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| Demo gegen den Schnüffelwahn: Klicken Sie auf das Bild für weitere Informationen und Vorschläge für Gegenmaßnahmen. |
Daß die
etablierten Parteien die Demokratie hierzulande endgültig abschaffen
wollen, dürfte wohl den Wenigsten entgangen sein. Ein großer Schritt
dahin ist die sogenannte "Vorratsdaten speicherung" von
Kommunikationsdaten. Am
heutigen Mittwoch stellten acht Bürgerrechts organisationen eine
Videobotschaft an die Kanzlerin vor, in der ein Stopp der geplanten
Vorratsspeicherung von Kommunikationsdaten gefordert wird. In dem
Video, das auf einer Demonstration in Bielefeld aufgenommen wurde,
heißt es, eine Totalspeicherung der Telekommunikation der gesamten
Bevölkerung sei vollkommen unverhältnismäßig. In Anbetracht der
Umgehungsmöglichkeiten für Kriminelle wären vor allem rechtschaffene
Bürger, Abgeordnete, Anwälte und Beratungsstellen betroffen. Auch Frau
Merkel müsse mit einer Durchleuchtung ihrer Telefondaten durch
ausländische Regierungen, Sensationsjournalisten und kriminelle
Erpresser rechnen. "Frau Bundeskanzlerin, wir bitten Sie: Stoppen Sie
diesen Anschlag auf Bürgerrechte und Datenschutz in Deutschland, lassen
Sie uns in diesem Punkt mehr Freiheit wagen!", schließt der Appell.
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Einer
EG-Richtlinie zufolge soll ab Mitte 2007 zur verbesserten
Strafverfolgung nachvollziehbar werden, wer mit wem in den letzten
sechs Monaten per Telefon, Handy oder Email in Verbindung gestanden
hat. Bei Handy-Telefonaten und SMS soll auch der jeweilige Standort des
Benutzers festgehalten werden.
Mit Hilfe der
gespeicherten Daten können Bewegungsprofile erstellt, geschäftliche
Kontakte rekonstruiert und Freundschaftsbeziehungen identifiziert
werden. Auch Rückschlüsse auf den Inhalt der Kommunikation, auf
persönliche Interessen und die Lebenssituation der Kommunizierenden
werden möglich. Zugriff auf die Daten sollen Polizei,
Staatsanwaltschaft, Geheimdienste, Inhaber "geistigen Eigentums" und
ausländische Staaten erhalten.
Derzeit dürfen
Telekommunikationsanbieter nur die zur Abrechnung erforderlichen
Verbindungsdaten speichern. Dazu gehören Standortdaten und
Email-Verbindungsdaten nicht. Der Kunde kann verlangen, dass
Abrechnungsdaten mit Rechnungsversand gelöscht werden. Durch die
Benutzung von Pauschaltarifen kann eine Speicherung zudem bisher
gänzlich vermieden werden, was etwa für Journalisten und
Beratungsstellen wichtig sein kann.
Wo liegt das Problem?
Die aktuellen Pläne
zur Aufzeichnung von Informationen über die Kommunikation, Bewegung und
Mediennutzung jedes Bürgers stellen die bislang größte Gefahr für unser
Recht auf ein selbstbestimmtes und privates Leben dar.
Unter einer Vorratsdatenspeicherung würden wir alle leiden:
- Eine Vorratsdatenspeicherung greift unverhältnismäßig in die persönliche Privatsphäre ein.
- Eine
Vorratsdatenspeicherung beeinträchtigt berufliche Aktivitäten (z.B. in
den Bereichen Medizin, Recht, Kirche, Journalismus) ebenso wie
politische und unternehmerische Aktivitäten, die Vertraulichkeit
voraussetzen. Dadurch schadet sie letztlich unserer freiheitlichen
Gesellschaft insgesamt.
- Eine
Vorratsdatenspeicherung verhindert Terrorismus oder Kriminalität nicht.
Sie ist unnötig und kann von Kriminellen leicht umgangen werden.
- Eine Vorratsdatenspeicherung verstößt gegen das Menschenrecht auf Privatsphäre und informationelle Selbstbestimmung.
- Eine Vorratsdatenspeicherung ist teuer und belastet Wirtschaft und Verbraucher.
- Eine Vorratsdatenspeicherung diskriminiert Nutzer von Telefon, Mobiltelefon und Internet gegenüber anderen Kommunikationsformen.
Unterdessen
baut der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, ein bundesweiter
Zusammenschluss von Bürgerrechtlern, Datenschützern und
Internet-Nutzern, seine Kampagne "Offene Briefe gegen die
Vorratsdatenspeicherung" weiter aus. Über 700 besorgte Bürgerinnen und
Bürger haben schon von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, allen 448
Bundestagsabgeordneten von CDU/CSU und SPD eine Protestbotschaft zu
übermitteln. Während der Versand bisher alleine per Email erfolgte und
meist ohne Reaktion blieb, können Protestbriefe jetzt auch für den
Post- oder Faxversand ausgedruckt werden. Auch zum direkten
telefonischen Gespräch mit Abgeordneten fordern die Organisatoren nun
unter Nennung der Telefonnummern auf.
