| Klimakatastrophe findet hauptsächlich im Computer statt |
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| Friday, 25. January 2008 | |||||||||
Der ZDF-Wissenschaftsjournalist Joachim Bublath gehört zu den kritischeren Köpfen im Bereich Wissenschaftsjournalismus. Während andere brav nachbeten, was ihnen Professoren mit dicken Computern (oder dicke Professoren mit Computern) so alles in den Block diktieren, nimmt Bublath so manchen Wissenschaftsquark in so diplomatischen und konzilianten Tönen auseinander, daß man oft gar nicht mitbekommt, wie kritisch seine Berichte sind. Jüngstes Beispiel: Die uns alle bedrohende "Klimakatastrophe", die zu einer immer wärmeren Erde führen soll, einschließlich gräßlicher Folgen für die Menschheit. Klimakatastrophe? Na und?, könnte man da fragen. Hatten wir doch bisher auch schon: Schnee, Glatteis, Matsch, Dauerregen - wenn das keine Klimakatastrophe war, was dann? Kann ja eigentlich nur besser werden. Nicht doch, wir wollen doch schön politisch korrekt und vor allem betroffen bleiben. Ja: betroffen. Und wir wollen uns die politisch korrekte Selbstvergewisserung ja nicht verderben lassen, wie maßlos schlecht wir doch einerseits sind, weil wir unsere Erde mit üblen Gasen vergiften - und wie unendlich gut, weil wir uns angesichts dieser schrecklichen Katastrophe täglich die Haare raufen und brav Ökosteuer zahlen. - Doch Vorsicht: die Klimakatastrophe, vor allem aber die Gewißheit der menschlichen Schuld, ist eine Heilige Kuh. Aber warum? Ganz einfach: weil nur die Klimakatastrophe noch einen Schein von Vernunft und Solidarität auf dem Globus wahrt. Gegen die angeblich menschengemachte Klimakatastrophe kämpfen Umweltverbände genauso wie Unternehmer, linke Parteien genauso wie rechte, Angela Merkel genauso wie die PDS, Greenpeace genauso wie Al Gore, Regierungen genauso wie Nicht-Regierungsorganisationen. Mag der Globus ansonsten tief gespalten sein, mögen auch Raub und Hauen und Stechen herrschen, die Klimakatastrophe erzeugt soetwas wie eine letzte Nestwärme und die Hoffnung, daß die Welt noch nicht ganz aus den Fugen ist. Mag die Erde in Kürze auch als brennender Planet durchs Universum taumeln, wird sich die Menschheit doch wenigstens noch vereint vor der Klimakatastrophe verbeugen und dem Treibhauseffekt huldigen. Nichts eint die Welt so sehr wie die Klimakatastrophe, nicht einmal der künstlich erzeugte Kampf der Kulturen. Und wer sie kritisiert, begibt sich auch noch in schlechte Gesellschaft, nämlich in die von George W. Bush. Man sollte sich von George W. Bush allerdings nie eine Meinung vorschreiben lassen, nicht einmal dann, wenn er dieselbe vertritt. Ich jedenfalls betrachte mich nach vor als geistig unabhängig von George W. Bush. -
Die Wahrheit ist, daß wir die Klimakatastrophe unserer schönen Sammlung von Phantomen einverleiben müssen.
"Auslöser der Sorge ums Weltklima", schrieb ich selbst bereits 1993 in einem Beitrag für das Süddeutsche Zeitung Magazin,
"sind Planeten wie E. Um dieses Gestirn zu betreiben, werden rund
120.000 Mark im Monat benötigt, ferner 250 Kilowatt Strom und zwanzig
Kilometer Kabelgeflecht. Anschaffungskosten von E.: rund vierzig
Millionen Mark.
Mit
der Erde hat E. wenig gemein. Er kreist nicht um die Sonne, sondern
steht im 15. Stock eines Hamburger Universitätshochhauses - ein
Kunstplanet. Dort, in einem grauen Kasten namens Cray 2S, spielt sich
das gesamte Leben von E. ab. Die Welt am Draht soll Vorhersagen
ermöglichen, wie sich das Klima in den nächsten Jahrhunderten auf einem
anderen Planeten, der Erde, entwickeln wird. Mit der Antwort auf die
Frage, wie gut oder schlecht Kunstplaneten wie E. das Geschehen auf der
Erde wiedergeben, steht und fällt die Annahme des sogenannten
künstlichen »Treibhauseffekts«, der »Klimakatastrophe« oder welche
anderen Namen die vermutete Erwärmung der Erde sonst noch bekommen hat. Die ganze schöne Klimakatastrophe ist also hauptsächlich eine Rechenkatastrophe. Daß dieser Artikel auch heute noch aktuell ist, zeigt, das die Klimaforschung seither nicht viel weiter gekommen ist.. "Das Klima ist ein äußerst komplexes Geschehen, und es fällt sehr schwer, verlässliche Prognosen darüber anzustellen", formuliert Bublath taktvoll: "Als Handwerkszeug dienen naturwissenschaftliche Modellbetrachtungen, doch die besitzen nur eine begrenzte Gültigkeit. In riesigen Rechenzentren werden Supercomputer mit einer Flut globaler Klimadaten gefüttert. Doch die Hoffnung, in einem Computerprogramm das komplexe Klimageschehen wiederzufinden, erfüllt sich nicht." Na sowas, wo das doch für den Rest der Presse so sicher ist, wie das berühmte Amen in der Kirche.
