Nach
eigenem Bekunden wollten die »Reporter ohne Grenzen« während ihres
Aufenthalts in dem Andenland untersuchen, welche Konsequenzen sich aus
der CONATEL-Entscheidung für die Pressefreiheit und die freie
Meinungsäußerung in Venezuela ergeben. Obwohl RCTV die Möglichkeit hat,
per Kabel, Satellit und Internet sein Programm auch weiterhin zu
verbreiten, bezeichnet die Pariser Organisation den Vorgang als
»Schließung des Senders«. Dies sei ein »politischer Schachzug ohne
Beispiel in Lateinamerika«, urteilt RoG in ihrem Missionsbericht vom 5.
Juni. Das Nichtverlängern der Sendelizenz und die Vergabe der
terrestrischen Sendefrequenz an einen neuen öffentlich-rechtlichen
Fernsehsender befänden sich »außerhalb aller rechtlichen Grundlagen«.
Das aber ist nicht der Fall: Die Entscheidung der venezolanischen
Telekommunikationsbehörde ist juristisch durch die Verfassung des
Landes und das Telekommunikationsgesetz legitimiert. Dabei war die
Regierungsbehörde sogar geduldig. CONATEL hätte einen Entzug der
Sendelizenz damit begründen können, daß der Sender RCTV auch nach
seiner aktiven Rolle beim gescheiterten Putsch gegen Präsident Chávez
seine verfassungswidrigen Aktionen nicht eingestellt hat. So
unterstützte der Sender die rechtsextreme Opposition Ende 2002 erneut
beim Aufruf zu einem unbefristeten Generalstreik, bei dem leitende
Angestellte des staatlichen Erdölkonzerns PdVSA mit dem Ziel
sabotierten, durch eine erhebliche Beeinträchtigung der
Energieversorgung des Landes die Chávez-Regierung zum Rücktritt zu
zwingen. »Die Behörde hat gewartet, bis der Vertrag ausläuft«,
argumentiert Marcos Hernández, Präsident der venezolanischen
Organisation »Periodistas Por La Verdad« (Journalisten für die
Wahrheit).
Bei RoG sieht man das anders:
Mit der »Schließung« von RTCV und vor allem wegen der Überlassung der
technischen Ausrüstung an den neuen öffentlichen Sender TVes habe
Chávez die »letzte Bastion« eingenommen, die seinem Einfluß bislang
noch standgehalten hätte: die Medien. In der französischen Tageszeitung
L'Express bekräftigte RoG-Generalsekretär Robert Ménard: »Chávez
besitzt eine hegemoniale Position über die Kommunikationsmedien.«
Tatsächlich ist die Situation genau umgekehrt: Die fünf größten
privaten TV-Sender kontrollieren mehr als 90 Prozent des Marktes und
kleinere private Stationen bestimmen über weitere fünf Prozent; sie
alle stehen seit dem Amtsantritt von Chávez im Jahr 1999 mehr oder
weniger auf der Seite der Opposition.
Außer Venezuela steht noch
Kuba im Fokus der Menschenrechtskampagnen der RoG: Kuba ist laut
Jahresreport 2007 der Pariser Organisation »das weltweit zweitgrößte
Gefängnis für Journalisten«. In ihrem »Bericht für Amerika« des Jahres
2005 schreibt sie: »Pressefreiheit wird generell in der Region
respektiert.« Doch das gelte nicht für Kuba, die Pressefreiheit werde
zudem in Kolumbien verletzt und sei in Venezuela bedroht. Dann sprechen
die »Reporter ohne Grenzen« von »Zwölf getöteten Journalisten«, drei
mehr als im Jahr zuvor: Mexiko (drei Tote), Nicaragua (zwei Tote), Peru
(zwei Tote) und in anderen Ländern wird jeweils ein toter Journalist
beklagt. Es fällt auf, daß Kuba nicht darunter ist, wo seit 1959, also
seit dem Sieg der kubanischen Revolution über den Diktator Batista,
kein Journalist mehr ermordet wurde.
