Die
sogenannten Anti-Deutschen hetzen gegen Lafontaine, Linkspartei und den
Autor Jürgen Elsässer: "nationalistisch, antisemitisch,
fremdenfeindlich". Langsam wird’s langweilig.
Von Markus Bernhardt
Die
Linksfraktion liegt bei Umfragen stabil um oder über zehn Prozent, die
Vereinigung der ehemaligen PDS mit der Wahlalternative WASG kommt
voran, Oskar Lafontaine soll im nächsten Jahr zum Vorsitzenden der
fusionierten Linken gewählt werden – daß das einigen Leuten nicht paßt,
liegt auf der Hand.
Der Spiegel eröffnete im Sommer das große
Halali, sprach von einem bevorstehenden »Aufstand Ost« der Ex-PDS gegen
Lafontaine. Kurz darauf polemisierte der Landesvorstand Sachsen-Anhalt
der Linkspartei, Lafontaines Kurs öffne »das Tor zu nationalistischer,
antisemitischer und fremdenfeindlicher Mobilisierung«. Parallel
denunzierte das Hamburger Nachrichtenmagazin die junge Welt als Hort
ehemaliger Stasi-Leute und Verschwörungstheoretiker und warnte, daß das
Blatt immer mehr Einfluß auf die Linksfraktion bekäme. Die
Verschwörungstheorie wurde damit »belegt«, daß die langjährige
jW-Redakteurin Ulla Jelpke Bundestagsabgeordnete und jW-Mitarbeiter
Jürgen Elsässer Mitarbeiter der Fraktion für den
BND-Untersuchungsausschuß geworden waren.
Aus
dem »Aufstand Ost« wurde nichts. Die Lafontaine-Gegner in
Sachsen-Anhalt mußten darauf verzichten, die zitierte Passage von einem
Landesparteitag absegnen zu lassen. Der Saarländer wurde mit riesiger
Mehrheit als Fraktionsvorsitzender wiedergewählt, Jelpke und Elsässer
behielten ihre Positionen.
Pünktlich zum Bundesparteitag der
Linkspartei Ende November eröffneten die Heckenschützen erneut das
Feuer. Für ihre Schwäche spricht, daß sie dieses Mal kein großes
Medium für ihre Attacken finden konnten, sondern auf das Szene-Organ
Jungle World zurückgreifen mußten. Unter der Überschrift »Angst vor den
Oskars« warnte die Wochenzeitung vor »ehemaligen SPD-Kadern …, die sich
in den letzten Jahren von der Sozialdemokratie abgewandt haben und bei
der PDS den Anschluß an ein nationalbolschewistisches Milieu suchen. Es
klingt bizarr, aber die WASG ist heute mehr SED als die
Linkspartei.PDS.« Neben Lafontaine werden namentlich der
parlamentarische Geschäftsführer Ulrich Maurer, der Völkerrechtsexperte
Norman Paech, der europapolitische Sprecher Diether Dehm und sein
Mitarbeiter Uwe Hiksch genannt. Jungle World wirft ihnen
»Querfrontlogik« vor, vor allem weil sie der antiislamischen
Stimmungsmache entgegentreten und für den Dialog mit dem Iran
plädieren. Lafontaine und Peach wollen noch in diesem Jahr zu
Gesprächen mit Präsident Ahmadinedschad nach Teheran reisen.
Da
all dies in der Linksfraktion Konsens ist, kapriziert sich der Artikel
in der Folge wieder auf den bereits im Spiegel angeschwärzten
jW-Mitarbeiter. »Elsässer wird zunehmend zum Stichwortgeber und
Multiplikator des Lafontaine-Flügels in der Linkspartei«, wird da
behauptet. Der einzige Beleg: Elsässer hat ein Interview mit Maurer
gemacht.
Was Elsässer neben Artikeln für die junge Welt
vorgeworfen wird, ist vor allem ein Interview für das rechtsradikale
Monatsmagazin Le Choc du Mois aus Frankreich. Der Angegriffene hat dazu
in einer Stellungnahme erklärt: »Die französische Ausgabe meines Buches
›Wie der Dschihad nach Europa kam‹ erschien Ende April 2006 und wurde
auf der Buchmesse in Genf präsentiert. Mit dem Vorwort des langjährigen
französischen Ministers und Mitterrand-Freundes J.-P. Chevènement
erregte es beträchtliches Aufsehen. Ich gab in Genf in den vier
Messetagen ungefähr zwei Dutzend Interviews, darunter war auch Le Choc
du mois. Auf meine Nachfrage vor Gesprächsbeginn, was das denn für ein
Blatt sei, wurde mir gesagt: Ein unabhängiges Monatsmagazin, erscheint
zum ersten Mal im Mai 2006 (also im Folgemonat), Auflage 30 000
Exemplare. Wie konnte ich wissen, was das für ein Blatt ist? Wie konnte
ich voraussehen, daß in derselben Ausgabe ein Interview mit Le Pen
erscheint? Ich bin ein freischaffender Publizist, der im Ausland aufs
Glatteis geführt wurde. Will man mir das vorwerfen?«
Offensichtlich ja. Man denunziert Elsässer, um Lafontaine und andere
WASG-Leute zu treffen. »In der Linkspartei scheint so langsam manchem
zu dämmern, was für rotbraune Genossen man sich mit den ehemaligen
BRD-Sozialdemokraten da ins Boot geholt hat. Nicht nur Petra Pau findet
inzwischen deutliche Worte«, resümiert Jungle World. Bleibt nur eine
Frage: Wußte Frau Pau, daß sie der Jungle World als Kronzeugin dient?