Dringende Empfehlung!!

Expresszeitung.com – Jetzt abonnieren!

vvv 2016 Buchvorstellung

Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

untersttzen.gif

Bitte spenden Sie für meine Arbeit!
your text line 2
your text line 3
Summe
Währung
Bombenkoffer: Einmal Libanon und Syrien, einfach. PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Gerhard Wisnewski   
Tuesday, 22. August 2006

Politik

Von Gerhard Wisnewski

Kofferbomber: Auffälliger gehts wohl nicht mehr

 

Ein netter Zufall:  Da soll die Bundeswehr in den Libanon, und dann findet man prompt zwei Sprengstoffkoffer, die praktischerweise das Ticket in den Nahen Osten enthalten - nämlich einen Zettel mit arabischen Schriftzeichen und mit Telefonnummern aus dem Libanon. "Eine weitere wichtige Spur" seien "Tüten mit Speisestärke, die ebenfalls aus dem Libanon stammen und in einem der Koffertrolleys gefunden worden sind", meint das BKA. Man habe dazu den Gewürzhändler in Deutschland ermittelt, "der diese Speisestärketüten vornehmlich an libanesische Familien im Großraum Essen verkauft hat."

Na bestens, dann mal ab in den Libanon, neue Terrorgesetze, mehr Überwachung und und und. Die beiden Kofferbomben kommen den sogenannten "Sicherheitsbehörden" wie gerufen, allen voran Wolfgang Schäuble. Geradezu atemlos versucht er, die Bundesrepublik endgültig in einen Polizeistaat zu verwandeln:



"Schäuble will Überwachung ausdehnen"
"Schäuble will Zivilflugzeuge abschießen lassen"
"Schäuble: Luftsicherheitsgesetz noch in diesem Jahr"
"Schäuble für Ausbau der Videoüberwachung"

Und natürlich:

"Schäuble will deutsche Polizisten in den Libanon schicken"

So lauteten einige Schlagzeilen aus den letzten Tagen.

Soweit wäre die Sache rund, wenn, ja wenn da nicht einige Fragen blieben. Zum Beispiel: welche nahöstlichen Bombenleger wären so dämlich, deutschen Kriegstreibern mit ihren Zetteln die Rechtfertigung für einen "Einmarsch" in den Libanon auf dem silbernen Tablett zu servieren? Aus Zufall? "Vergessen"? Wohl kaum.

Denn Botschaften enthält jede Bombe, und zwar

  1. nicht kontrollierte Botschaften, wie etwa Bauteile, die auf die Spur der richtigen Täter führen.
  2. Kontrollierte Botschaften, wie der Zettel und die Speisestärke, die auf die Spur der falschen Täter führen sollen.

Oder anders gesagt: Botschaften, die die Täter kontrolliert haben, führen

  1. nicht zu den Tätern.
  2. in eine den Tätern genehme, andere Richtung.

Punkt 1: Daraus könnte man also folgern, daß die Täter KEINE Libanesen waren.

Punkt 2: Wenn jemand einer Bombe mit Sprengstoff und Brandbeschleuniger kontrollierte Botschaften aus Papier beilegt, dann kann das nur heißen, daß die Bombe nicht explodieren sollte. Denn sonst wäre ja der Zettel futsch gewesen - und die schöne "libanesische" Speisestärke auch.

 

Bombenkoffer: Auffälliger gehts wohl nicht mehr. Auffindesituation laut Spiegel TV

 

Und damit die Botschaften auch wirklich gefunden werden, versteckt der Attentäter seinen Bombenkoffer nicht etwa unter einem Sitz, in der Toilette oder in einem Zugschließfach - nein, er stellt ihn mitten in eine leere Vierersitzgruppe, damit der nächste Schaffner garantiert drüberstolpert. So gestaltete sich die Auffindesituation laut Spiegel TV vom 20. August 2006. So offen kann man eine Bombe freilich nur dann hinstellen, wenn sonst kaum jemand in der Nähe ist. Dann aber kann man wiederum kaum größeren Personenschaden anrichten. Wer soetwas tut, hat an der Explosion seiner Bombe und an einem größeren Schaden kein Interesse. Er will, daß der Schaffner sie findet und die Polizei ruft.

