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Terrorabwehr à la
Bundesinnenministerium |
Von Gerhard Wisnewski
Sind sie nicht einfach klasse,
die Sicherheitsbehörden? Da hat doch Scotland Yard Terroranschläge auf
20 (Skynews), quatsch: 10 (BBC), quatsch: 6 (nochmal Sky News),
quatsch: 12 (Bay. Rundf.) Passagierflugzeuge verhindert! Nach eigenen
Angaben, versteht sich. Aber wer wollte daran schon zweifeln - unsere
Medien jedenfalls nicht. Und nun stehen die Flughäfen voller
schwerbewaffneter Terroristen, quatsch: Polizisten, die jungen Müttern
dabei zusehen, wie sie die Babymilch ihres Nachwuchses auf ex leeren.
Haha - was man mit Menschen so alles anstellen kann! Paola und Kurt
Felix lassen grüßen.
In
Wirklichkeit ist das natürlich ein echter Sicherheitszuwachs!
Schließlich wurde auch mein Sakko schon mal von einer Fläschchen
schwenkenden Mami bekleckert. Solchen Leuten muß man umgehend das
feuchte Handwerk legen. Passagiere, so stellt sich jetzt heraus, sind
überhaupt eine ziemliche nasse Angelegenheit. Was sie nicht alles dabei
haben: ein Mineralwasser oder eine Cola, aber auch Herztropfen und
Hustensäfte, Parfüme, Deos und Asthmasprays, von irgendwelchen
Körperflüssigkeiten ganz zu schweigen - Schluß damit. Dieser fliegende
Sumpf muß ein für allemal trockengelegt werden. Und zwar staubtrocken.
Papi muß vor dem Flug jetzt Pipi, Opa muß die Tropfen ex trinken und
das Asthmaspray gleich hinterher sprühen. Ist doch alles flüssig!
Herzkasper hin, Asthmaanfall her. Und Mutti muß sich einer intensiven
Leibesvisitation unterziehen, denn wer wirklich ein Röhrchen
Flüssigsprengstoff mitschleppen will, der muß das keineswegs im
Handgepäck tun.
Spaß beiseite: das Geschehen
in London trägt deutlich wahnhafte Züge. Die sogenannten "geplanten"
Anschläge sind das reinste Sommertheater, inszeniert von völlig aus dem
Ruder gelaufenen "Sicherheitsbehörden", die alle nur eines wollen: Daß
der Bürger endlich an jeder Straßenecke in eine MP-Mündung blickt.
Damit er weiß, was es geschlagen hat. Die Checks and Balances in
unseren Gesellschaften sind weitgehend ausgehebelt, Geheimdienste und
Polizei geben sich mehr oder weniger offen als die eigentlichen
Terroristen zu erkennen - nur noch mühsam als "Retter" und "Beschützer"
kaschiert. Wie bewaffnete Banden hängen sie an Bahnhöfen und Flughäfen
herum und belästigen harmlose Fahr- und Fluggäste mit ihrem obzönen,
waffenstarrenden Anblick.
Ja, die Zeiten haben sich
geändert - der Faschismus geht jetzt vom Flughafen aus. Und nun wollen
sie mal sehen, wie weit sie noch gehen können: Erst mußten wir uns nur
abtasten lassen, dann die Schuhe und die Gürtel ausziehen,
Privatgegenstände aus den Hosentaschen zum Röntgen in eine Plastikwanne
legen, in Zukunft sogar noch Brillenetuis abliefern. Und auch die
massenhafte Leibesvisitation oder das Reihenröntgen wird keineswegs
lange auf sich warten lassen.
Die Menschenwürde ist
unantastbar? Aber nicht am Flughafen. Der Flughafen ist die Schule der
Entwürdigung. Dabei haben es solche Flughäfen nicht verdient, daß auch
nur ein anständiger Bürger seinen Fuß in diese neonbeleuchteten
Kontakthöfe für Grabscher, Penetrierer und Durchleuchter setzt. In
Deutschland werden einige Politiker bei dem Gedanken, dasselbe Theater
an den 5.400 Bahnhöfen der Bundesrepublik zu veranstalten, vor Freude
schon ganz naß um die Blase - quatsch: blaß um die Nase. Wenn man die
Leute erst am Flughafen UND in der Bahn durchleuchtet, abtastet und
auszieht, dann hat man den Hochsicherheitstrakt endlich auf große
Teile der Bevölkerung ausgedehnt. Und was sich die Leute am Flughafen
und in der Bahn gefallen lassen, das werden sie sich bald überall
gefallen lassen. Ist doch ganz normal: wir leben schließlich im
Zeitalter des Terrorismus!