Befürworter der US-Außenpolitik
Während Länder wie Kuba und
Venezuela von RoG regelmäßig mit harscher Kritik überzogen werden,
schlägt die Organisation gegenüber westlichen Regierungen leisere Töne
an, obwohl es sicherlich genügend Gründe gibt, auch in vielen dieser
Länder die Einhaltung von Pressefreiheit und Menschenrechten zu
fordern. Unangemessene Zurückhaltung übt die NGO insbesondere gegenüber
den USA. So ist etwa der Fall des seit über 25 Jahren in den USA
inhaftierten schwarzen Journalisten Mumia Abu-Jamal für RoG kein Thema,
während sich internationale Menschenrechtsorganisationen, wie Amnesty
International, und Prominente, darunter Harry Belafonte und Angela
Davis, seit Jahren für dessen Freilassung engagieren.
Zurückhaltung in bezug auf
ihre Kritik gegenüber den USA übt die Pariser Organisation auch im
Hinblick auf den Irak. Dort sind seit Beginn des Krieges im Jahr 2003
weltweit die meisten Medienschaffenden während der Ausübung ihres
Berufes ermordet worden: Bis Ende 2006 waren es nach Angaben von
»Reporter ohne Grenzen« 146 Personen. Die Verantwortung dafür liegt vor
allem bei den USA, die durch ihren völkerrechtswidrigen Angriffskrieg
das Zweistromland seit 2003 mit exzessiver militärischer Gewalt
überziehen. Die RoG erweckt in ihrem aktuellen Jahresbericht aber den
Anschein, als seien die getöteten Journalisten Opfer einer natur-
beziehungsweise kulturbedingter Katastrophe geworden: »Medienschaffende
waren auch in diesem Jahr die Opfer einer wachsenden regionalen
Instabilität, die den Mittleren Osten seit Jahrzehnten plagt.« Die
getöteten Medienschaffenden – zu über 90 Prozent Iraker – wären seit
dem Weggang der meisten ausländischen Journalisten zwischen die Fronten
»sich bekämpfender religiöser und Stammesmilizen« geraten. Viele wären
zur Zielscheibe geworden, weil sie für ausländische Medien arbeiteten
und daher als »Spione« betrachtet würden. Wieder andere Journalisten
würden »wegen der politischen Linie ihrer Medien« angegriffen.
Wie beurteilt RoG vor diesem
Hintergrund den »embedded journalism«, diese seit dem Einmarsch der USA
im Jahre 2003 in den Irak neue Form der vom Militär gesteuerten
Kriegsberichterstattung? Denn die dort arbeitetenden Journalisten sind
wahrhaft »embedded«, also eingebettet in die US-Streitkräfte. Die
Arbeit dieser mitunter sogar selbst mit Waffengewalt vorgehenden
Militärpropagandisten wird von der Menschenrechtsorganisation
verharmlost: »Wir erkennen an, daß die Abhängigkeit der Reporter vom
Militär in Kriegszeiten ihre Arbeit weniger glaubwürdig macht.«
Diese verharmlosende
Sichtweise und die Tatsache, daß die USA und ihre Alliierten im
Irak-Krieg eher mit Samthandschuhen angefaßt werden, ergeben sich aus
der Grundhaltung der Pariser Menschenrechtsorganisation, wie sie im
Jahresreport 2003 manifestiert wird: Bei aller Kritik an ein paar
Problemen ändere sich »nichts an der Tatsache, daß in den Vereinigten
Staaten, Italien und Frankreich Nachrichten freier verbreitet werden
als durchschnittlich im Rest der Welt«. Einen Grund für diese
unkritische Haltung nennt RoG-Generalsekretär Ménard selbst ganz offen.
