 Hören
Sie doch mal Feindsender! Ist bestimmt ganz nützlich, bevor
der Iran demnächst im großen Kampf der
Salatkulturen Ihren Vorgarten besetzt. Vor kurzem führte Seyed
Hedayatollah Shahrokny ein Interview mit mir für das deutsche Programm von Islamic Republic of
Iran Broadcasting (IRIB). Auf dieses Programm
möchte ich hiermit auch freundlich hinweisen. Vielleicht ist
es mal ganz sinnvoll, iranische Stimmen im Original zu hören,
statt durch die üblichen CIA-Flüstertüten.
Bush
will Armageddon veranstalten
Ein
Interview mit dem Autor Gerhard Wisnewski
Von Seyed Hedayatollah Shahrokny
Rundfunk:
Herr
Wisnewski, von Ihnen ist neulich ein Artikel erschienen mit dem Titel:
Bush wird Armageddon veranstalten. Meine erste Frage an Sie, wie kommen
Sie überhaupt auf diesen Titel?
Wisnewski:
Das ist nicht eine ursprünglich neue Idee von mir. Diese
Vorstellung geht schon seit langem durch die Medien. Und das geht auch
auf Bushs christlich-fundamentalistische Einstellung zurück,
die damit zu tun hat, dass manche Leute in seiner Umgebung sich mit dem
Gedanken angefreundet haben, die biblische Geschichte zu ihrem Ende zu
treiben. Und das wäre in diesem Fall ein Ereignis wie
Armageddon. Also dieses Armageddon gehört zur Bushs Ideenwelt
und den fundamentalistisch-christlichen Menschen, die ihn umgeben. Und
daher müssen wir auch befürchten, dass diese Leute
nicht nur in einer Glaubenswelt leben, sondern auch versuchen, diese
Glaubenswelt tatsächlich auf der Erde umzusetzen. Und das ist
ja das gefährliche daran.
Rundfunk:
Gibt es Ihrer Ansicht nach Gründe dafür, weshalb
Bush unbedingt diese Pläne in die Praxis umsetzen will?
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Hat jemand
mal ein Kruzifix? Das ist ja arabisch... |
Wisnewski:
Das Problem ist, dass man bei der Bush-Administration nur zum Teil
davon sprechen kann, dass sie rational handelt. Wenn wir es nur mit
rationalen Interessen zu tun hätten, so egoistisch und
räuberisch sie auch sein mögen, ist es noch lange
nicht so schlimm wie ein irrationales Verhalten. Dieses irrationale
Verhalten würde ich darin sehen, dass hier überlegt
wird, ob man biblische Modelle in die Tat umsetzen sollte, wie
Armageddon.
Rundfunk:
Glauben Sie, dass die Zeit dafür geeignet ist?
Wisnewski:
Ich glaube, dass die Vereinigten Staaten sowieso praktisch vor einem
impliziten Armageddon stehen, was ihre diversen Krisen angeht. Die USA
begeben sich in mindestens ein halbes Dutzend Krisen.
Politisch,
wirtschaftlich, was die Glaubwürdigkeit angeht, Energiekrise
etc. Also es gibt fast keine Krise, in die die Vereinigten Staaten
nicht verwickelt sind.
Rundfunk:
Für die Verbreitung jeder Idee, jeder Weltanschauung braucht
man doch Medien. Hat Bush diese Medien?
Wisnewski:
Bedauerlicherweise hat er diese Medien. Wir können ja jeden
Tag weltweit beobachten, wie sich die Medien nach dieser
fundamentalistischen Gedankenwelt ausrichten, aber auch nach dieser
neokonservativen Gedankenwelt. Sie wissen ja wahrscheinlich, dass die
Bush-Regierung sehr stark von den Neo-Konservativen gesteuert wird. Und
Sie können ja sehen, dass die Medien weltweit dem keinen
Widerstand entgegensetzen, sondern diese Ideen noch transportieren. Zum
Beispiel die Eskalation im Fall Iran transportieren, und ein Krieg
gegen den Iran könnte ja ein Schritt zum Armageddon sein, weil
natürlich klar ist, dass die Gefahr besteht, dass alles in
dieser Region in die Luft fliegt.
Rundfunk:
Nicht nur Medien, sondern auch manche Regierungen, wie Deutschland,
unterstützen die Bush-Regierung bei der Umsetzung ihrer
Pläne.
Wisnewski:
Das ist sehr bedauerlich, dass wir hier einen krassen Kurswechsel mit
der Regierung Merkels erlebt haben. Die Bundeskanzlerin hat sofort auf
den Kurs von George Bush eingeschwenkt. Das halte ich für
verantwortungslos, weil Deutschland hiermit in diesen Konflikt
hineingezogen wird. Deutschland wurde damit Partei, die es vorher so
nicht war in Sachen Iran. Und wenn man in einem Konflikt Partei wird,
dann wird das enorme Gefahren für das eigene Land mit sich
bringen.
