das aktuelle Klima halbwegs realistisch wiedergibt.

Nur wenn man von einem vergleichsweise einfachen Modell des Treibhauseffekts ausgeht, das viele bekannte und unbekannte Rückkoppelungen ignoriert, kommt es im Modell zu dem berüchtigten künstlichen Treibhauseffekt. Eine solche Rückkoppelung ist für Fortak die Möglichkeit, daß bei einer Erwärmung in den polfernen Gebieten mehr Wasser verdampft, über den Polen als Niederschlag niedergeht und dort als Schnee abgelagert wird. Dem Meer würde damit Volumen entzogen, entgegen den Prognosen würde der Meeresspiegel sinken.

Auch namhafte Mathematiker geben keinen Pfennig auf die Aussagekraft der Modelle. Der dänische Professor Bernhelm Booß-Bavnbek, ehemals Leiter des Zentrums für Mathematisierung in Bielefeld, fordert geradezu Ketzerisches: »1. Wir müssen damit aufhören, Schreckgespenster aus der blauen Luft an die Wand zu malen. 2. Wir müssen mit der Behauptung aufhören, wir würden die Wirkungen unserer Klimabeeinflussungen kennen. 3. Wir müssen auch damit aufhören, Dinge in Bewegung zu setzen, deren Wirkungen wir nicht überschauen können - ob es sich um neue unmittelbare Umweltschweinerein oder unübersehbare Gegenmaßnahmen handelt." »Wir haben keine Grundlage «, so der Experte für mathematische Modellierung in Umweltfragen weiter, »um die Wirkung der Klimaänderungen vorherzusagen, weder innerhalb eines bestimmten Zeitintervalls noch für ein bestimmtes geographisches Gebiet.« Die behauptete Exaktheit der Klimaprognosen sei »Etikettenschwindel und direkt irreführend«. Die Vorhersagen der Klimawissenschaftler hält er «für gut gemeint, aber unverantwortlich«.

Das Problem sei, »daß wir einige grundlegende Mechanismen des irdischen Klimasystems nicht verstehen«. Zum Beispiel die Frage, wieviel CO2 die Ozeane absorbieren können, bevor die menschlichen Kohlendioxyd-Emissionen in größerem Umfang in die Atmosphäre aufgenommen werden. Zum Beispiel, ob und unter welchen Bedingungen der Golfstrom seine Richtung ändern wird.

Kritiker wie Booß-Bavnbek zählen nicht zu den vielgeschmähten »Verharmlosern«. Er steht zu der Meinung, »daß eine unkontrollierte Ablagerung von Gigatonnen Treibhausgasen in der Atmosphäre äußerst riskant und für uns alle lebensgefährlich ist«. Allein, was nun wirklich passieren wird, ob die Erde kälter oder wärmer, feuchter oder trockener wird, ob München unter Eis verschwindet oder unter tropischer Sonne schwitzt, das können wir nicht wissen. Nur daß etwas passieren wird, und daß dramatische Klimaänderungen sehr schnell vor sich gehen können, da ist sich der Wissenschaftler »so gut wie sicher«.

Andere, vor allem deutsche Klima-Kapazitäten sind da weniger zimperlich. So prophezeite der Frankfurter Klima-Professor Christian Dietrich Schönwiese einem Reporter: »Wenn wir uns in dreißig Jahren noch einmal treffen, wird die Weltmitteltemperatur so in der Größenordnung von ein bis drei Grad gestiegen sein.« Eine Prognose, bei der selbst Leute aus dem eigenen Lager die Augen verdrehen.

Kritiker wie Heinz Fortak sehen den künstlichen Treibhauseffekt als Ergebnis einer »unheiligen Allianz zwischen Wissenschaftlern, Presse und Politikern, bei der es um Forschungsgelder, Auflagen und Prestige geht. Auf der Strecke bleiben junge Leute wie meine Tochter, die drei Kinder hat und um die Zukunft zittert. Ich glaube, der Schaden durch die verursachte Panik wird weitaus größer sein als durch die prophezeite Klimakatastrophe.«

Erschienen im Süddeutsche Zeitung Magazin am 6. August 1993