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Der Terror geht vom Bundeskriminalamt aus PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Gerhard Wisnewski   
Friday, 25. August 2006

Terrorismus

Von Gerhard Wisnewski

Das BKA bei der "Arbeit". So berichtete
die Webseite der Welt.

 

Dienstag, 22. August. Trotz der Anwesenheit der Polizei tut sich nicht viel vor dem Wohnheim in der Peter-Bauer-Straße 13-15 in Köln-Neuehrenfeld, wo der zweite Bombenbauer Jihad A. gelebt haben soll. "Beamte lösten andere ab, wachten vor dem Durchgang, ansonsten war wenig zu sehen. Für die Fotografen der Nachrichtenagenturen und die TV-Kameramänner war die Szene wenig ergiebig. Lediglich Bewohner, deren Namen auf den Listen der Polizei standen, durften hinein. Nachfragen von Journalisten wurden mit eisernem Schweigen oder mit dem knappen Verweis quittiert, man möge sich doch an die Pressestelle des BKA wenden", beschrieb die Welt die Szenerie. Aber mit einem Mal wird alles anders. Irgendwann nach 19 Uhr ging plötzlich die Tür auf, und drei Terroristen  betraten die Straße. So sahen sie jedenfalls aus. Allen voran ein dicker, gedrungener Typ mit einem brutalen Gesicht und einer Tropfensonnenbrille, der eindeutig eine Überdosis Miami Vice abbekommen hat. In den Händen trug er wichtig einen Pappkarton - ganz sicher sinistre Unterlagen aus den Archiven des internationalen Terrorismus. Links dahinter ein langer Schlaksiger in einem dunklen Overall und mit einer Skimütze über dem Gesicht. Er schleppte einen silbrigen Metallkasten. Weiter hinten folgte dem Duo eine weitere Mützen-Gestalt. Allesamt Figuren, die in einem Rechtsstaat nichts zu suchen haben, jedenfalls nicht bei der Polizei. Genau zu der gehörten sie aber, nämlich zum Bundeskriminalamt.



Da kann man ganz schön durcheinander kommen: Wer sind denn jetzt die Polizisten und wer die Terroristen? Das BKA jedenfalls führt sich dieser Tage auf, wie die berühmte offene Hose: "Ich hab durch den Türspion geguckt und dann habe ich plötzlich die Polizisten mit der Waffe im Anschlag gesehen", zitiert die Webseite von N24 den Oberhausener Bodo Schlehdorn:  "Das war wie im Wilden Westen, richtig schlimm. Man durfte nicht rein und nicht raus." Schlehdorn sei Augenzeuge einer der großen Durchsuchungsaktionen  in Köln und Oberhausen gewesen. In Oberhausen "habe mindestens eine Hundertschaft der Polizei das unscheinbare dreistöckige Mehrfamilienhaus mit der Hausnummer 154 in der Oberhausener Siegesstraße abgeriegelt, erzählen die Augenzeugen. Die Polizisten seien durch den Hausflur gestürmt und hätten die Wohnungstür im 2. Stock eingetreten."

"Später haben sie einen Mann in Handschellen abgeführt. Er hatte die Hände auf dem Rücken", habe der Augenzeuge Schlehdorn erzählt. Für die Anwohner sei der massive Polizeieinsatz ein Schock gewesen, berichtet N24: "Das hier so etwas passiert. Das ist ein Hammer", zitiert die Webseite eine 37-jährige. Das ist wohl nicht übertrieben. Zweifel sind kaum noch möglich - der Terror geht vom Bundeskriminalamt aus. Ein Junge hatte das Vergnügen, bei einem Blick aus dem Fenster plötzlich in die Mündungen von Polizeiwaffen zu schauen: "Auf einmal haben die Polizisten mit der Pistole auf mich gezielt." 

Fein. Da ist die deutsche Polizei ja wieder genau da, wo sie früher auch schon mal war. Mit Fahndung hat das indessen nicht viel zu tun. Schon eher etwas mit Inszenierung und Einschüchterung.  Nehmen wir nochmals das Beispiel vom Anfang aus Köln-Neuehrenfeld: Hei, wie da die Kameras klickten, als die BKA-Soldateska mit dem Karton und der Blechkiste aus dem Haus stürmte. Endlich gab es was zu  knipsen! Hurtig machten sich die drei BKA-Beamten auf zu einem Kombi, um ihre brisante Fracht zu verladen. Aber da ist es schon im Kasten, das Bild von unseren wackeren Terrorbekämpfern. Und nicht nur im Kasten: Kurz darauf findet es sich auch im Angebot der Nachrichtenagentur ddp (Deutscher Depeschendienst).

Berichterstattung der Welt.

Das Problem ist nur: Die ganze Szene war gestellt. Schon am Mittwoch zog ddp laut Welt  die Aufnahmen vom Vortag kleinlaut zurück. Die ganze Situation mit geheimnisvolle Unterlagen schleppenden Terrorbekämpfern war eine Inszenierung: "Offenbar handelt es sich um eine nachgestellte Situation", hieß es laut Welt in einer ddp-Erklärung. Und das Bundeskriminalamt (BKA) sieht sich nun "bei der Terroristenfahndung dem Vorwurf ausgesetzt, Ermittlungsarbeiten inszeniert zu haben" , so die Welt.

Und da das Blatt nun schon mal dabei war, entdeckte es plötzlich seine Ader für sauberen Journalismus wieder: Tatsächlich sei es "überraschend", daß diese Fotos überhaupt auf den Nachrichtenmarkt gelangt seien. Denn: Die Journalisten vor Ort hätten genau gewußt, was gespielt wurde: "Die Fotografen hatten schnell den Eindruck, die Beamten wollten 'Action' vorgaukeln."

So raunten die Presseleute belustigt, "weil sich zwei Beamte eigens für die Szene vermummt hatten. Es war zudem zu erkennen, dass der Umzugskarton leer war, weil er nicht richtig zusammengesteckt war." Und nicht nur das: anschließend wurde derselbe Karton ins Haus zurückgetragen."'Die Fotos kann man nicht bringen. Das ist ja eine Show', entfuhr es einem Fotografen."

Eben: Das Ganze ist eine Show, und zwar mit polizeilichen und "islamistischen" Laiendarstellern - und miserablen Requisiten, darf man hinzufügen. Und irgendwie ist diese Szene eine großartige Parabel auf den gesamten "Krieg gegen den Terror". Denn das Bild von den drei BKA-"Fahndern" kam erstmal auf den Markt - trotz der ebenso durchschaubaren wie armen Inszenierung. Denn daß es sich um eine solche handelte, "das hatten offenbar nicht alle gemerkt", so die Welt.

Genau das ist ja das Problem. Die Frage ist nur, wie weit die Inszenierung geht. Nach Informationen des "Hamburger Abendblattes" sollen BKA und Geheimdienst Hinweise auf einen möglichen Anschlag schon vor den Kofferfunden in den deutschen Zügen gehabt haben, berichtete N24: "Wussten Fahnder vom Komplott vor dem Bombenfund?"  

Und wenn sie davon schon vorher wußüten, warum haben sie die Platzierung der Bomben dann nicht verhindert? In diesem Fall hätten sie sich selbst strafbar gemacht. Das ist wohl nicht ganz die Sorte "Terrorbekämpfung", die sich der Staatsbürger vorstellt.


Falls Sie dazu einige Fragen an das BKA haben, stellen Sie sie hier.

Ich hab da schon mal was vorbereitet...