| Spiegel: Demagogie aus dem Baukasten |
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| Geschrieben von Gerhard Wisnewski | ||||||
| Saturday, 2. December 2006 | ||||||
Ich
muß gestehen, ich habe mich geirrt. Nein, wirklich: ich habe den
Spiegel immer falsch eingeschätzt. Es wird Zeit, eine Lanze für dieses
aufklärerische Blatt zu brechen. So hat Spiegel Online jetzt einen
Artikel von einem Thomas Grüter veröffentlicht - über haltlose Verschwörungstheorien und welchen Schaden sie anrichten können: "Erfolgreiche
Konspirationsstheorien entsprießen einem Verschwörungsglauben - dem
dumpfen Verdacht, der eigenen Gruppe drohe Böses durch eine andere
Gruppe. Das kann eine Religionsgemeinschaft, ein Volk, ein Staat oder
auch nur das Nachbardorf sein."
Genau,
Verschwörungstheorien entspringen etwa jenem dumpfen Verdacht, Bin
Laden und Al-Qaida hätten am 11.9.2001 die USA angegriffen, und seitdem
müsse man einen noch dumpferen "Kreuzzug gegen das Böse" führen. "Eines
haben alle Autoren von Weltverschwörungstheorien gemein. Sie richten
ihre Botschaft immer an die Gruppe, der sie sich zugehörig fühlen:
'Unsere Feinde sind verschlagen, böse, mächtig, allgegenwärtig,
unsichtbar und wollen unsere höchsten Ideale verderben.' " Eben - genau das, George W. Bush dauernd sagt. Irgendwie muß mal wieder Feuer am Dach der offiziellen Verschwörungstheorie sein. Früher bemühte man in solchen Fällen den Vorwurf des Antsemitismus. Und das ging so:
Gar nicht gut. Denn daß 9/11-Kritiker, die Israel nicht einmal erwähnt hatten, plötzlich als Antisemiten hingestellt wurden, wirft die Frage auf, inwiefern sie israelische Interessen berührt haben könnten. Warum regten sich zum Beispiel ausgerechnet israelfreundliche Journalisten so nachhaltig über kritische 9/11-Recherchen auf? Wenn man da nicht erst recht ins Grübeln kommt. Diese Sache begann also deutlich nach hinten loszugehen: Mit dieser Antisemitismus-Verleumdung hatte man sich fein verrannt, zumal auch noch für den am einfachsten Gestrickten erkennbar wurde, daß es nur darum geht, deutsche Journalisten mit einer sicheren Waffe mundtot zu machen. Überdies fingen sich manch übereifrige Demagogen die eine oder andere Unterlassungserklärung ein. Und zu schlechter Letzt nutzte sich der Vorwurf auch derart ab, daß er auch da, wo er angebracht wäre, immer weniger ernst genommen wurde.
Mit all dem zeigte sich die ganze Beschränktheit und Verantwortungslosigkeit des Ansatzes, 9/11-Skeptiker pauschal als Antisemiten hinzustellen. Eine neue Taktik mußte also her, und sie wird erstmals prominent in dem erwähnten Spiegel-Artikel von Grüter ausprobiert, der auch noch ein Buch zum Thema geschrieben hat. Der Kern dieser neuen Verfahrensweise besteht darin, vom platten Vorwurf des Antisemitismus wegzukommen. Vielmehr stellt man den Leuten einen Baukasten zur Verfügung, mit dessen Hilfe sie sich diesen Vorwurf und noch Schlimmeres quasi selbst zusammenbauen sollen - was subjektiv den Eindruck erweckt, ganz von selbst darauf gekommen zu sein. Zunächst mal tritt man, anders als früher, pseudowissenschaftlich und distanzierter auf. Man versucht es wenigstens. Das wirkt erstens seriöser und zweitens soll der Leser nicht merken, wie sehr man Partei ist. Die Benutzung von Begriffen wie "abstrus" und "bizarr" für die kritischen Recherchen über den 11. September verrät trotzdem die mangelnde Distanz, hilflose Ablehnung und unbeherrschbare Wut gegenüber diesen Nachforschungen. Woher diese Wut, und warum läßt sie sich nicht beherrschen? Drittens mischt man, wie immer, ernsthafte Recherchen mit als fragwürdig angesehenen Gegenständen : "Kennedy-Mord, Aliens und Mondlandung, Katholiken, Illuminaten und elfter September: Verschwörungstheorien ziehen sich durch die Geschichte." Man setzt also auf Verschmierungseffekte: Recherchen über den Kennedy-Mord, die Mondlandung und den 11. September sind dasselbe, wie an Aliens und Illuminaten zu glauben. Wirklich? Demnach müßen Aliens und Illuminaten doch realer sein, als ich bisher angenommen hatte... "Irgendwann schreibt dann jemand eine Hetzschrift oder ein Buch über die Untaten und heimlichen Pläne der Bösen." Die Botschaft: Bücher sind gefährlich und mit Hetzschriften austauschbar. An welchen Zeitraum in unserer Geschichte erinnert mich das bloß? Aber welche Bücher? Nun, natürlich "'Enthüllungsbücher' zur Zerstörung des World Trade Center." Nun aber zu den zentralen Botschaften: 1. "Die Bereitschaft zum Verschwörungsglauben steckt tief in allen Menschen. Bestimmt sie aber ihr Handeln, kann das blutige Folgen haben."
Also: "Verschwörungstheorien" können töten.
Alles
klar? Das heißt also: Hände weg von diesen Verschwörungstheorien über
den 11.9., denn Verschwörungstheorien töten Juden.
"Verschwörungstheorien" über den 11. September sind also das
schlimmste aller Gedankenverbrechen, weil sie zum Tode von Juden
führen, quasi ein vorweggenommener Holocaust. Haltet den
Gedankenverbrecher!
Dann
reden wir doch mal über die in Buch- und Artikel-Form erschienenen
Hetzschriften des Spiegelverlags zum 11.9.2001, die mit dazu
beigetragen haben, daß im Irak und in Afghanistan Hundertausende von
Menschen aufgrund der vom Spiegel unterstützten Politik sterben
konnten. Das Spiegel-Buch über den 11.9.2001 war eines der ersten, wenn
nicht das erste, das in den USA die offizielle Verschwörungstheorie auf
dem Buchmarkt verbreiten half. "Weltverschwörungen zwischen Buchdeckeln
haben immer das Zeug zum Bestseller", schreibt der Spiegel. "Die
bizarren Theorien über die Urheber der Anschläge auf das World Trade
Center erreichten in Europa und Amerika Spitzenauflagen." Der Spiegel
muß es ja wissen. |
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Ich
muß gestehen, ich habe mich geirrt. Nein, wirklich: ich habe den
Spiegel immer falsch eingeschätzt. Es wird Zeit, eine Lanze für dieses
aufklärerische Blatt zu brechen. So hat Spiegel Online jetzt einen
Artikel von einem Thomas Grüter 