Soweit so gut. Und da BKA-Chef Jörg Ziercke "als brillanter Polizist gilt" (Die Zeit), dürfte es ihm ja nicht schwer fallen, ebenfalls zu diesem naheliegenden Schluß zu kommen. Doch so eine Leuchte scheint der BKA-Boß nun auch wieder nicht zu sein. Denn erstaunlicherweise wehrt er sich mit Händen und Füßen gegen den Eindruck, die Bomben hätten gar nicht hochgehen sollen: "Wir wissen definitiv, daß eine Zündauslösung in beiden Fallen erfolgt ist", erklärte BKA-Boß Jörg Ziercke bei einer Pressekonferenz am 18.8.06. Und: "Sicher ist nach unserer Analyse, daß die Täter die Explosionen auslösen wollten!"

Aha - und warum? Tja, das will das BKA nun wieder nicht verraten. Natürlich "aus kriminaltaktischen Gründen, aber auch weil wir den Tätern keine Hinweise und Anleitungen geben wollen".

interviewt.  Und dabei kam die ganze technische Farce zum Vorschein, die die Bombenkoffer darstellten. Danach sollte zunächst  ganz normales Benzin zu brennen beginnen und dadurch eine Butangasflasche so erhitzen, daß diese explodieren würde. "Aber die Frage ist doch", so der Sprengstoffexperte Bodo Plewinsky im Spiegel Online-Interview: "Birst die Flasche überhaupt? Das Benzin konnte doch sonst wo hinlaufen. Und in diesen Flaschen ist eine gewisse Sicherheit eingebaut, die halten einen erheblich erhöhten Innendruck aus. Schließlich vergessen manche sie ja auch im Sommer im Kofferraum, da wird es sehr heiß, und sie dürfen auch nicht explodieren." Das heißt also: Wenn eine Benzinflamme an einer Butangasflasche kokelt, bedeutet das noch lange nicht, daß diese auch in die Luft fliegt. Um die Flasche wirklich gefährlich zu erhitzen, benötigt man möglicherweise sehr viel mehr Benzin, als in einen Reisekoffer paßt. "Wo lernt man, solche Bomben zu bauen?", will Spiegel Online wissen. "Direkt nirgends", antwortet Plewinsky. Das mag man gern glauben. Denn die angeblich schreckliche Bombe erweist sich als ausgemachter Humbug, die ganze Aufregung darum als immer durchsichtiger werdende Panikmache. Die Bild-Zeitung hat eine Grafik von der "Bombe" inzwischen  von ihrer Webseite entfernt (siehe rechts). "Dann sind wir gar nicht so nah an der Katastrophe vorbeigeschrammt?", fragt Spiegel Online folgerichtig. Plewinsky: "Ja, das scheint so. Wenn allerdings etwas anderes in den Flaschen gewesen wäre, hätte ich schon Angst gehabt. Es gibt Substanzen, die erheblich gefährlicher gewesen wären."

Gelöschte Grafik von der Bild-Webseite:  In dem Trolley habe auf einer Seite eine Propangasflasche (11 Kilo) gestanden, "daneben drei 1,5-Liter-Flaschen mit Benzin. An der Gasflasche befand sich eine Zündvorrichtung mit Wecker und drei Batterien" (Bild-Zeitung)

Ausnahmsweise hat Spiegel Online einmal ein gutes Werk getan und einen Sprengstoffexperten zum Inhalt des Bombenkoffers

Soso, und warum hat nun das BKA Angst, mit irgendwelchen Details über die "Bomben" irgendwem "Anleitungen" zu geben? Nach Lage der Dinge können dies nur Anleitungen zum Bau dilettantischer Sprengsätze sein.