Rundfunk:
Wenn man Ihre Artikel und Ihre Bücher liest, kommt man zur
Schlussfolgerung, dass Sie hinter fast allen Ereignissen der letzen
Jahre Szenarien sehen. Liege ich mit meiner Annahme richtig?
Wisnewski:
Was die wichtigen, großen Ereignisse betrifft, da liegen Sie
richtig. Denn ein berühmter Mensch sagte einmal, in der
Politik passiert nichts zufällig. Nehmen wir den
Karikaturstreit. Der Karikaturstreit ist für mich eine
komplette Inszenierung, die dazu diente, den künstlichen Kampf
der Kulturen eskalieren zu lassen, um der Weltbevölkerung mal
wieder zu zeigen, wie radikal und gewalttätig die Muslime
sind. Das wäre für mich ein Beispiel für
Inszenierung.
Rundfunk:
Also Sie glauben, dass der Gedanke „Dialog der
Kulturen“ nicht ernst ist.
Wisnewski:
Ich glaube ehrlich gesagt, dass der Dialog nicht
ernst gemeint ist. Ich glaube, nachdem es eine Eskalation in diesem
„Kampf der Kulturen“ gegeben hat, und nun ein
Dialog gefordert wird, hat man eine weitere Stufe beschritten, weil
vorher so ein Dialog ja gar nicht nötig war. Muslime und
Christen hatten ja in weiten Teilen der Welt zusammen friedlich gelebt.
Dass man jetzt anfangen will, einen schmerzvollen Dialog zu
führen, und dass man behauptet, ein solcher Dialog sei
notwendig, zeigt bereits, dass man eine gewisse Stufe der Eskalation
erreicht hat. Meiner Meinung nach werden noch ein paar weitere Stufen
folgen. Man wird sagen, guckt mal, wie radikal die Muslime sind, und
dass auch kein Dialog hier weiter geholfen hat; nun müssen wir
tatsächlich zur militärischen Gewalt greifen.
Rundfunk:
Was will man den letztendlich damit erreichen?
Wisnewski:
Alle große Bewegungen, alle politischen Bewegungen, alle
Glaubensrichtungen, alle Staaten sind aufeinander angewiesen, und es
absolut unverantwortlich, zwischen zwei so wichtige Gruppen einen
Konflikt anzuzetteln. Das grenzt für mich an globale
Brandstiftung.
Rundfunk:
Ihre Analysen kommen bei der Öffentlichkeit gut an, jedoch
nicht bei etablierten Medien. Sehen Sie dafür irgendwelche
Gründe?
Wisnewski:
Ich glaube, dass sich die etablierten Medien der Bush-Linie
angeschlossen haben. Die etablierten Medien sind auf den eskalierenden
Konflikt der Kulturen eingeschworen, und die möchten hier
keine
störende Stimme haben.
Rundfunk:
Angesichts der Weltlage, wie sehen Sie in die Zukunft?
Wisnewski:
Es ist äußerst ambivalent. Es gibt wahrscheinlich
zwei Versionen. Die eine Version wäre für mich, dass
der ganze Konflikt zu einem Desaster eskaliert, in das unheimlich viele
Staaten hineingezogen werden, in das die Weltwirtschaft hineingezogen
wird, und in das letztendlich jeder Mensch hineingezogen wird. Die
andere Version wäre, dass das amerikanische Imperium diese
Inszenierung selber nicht überlebt und von seinen eigenen
Krisen eingeholt wird.
Rundfunk:
Um irgend etwas erreichen zu können, um ein Land erobern zu
können und um irgendwelche Interessen durchsetzen zu
können, muss man zunächst die Herzen der Menschen
erobern.
Wisnewski:
Die Vorgehensweise der westlichen Länder dient dazu, diesen
Konflikt weiter anzuheizen. Das selbstherrliche Auftreten der USA wird
zu weiteren Widerständen führen. Diese
Widerstände werden in den westlichen Ländern dann
wieder als Beweis dienen, dass die Muslime nicht kompromissbereit sind.
Rundfunk:
Und was kommt als letztes?
Wisnewski:
Also, wenn ich Recht haben würde, und ich bin ja
mit dieser Meinung nicht alleine da, dass sich das amerikanische
Imperium in einer tödlichen Krise befindet, dann ist es
möglich mit so einer Krise zu kaschieren. Zum Beispiel den
Zusammenbruch des Finanzsystems zu kaschieren geht in einem Krieg viel
leichter als in Friedenszeiten, wo für jeden offensichtlich
wäre, dass der Dollar plötzlich nichts mehr wert
wäre.
Die
Originalseite des Interviews:
http://german.irib.ir/files/interviews/interview117.asp
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