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Potemkinsche Dörfer 2.0: "The Battle of Bin Jawad" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Gerhard Wisnewski   
Thursday, 24. March 2011
libyen_rebell.jpgLaut dem schweizerischen "Journal 21" gehört Helmut Scheben zu den erfahrensten Redakteuren der dortigen "Tagesschau". Was er auf der Website von "Journal21" enthüllte, hat es in sich. Danach arbeiten die großen TV-Nachrichtensendungen bei der Libyen-Berichterstattung nicht nur mit gestelltem Material - sie finden das auch noch ganz normal.


"Benghazi. Weit und breit keine Kampfhandlung. Ein Reporter interviewt die verwegenen Gestalten der Milizen, vom Outfit her ein Melange aus Pirat, Beduine und Rambo. Dann wird der Befragte gebeten, mit seiner Waffe in Stellung zu gehen. Sehr gute Aufnahme, erst das Gesicht im close-up, dann die Kalaschnikow, dann der Finger am Abzug. Bei dieser Arbeitsweise kann es passieren, dass bei all der martialischen Schiesserei aus Versehen am Bildrand Leute zu sehen sind, die ihre Suppe essen oder eine Zigarette anzünden. Doch die kann man am Schnittplatz entfernen."

So schildert ein Insider, der Schweizer "Tagesschau"-Mann Helmut Scheben, die Arbeitsweise unserer hochwohllöblichen Qualitätsmedien: "Das Fernsehen zeigt die furchtbaren Dinge wie sie sind, könnten naive Zuschauer denken", schreibt Scheben, "doch sie sind im Irrtum". Denn "die meisten Bilder von Kampfhandlungen sind gestellt". Und das ist nicht etwa eine Überraschung, sondern sei eine "banale Weisheit", "denn jedem ist klar, dass ein Kameramann oder eine Kamerafrau keine Kampfhandlungen aus der Nähe filmen kann, es sei denn sie sind lebensmüde."

Der Krieg wird als glatte Lüge verkauft

Klingt eigentlich plausibel, nur: warum sagt einem das keiner? Warum kennzeichnen die TV Anstalten ihre Bilder nicht als gestellt? Noch bis vor kurzem war der Schriftzug "Szene nachgestellt" in Fernsehmagazinen gute Praxis. Darf der Krieg dagegen als glatte Lüge verkauft werden? Das Militär werde den Medien "keinen Zugang zu Kampfgebieten" gewähren, meint Scheben, abgesehen von jenen Armeen, die sich gleich sogenannte "embedded journalists" leisten würden, "mit der simplen Absicht, das eigene Handeln zu rechtfertigen". Doch grundsätzlich gelte: "es muss hin und wieder für die Kamera geschossen werden, und das muss so ablaufen, dass das Kamerateam keine Probleme mit Entfernung, Belichtung und Gesundheit hat."

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Denn die Fernseh-Teams wollten nun mal "nicht nur Flüchtlingslager und Pressekonferenzen zeigen" sondern auch möglichst „echte“ Kriegsaufnahmen liefern. "Die Lösung dieses Problems erreicht man, indem man so tut als ob", so Scheben. Anfang März 2011 machte sich Scheben einmal die Mühe, das aus Libyen über den Eurovision News Exchange (EVN) angelieferte Rohmaterial genau anzusehen. Fazit: "Bei den meisten Bildern ist die Montage eindeutig zu erkennen." 

Bin Jawad - eine Geister-Schlacht?

Zum Beispiel würden da Sequenzen aus dem umkämpften libyschen Ort Bin Jawad geliefert, mit Titeln wie „Jawad fighters“ (Jawad Kämpfer) oder „Jawad battle“ (Jawad Schlacht) oder „Jawad retreat“ (Jawad Rückzug). " Die Schlacht von Bin Jawad bekam sogar einen eigenen Wikipedia-Artikel.

Eine schöne Sache. Doch ob die "Schlacht von Jawad" wirklich so stattgefunden hat, weiss kein Mensch. Denn die Fernsehbilder waren falsch. "Die Bilder sind weitab von dem Ort irgendwo am Strassenrand gedreht", enthüllt "Tagesschau"-Mann Scheben. "Da steigt die Schar der Kameraleute und Fotografen aus ihren Autos, und dann lassen die Fighters ein paar Feuerstösse aus ihren Kalaschnikows los, und alles wird gefilmt. Dann schiesst einer aus einer Panzerfaust. Er steht und schiesst in die Wüste. Irgendwohin, aber es ist wirklich ein grossartiges Bild, erst halbnah und dann total."

Dann erklärt einer der Aufständischen vor der Kamera, dass sie jetzt den Ort Bin Jawad unter Kontrolle haben oder in den nächsten Sunden einnehmen und dann weiter nach Westen vorstossen. Wir müssen es ihnen glauben, überprüfen kann man es kaum. Die Aufständischen wissen, wie wichtig das Fernsehen in der Propaganda-Schlacht ist. Jeder Gymnasialschüler weiss heutzutage, dass nicht Scharfschützen einen Krieg entscheiden sondern die Fernsehbilder.

Und weiter:

Man zeigt das Flak-Geschütz, das feuert und textet dazu: „Aus Bin Jawad, westlich vom Ölhafen Ras Lanuf, werden schwere Kämpfe gemeldet.“ Und als Bild dazu noch ein Panorama von der Wüste, wo weit entfernt Rauchwolken zu sehen sind. Den Schuss-Lärm kann man eventuell weiterziehen auf die Wüsten-Totale.

Auch der Bereich der Fotografie scheint von dem Virus befallen zu sein: Wer zum Beispiel einmal die Begriffe "Libyen" und "Rebell" in die Google-Bildsuche eingibt, stößt vor allem auf preisverdächtige pathetische Aufnahmen von Freiheitskämpfern mit fliegenden Fahnen. Der Krieg wird so immer ästhetischer Aber was die Foto- und Fernseh-Redakteure wissen, muss das Publikum noch lange nicht wissen: Er sei sich "nicht ganz sicher, ob sich alle darüber im klaren sind, wie die Bilder zustande kommen, mit denen wir 24 Sunden am Tag zugeschüttet werden", schreibt Scheben. Mehr und mehr tauchten auch Handy-Filme auf - "eine äusserst unsichere Informationsquelle".

Schebens Fazit: Nicht Bomben und Granaten entscheiden den Krieg, "sondern Fernsehbilder".


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