Aber sonst wäre ja schließlich das ganze schöne Angstszenario hin, das man für den Aufbau eines autoritären Staates braucht. Das hat man sich beim BKA etwa so gedacht:

 

Bild: Ticket in den Libanon

 

"- 2 zeitgleiche Bombenexplosionen in Regionalzügen
- 1 Feuerball durch Brandbeschleuniger, die in den Koffertrolleys zusätzlich vorhanden waren, aber mit der Zündeinrichtung der Bombe nichts zu tun hatten
- Ausgebrannte Zugwaggons, eine unbestimmte Anzahl an Toten und Verletzten
möglicherweise entgleiste Züge!"

"Vorstellbar ist also, daß die Täter Signale setzen wollten im Hinblick auf den Konflikt im Nahen Osten und dabei eine massive Drohgebärde mit Zerstörungen und potentiellen Menschenopfern in Kauf genommen haben. "

Schön, aber warum gab es dann keinen Bekennerbrief? Denn sollten ihre Zettel bei dem Attentat verbrannt sein, müßten die Täter ja irgendwie sicherstellen, daß die Anschläge auch richtig verstanden werden.  Daß es außer den "libanesischen Spuren" keine Bekennung gibt, findet BKA-Chef Ziercke aber nicht etwa seltsam, sondern "logisch": "Daß bei einem erfolglosen Anschlag keine Bekennung erfolgt, halten wir für logisch!"

Aha. Und was ist mit dem Bekennerbrief nach dem "mißglückten" "RAF"-Attentat auf Staatssekretär Hans Tietmeyer 1988? Sollte der BKA-Präsident den nicht kennen?

Fragen über Fragen. Irgendwie stimmt an den angeblich geplanten Zugattentaten hinten und vorne nichts. Zum Beispiel dürften natürlich auch Bombenleger wissen, daß deutsche Bahnsteige von Kameras überwacht werden. Wie kommt es dann, daß die Männer seelenruhig vor diesen Kameras herumlaufen, ohne auch nur ihr Äußeres zu verändern? Wie kommt es, daß einer der mutmaßlichen Bombenleger auch noch mit einen äußerst auffälligen T-Shirt mit der Nummer 13 vor den Kameras herumläuft? Wie kommt es ferner, daß die angeblichen Bombenleger nicht wenigstens nach den versuchten Anschlägen das Weite suchen, sondern seelenruhig in Deutschland bleiben? So wäre es doch beispielsweise ein Leichtes gewesen, die Bomben auf der Bahnfahrt zu einem Flughafen abzustellen - wenn sie hochgehen, sitzt man schon im Flieger.

Lassen wir das. Die viel interessantere Frage ist doch: was soll die Bundeswehr im Libanon? Die Antwort: Die Bundeswehr soll gar nicht in den Libanon, sondern zum Beispiel nach Syrien. Wie? Ganz einfach: Wenn sich unsere Mannen im Libanon erstmal ihr gemütliches Zeltlager errichtet haben oder vor der Küste auf ihren Schiffen herumschippern, wird plötzlich eine Rakete daherschwirren und sich mitten hineinbohren. Und auf der Rakete wird ganz groß "Made in Iran" oder "launched in Syria" drauf stehen. Wetten?

Anders gesagt: das Ganze ist einfach eine Frage der richtigen Tickets. Ein Ticket braucht man, um die Bundeswehr in den Libanon zu kriegen: die beiden Bombenkoffer. Ein anderes Ticket braucht man, um die Bundeswehr von da nach Syrien zu kriegen, das sowohl Israel als auch die USA endlich dem Erdboden gleich machen wollen. Wenns geht, aber nicht mit eigenen Bodentruppen. Und dieses zweite Ticket wird besagte Rakete sein, allerdings nur einfach. Denn zweifellos werden viele nicht zurückkehren.

Ergänzende Desinformation:

http://www.bka.de/fahndung/personen/tatkomplexe/trolley/index.html



Notiz: akualisiert 22.8.06, 12.45