Justizministerin Brigitte
Zypries (SPD) stellte letzte Woche ihre Pläne zur Einführung der
Vorratsdatenspeicherung vor. Danach soll zur verbesserten
Strafverfolgung über einen Zeitraum von sechs Monaten
nachvollziehbar
werden, wer mit wem per Telefon, Handy oder Email in Verbindung
gestanden hat. Bei Handy-Telefonaten und SMS soll auch der
jeweilige
Standort des Benutzers festgehalten werden. Mit Hilfe der Daten
könnten Bewegungsprofile erstellt, geschäftliche Kontakte
rekonstruiert und Freundschaftsbeziehungen identifiziert werden.
Erstmals enthüllte der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung heute, dass
Zypries' Gesetzentwurf auch ein faktisches Verbot von
Anonymisierungsdiensten und eine Identifizierungspflicht für die
Benutzung von Email vorsieht (Seiten 144 und 151 des Entwurfs).
Patrick
Breyer von Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung fordert, die über 500
Mio. Euro, welche die geplante Totalprotokollierung Wirtschaft und
Staat kosten würde, stattdessen in ein Programm zur
Kriminalitätsprävention zu investieren. "Seit Jahren fehlt es an Geld
für Projekte, die an Schulen oder in Stadtteilen gezielt etwa gegen
Drogenhandel oder Gewaltkriminalität arbeiten. Dass solche Projekte
Kriminalität
reduzieren, ist durch unabhängige Untersuchungen belegt, während die
geplante Datenanhäufung nur in der Fantasie ihrer Befürworter für mehr
Sicherheit im täglichen Leben sorgen kann. Es ist unverantwortlich, zum
Profit der Sicherheitsindustrie einen teuren Überwachungsapparat
aufzubauen anstatt zum Schutz der Bürger die nötigen Mittel für die
Kriminalitätsprävention vor Ort bereitzustellen."
In einer
Videobotschaft zur Inneren Sicherheit hatte die Kanzlerin am Samstag
gesagt, die Kriminalität in Deutschland nehme zwar immer mehr ab, aber
das Sicherheitsgefühl der Bürger sei von "nüchternen Zahlen"
unabhängig, weswegen mehr Überwachung erforderlich sei. Twister
(Bettina Winsemann) von STOP1984 erklärt dazu: "Frau Merkel geht es
nicht mehr um Maßnahmen, die die Sicherheit erhöhen sondern darum, das
subjektive Sicherheitempfinden zu steigern, also um Placebomaßnahmen.
Bedenkt man, dass die Angst der Bevölkerung immer wieder durch die
Betonung der Gefährdungssituation geschürt wird, so bleibt nur eine
Schlussfolgerung: Egal wie viele Überwachungsmaßnahmen getroffen
werden, egal wie sinnlos sie sind - es werden nie genug sein. Diese
Entwicklung werden wir nicht hinnehmen!"
Bürgerrechtsverbände
und die gesamte Opposition haben bereits scharf gegen die geplante
Pauschalverdächtigung der gesamten Bevölkerung durch eine
Vorratsdatenspeicherung protestiert. Auch in der SPD regt sich
Widerstand, seit der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages im Sommer
die Verfassungsmäßigkeit der Pläne in Frage stellte.
Der Appell an die Bundeskanzlerin wird von den folgenden Organisationen
unterstützt:
- Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung
- Deutsche Vereinigung für Datenschutz (DVD) e.V.
- FoeBuD e.V., Bielefeld
- Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) e.V.
- Foundation for a Free Information Infrastructure (FFII) e.V.
- Netzwerk Neue Medien e.V.
- STOP1984
- Virtueller Ortsverein der SPD (VOV)
Die Videobotschaft an Frau Merkel und weitere Informationen im Internet:
http://www.vorratsdatenspeicherung.de/
Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung ist ein bundesweiter
Zusammenschluss von Bürgerrechtlern, Datenschützern und
Internet-Nutzern, der die Arbeit gegen die geplante
Vollprotokollierung der Telekommunikation koordiniert.
http://www.vorratsdatenspeicherung.de/
Ansprechpartner für Presseanfragen:
Bettina Winsemann, Tel. 0208-4374729,
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padeluun, Tel. 0521-175254,
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Patrick Breyer, Tel. 0170-5190598,
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Ralf Bendrath, Tel. 0179-2154614,
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Werner Hülsmann, Tel.: 07531-3659056 oder 0177-2828681,
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