"Über die Jahrzehnte musste man immer mehr klimabestimmende Faktoren in die Modelle einbeziehen." Soll heißen: Wir werden zwar seit Jahrzehnten mit immer neuen Schreckensprognosen bombardiert, doch die ersten Klimamodelle ließen derartige Kleinigkeiten wie die irdischen Ozeane glatt unter den Tisch fallen. Was niemanden daran hinderte, großspurige Prognosen über eine zukünftige Erwärmung der Erde abzugeben. Ergebnis: Micky-Maus-Wissenschaft. "Ein wichtiger Schritt war es etwa, die Koppelung der Atmosphäre mit den Vorgängen in den Ozeanen zu berücksichtigen." Wie wahr: Auch dieser Faktor fehlte über viele Jahre in den Klimamodellen. Gültigkeit daher: gleich Null. "Die Wissenschaftler beginnen mit ihrer Arbeit zu erahnen, wie eng die verschiedenen Abhängigkeiten miteinander verwoben sind." Soll heißen: Langsam dämmert es den Modellierern, wie komplex die Erde wirklich ist, nämlich viel komplexer als ihre Modelle jemals sein können. Ein grundsätzliches Problem besteht darin, daß die Ökosphäre eine unendliche Menge von Daten verarbeitet, während Klimamodelle prinzipiell nur endliche Mengen von Daten verarbeiten können. Noch ein Beispiel: Der Wald. "Wald ist klimatechnisch gut", haben wir bisher von den "Klimaforschern" und Umweltschützern gelernt: "Der Ausstoß von Kohlendioxid wird in den Klimamodellen mit Vorgängen verrechnet, die das Treibhausgas absorbieren. So etwa mindern Pflanzen durch ihr Wachstum den Kohlendioxidgehalt. Im Kyoto-Protokoll bewertet man deshalb große Waldflächen als positiv." Dumm nur, daß Pflanzen der Atmosphäre durch ihr Wachstum zwar Kohlendioxid entziehen, dafür aber das angeblich viel stärkere "Treibhausgas" Methan produzieren. "Einige Forscher schätzen inzwischen", so Bublath, "dass die tropischen Wälder für rund ein Drittel des gesamten globalen Methanausstoßes verantwortlich sind. Damit wandelt sich das positive Bild." Dumm gelaufen. Aber so geht es immer weiter. Ja: es muß so weiter gehen. Denn die Komplexität des irdischen Klimasystems überfordert das menschliche Gehirn und seine Denkprothesen grundsätzlich. Vielleicht nicht im einen oder anderen Subsystem, aber jedenfalls im großen Ganzen. Die Wahrheit ist: Klimamodelle können nicht nur nicht in die Zukunft blicken, selbst mit der Vergangenheit tun sie sich schwer: "Um die Klimamodelle zu testen, rechnet man Ereignisse der Vergangenheit nach. Ein gutes Modell sollte bei der Rückrechnung das Geschehen in der Vergangenheit widerspiegeln. Doch das Ergebnis dieser Berechnungen ist bislang ernüchternd: Die feinen, aber extremen Klimaschwankungen der Vergangenheit werden nicht wiedergegeben, nur ein grober Verlauf." Und der ist meistens geschönt, indem die Klimamodelle von den Wissenschaftlern frisiert werden. Pardon: "kalibriert". Man dreht so lange ein einigen Schräubchen, bis die Ergebnisse halbwegs stimmen. Anschließend wird das Klimamodell auf die Zukunft losgelassen (wobei man auch da an vielen Schräubchen drehen muß) und dann auf die Medien. Sprich: auf uns. Das nächste Problem sind die Rechenleistung und die Rechenzeit: "Jedes Modell müsste, mit kleinen Abweichungen versehen, immer wieder durchgerechnet werden, um überhaupt die Gültigkeit des Klimamodells abschätzen zu können", berichtet Joachim Bublath. "Das aber scheitert an der Rechenleistung der aktuellen Computer. Für ein aufwendigeres Modell benötigen sie etwa ein Jahr, um es mit einem Datensatz durchzurechnen. Will man das mehrmals mit leicht abweichenden Zahlenwerten tun, lässt sich das in der Praxis allein schon aus Zeitgründen nicht realisieren. Eine der Hoffnungen für die Zukunft ist die rasante Verbesserung der Rechenleistung. Aber bei den Klimamodellen müssen noch viele andere Schwierigkeiten überwunden werden, damit sie uns irgendwann einmal ein realistischeres Bild liefern."
Alles in allem wird immer klarer, daß es in Sachen Klima einen weitaus mächtigeren Klima-Akteur gibt, als den Menschen, nämlich die Sonne. Schwanken deren Aktivität und Intensität, wird es auch der kleinen blauen Murmel in ihrer Nähe ganz heiß. Oder kalt - je nach dem. Ein Kyoto-Protokoll zur Regelung der Sonnenaktivität dürfte daher wohl nur noch eine Frage der Zeit sein. http://www.br-online.de/kultur/literatur/lesezeichen/20050220/20050220_1.html
Notiz: erweitert 18.1.07 |
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