"von Werner Schlegel
?Desinformation
gehört zum Wesen von Geheimdiensten.? Den Satz sollte man in Stein
meißeln und als Türsturz über jeder deutschen Redaktionstür einsetzen.
Geschrieben hat ihn Manfred Bissinger. Als Eröffnung eines Kommentars,
der am 4. März in mehreren kleineren deutschen Zeitungen veröffentlicht
wurde. In der Buerschen Zeitung beispielsweise unter dem
Titel ?US-Ränkespiele oder Kampf den Schlapphüten?. Von einer
?verdeckten Kampagne aus Washington? ist da die Rede und von ?gezielten
Fehlinformationen?, mit denen man ?Regierungen in Misskredit zu
bringen? versucht.
Der Mann wird wissen, wovon er schreibt. Als Chefredakteur des Stern, später (merkwürdiges Kontrastprogramm) der orthodoxen Linkspostille Konkret und noch später der längst eingegangenen Zeitung Die Woche, dürfte er genügend Erfahrungen mit ?geheimen? Desinformationen und Schlapphut-Medienkampagnen gesammelt haben.
Merkwürdig nur, dass dem ausgewiesenen SPD-Sympathisanten und ?Freund von Gerhard Schröder? (Bild),
seine Erkenntnis ausgerechnet dann überfällt, wenn es um die
dienstlichen Aktivitäten der Pullacher Geheimen im Irakkrieg geht. Dann
betont Bissinger deutschlandweit, dass die New York Times ?schon
öfter Ränkespielen der Geheimdienste aufgesessen ist und sich dafür
sogar entschuldigen musste?. Etwa den Ränkespielen, die zum
völkerrechtswidrigen Angriff auf Jugoslawien und den Irak führten?
Nein,
die damaligen kriegsvorbereitenden Desinformationskampagnen von CIA,
BND und MI5 (Stichworte: ?Hufeisenplan?, ?Massenvernichtungswaffen?,
?fahrbare Labors?) meint Bissinger natürlich nicht. Auch nicht die
ständigen ?Echtheitsbeweise? aus ?Geheimdienstkreisen?, mit deren Hilfe
unsere Massenmedien so gerne zusammengestoppelte Videobänder und in
schlechtem arabisch abgefasste Bekennermeldungen einer fragwürdigen
Al-Qaida-Hexenküche zuordnen. Der Giftküche eines angeblich
?weltumspannenden Terrornetzwerkes? (Georg Babbelju), von dem man ob
seines die Bush-Junta stets aufs Neue stabilisierenden, mörderischen
Aktionismus vor allem eines vermuten könnte: Dass seine zentralen
Planungslokalitäten in Langley, Virginia, einem Fünfeck in
Brain-Washington, der grünen Zone in Baghdad oder dem US-Headquarter in
Qatar beheimatet waren oder sind.
Aber
bei soviel später öffentlicher Einsicht in das Wesen der Geheimdienste
(woher hat Bissinger sie nur, da sie doch fast allen seinen Kollegen so
offensichtlich fehlt), darf man sich über eine weitere bahnbrechende
Medienerkenntnis nicht wundern: ?Genauso wenig wie ?die? islamische
Welt existiert, kann von einem allumfassenden Terrornetz, dem sich alle
Gruppen unterordnen, die Rede sein?.
Nein, das ist nicht Manfred Bissinger. Diesmal ist es ein Kommentar aus dem Mannheimer Morgen vom
6.3.06. Aber Moment mal ? haben uns nicht seit dem 11.9.2001 Politiker,
ihre bauchredenden KommentaTOREN und deren schlapphütige Desinformanten
pausenlos erklärt, es gebe ein ?weltumspannendes Terrornetzwerk???
Schnee
von gestern. Der Al-Qaida-Stern ist am Sinken. Er wird nicht mehr
benötigt. Der militärisch-industrielle Komplex hat schon seit längerem
ein neues Objekt der Begierde. Es heißt Iran.
?Einen Tag vor der
entscheidenden Sitzung der Atomenergiebehörde IAEA kündigen die USA
brisante Neuigkeiten an?, schreibt Zerrspiegel-Online am 6.3.06. ?Laut
dem Nachrichtenmagazin 'Time' wollen sie dem Uno-Sicherheitsrat
Dokumente vorlegen, die konkrete Pläne Irans zum Bau einer Atombombe
belegen sollen. Die USA seien in den Besitz eines Laptop-Computers
gelangt, auf dem ein iranischer Ingenieur Pläne für den Bau einer
Atombombe gespeichert habe, meldete 'Time' heute unter Berufung auf
einen namentlich nicht genannten US-Diplomaten. (?) Der Laptop soll dem
iranischen Ingenieur laut 'Time' gestohlen worden sein. Anschließend
habe ihn die CIA ?erhalten?.?
Aha.
Wie war das doch gleich, Herr Bissinger? ?Desinformation gehört zum
Wesen von Geheimdiensten.? Vielleicht sollten sie Ihren
Samstagskommentar mal an alle deutschen Medienredaktionen schicken.
Oder zumindest diesen einen Satz. Als Merkkärtchen ? für schlechte (Kriegs)-Zeiten.
P.S.:
Kleine
Anmerkung meinerseits: Ich besitze Informationen aus sicherer Quelle,
dass ein Schurkenstaatschef Atomtechnologie an ein Land liefern will,
das ? im Gegensatz zum Iran ? noch nicht einmal den
Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat! Der Mann heißt Georg W. Bush,
und das Land heißt Indien. Wir sollten den Fall vor den
UN-Sicherheitsrat bringen. Möglichst bevor die CIA noch ein paar
iranische Computer ?findet?.
"