"Die angeblich in England
aufgeflogenen geplanten Anschläge sind ziemlicher Humbug", schrieb mir
mein Freund Werner Schlegel. "Wer in den letzten Wochen geflogen ist
weiß, wie genau Gepäck und Handgepäck gefilzt werden - erst recht bei
Flügen in die USA. Aber ein wunderbares Ablenkungsmanöver vom Krieg im
Libanon, gleichzeitig eine Stärkung von Bush und Blair, die in ihren
Ländern zunehmend unter Druck geraten wegen des Irakkrieges."
Wie wahr. Zum Abschuß sind
nämlich weniger Passagierflugzeuge freigegeben, als vielmehr der
britische Premierminister, der von einem Wahldesaster zum nächsten
strauchelt und von einem Korruptionsskandal zum anderen. Mit Blair aber
steht und fällt das globale Terrorregime, dem nicht nur die USA und
Großbritannien angehören. Damit man das Heulen und Zähneklappern dieses
Regimes nicht so hört, werden jetzt gewaltige Stürme im Wasserglas
veranstaltet.
Zufällig um dieselbe Zeit, da
Blairs bewaffnete Banden unter dem Vorwand von angeblichen
Terrorattacken den Londoner Flughafen Heathrow besetzt haben, wird
seine Regierung von einer Krise nach der anderen geschüttelt. Wenn Sie
jetzt mal einen Moment lang Ihren Blick von der MP-Mündung abwenden
könnten: könnten Sie sich dann daran erinnern, daß seine Labour-Partei
im Mai ihre bisher schwerste Niederlage bei Kommunalwahlen einstecken
mußte? Oder daran, daß viele Menschen in Großbritannien starr vor
Entsetzen über Blairs Unterstützung der israelischen Bombenexzesse im
Libanon sind? Oder daran, daß erst vor drei Wochen Blairs guter Kumpel,
Hauptspendensammler, Nahost-Emissär und Tennispartner Lord Levy wegen
des Verdachts der Bestechlichkeit glatt verhaftet wurde? Daß es also
der korrupten Blair-Bande gerade gewaltig an den Kragen ging? Nein,
daran können Sie sich nicht erinnern. Und zwar, weil unsere Medien
darüber so gut wie nicht berichten und dem Faschismus damit endgültig
die letzten Bremsklötze aus dem Weg räumen. Wenn Sie mich fragen: Diese
Medien haben keinen der vielen Euros, die wir ihnen das ganze Jahr über
rüberschieben, verdient. Die einzige Sprache, die sie verstehen, heißt
Boykott und Abokündigung.
Inzwischen nimmt das Londoner
Geschehen putschartige Züge an. Rein zufällig hat Tony Blair
Großbritannien nämlich noch vor der Besetzung des Flughafens Heathrow
verlassen, genau wie George W. Bush vor den Attacken des 11.9.
"zufällig" nicht in Washington, sondern in Florida weilte. Blair reiste
ab, "obwohl" er über die bevorstehende Aktion Bescheid wußte. In
Wirklichkeit muß es natürlich "weil" heißen: weil er Bescheid wußte und
weil er sich hinsichtlich des weiteren Verlaufs nicht ganz sicher war,
hat sich Blair nach Barbados abgesetzt. Oder wurde er etwa abgesetzt?
Die Macht hat inzwischen nicht etwa sein Vize John Prescott übernommen,
sondern der unmittelbare Boß der bewaffneten Banden, Innenminister John
Reid.
Ganz davon abgesehen ist es
unwahrscheinlich, daß Terroristen ausgerechnet in London Sprengstoff an
Bord von Flugzeugen schmuggeln wollten, wo schon mal wehrlose
U-Bahnfahrgäste mit sieben Kopfschüssen hingerichtet werden. Einfach
so. Da gibt es sicherlich weniger schwer bewachte Städte und Flughäfen.
Von der halben Million Videokameras im Großraum London mal ganz
abgesehen.
Was ist nun überhaupt dran an
den angeblich geplanten Terrorattacken? Wo sind die Beweise?
Informationen gibt es leider nicht einmal für Interpol: "Alle Länder
haben die Pflicht, sämtliche Informationen zu teilen, die anderen
Polizeibehörden in der Welt helfen könnten, unschuldige Leben zu
schützen, ohne die laufenden Ermittlungen zu gefährden", beschwerte
sich Interpol-Generalsekretär Ronald Noble verpackt in eine Gratulation
für Geheimdienst und Polizei in London.
Wenn ich mich da anschließen dürfte: Herzlichen Glückwunsch zur Machtergreifung.
Notiz: aktualisiert 12.8.06