Auf die Frage, warum er zum Beispiel nie die Pressekonzentration in
Frankreich kritisieren würde, antwortet er im Jahr 2001: »Damit würden
wir das Risiko eingehen, einige Journalisten zu verstimmen, uns die
großen Pressebarone zum Feind machen und uns den Zorn der Wirtschaft
zuziehen. Aber um in die Medien zu kommen, brauchen wir die Mithilfe
der Journalisten, die Unterstützung der Pressebarone und das Geld der
Wirtschaft.« Auch zu der Frage, aus welcher Richtung denn Gelder an RoG
fließen, hat sich Ménard Anfang 2005 öffentlich geäußert und dabei
zugegeben, daß der Etat seiner Organisation »teilweise von
US-Organisationen finanziert werde, die eng mit der Außenpolitik der
Vereinigten Staaten in Verbindung stehen«.
Finanzquellen aus USA
Eine dieser
Vorfeldorganisationen US-amerikanischer Außenpolitik, von denen RoG
Gelder erhalten hat, ist die National Endowment for Democracy (NED,
Nationale Stiftung für Demokratie). Diese unter Präsident Ronald Reagan
1983 gegründete Einrichtung ist international tätig und wird zu über 90
Prozent aus dem Staatshaushalt der USA finanziert, auch wenn sie
offiziell als privat bezeichnet wird. Wo immer die US-Obrigkeit
weltweit an Regierungsumstürzen in ihrem Sinne arbeitet, ist die NED
meist beteiligt. Wurden solche Operationen früher von Geheimdiensten im
Verborgenen durchgeführt, fließen heute offen Gelder über die NED an
entsprechend tätige Projekte und Organisationen. Daher stellte einer
der NED-Gründer, Allen Weinstein, der an der Entwicklung des
politischen Konzepts dieser Einrichtung maßgeblich mitgewirkt hatte,
1991 zur Arbeitsweise der NED und ähnlicher Organisationen fest:
»Vieles von dem, was wir heute machen, wurde vor 25 Jahren von der CIA
insgeheim erledigt.«
Schwerpunkt der NED war in den
ersten Jahren nach ihrer Gründung Mittelamerika, insbesondere
Nicaragua, wo sie gegen die linke sandinistische Regierung vorging und
1990 den Wahlsieg der konservativen Präsidentschaftskandidatin Violeta
Chamorro mitorganisierte. Inzwischen hat die Stiftung ihren Schwerpunkt
in der lateinamerikanischen Region verlagert – nach Venezuela und
selbstverständlich auch nach Kuba, in Richtung jener beiden Länder
also, die auch im Kreuzfeuer der Menschenrechtskampagnen der »Reporter
ohne Grenzen« stehen. An Zufall mag man da kaum glauben, zumal sich
weitere Verflechtungen zwischen der NED und den RoG nachweisen lassen:
Laut aktuellem Rechenschaftsbericht der RoG zählt unter anderem auch
das »Center for a Free Cuba« (CFC, Zentrum für ein freies Kuba) aus den
USA zu den Geldgebern der Pariser Menschenrechtsverfechter. Das CFC
gehört wiederum zu einem Netz US-amerikanischer Organisationen, deren
vordringliches Ziel darin besteht, die kubanische Regierung zu stürzen.
Da ist es nur konsequent, wenn das CFC selbst den größten Teil seines
Etats wiederum von der für Entwicklungszusammenarbeit zuständigen
US-Regierungsbehörde »United States Agency for International
Development« (USAID, US-Behörde für internationale Entwicklung) und der
NED erhält. Auf diese Weise wird RoG mindestens auf zwei Wegen durch
die US-Regierung mitfinanziert.
Der Vertrag zwischen RoG und
dem CFC wurde 2002 von einem der damaligen Direktoren des
Kuba-Zentrums, dem US-Politiker Otto Reich, ausgehandelt. Reich ist
eine historische Persönlichkeit der US-Außenpolitik in Lateinamerika
und war in den 80er Jahren unter Reagan einer der »Spezialisten für
schmutzige Kriege«, wie ihn die Londoner Zeitung The Observer am 21.
April 2002 zutreffend bezeichnet hat. Bei zahllosen Putschen oder
Umsturzversuchen in Lateinamerika hatte Reich seine Finger im Spiel. Ob
in den 80er Jahren bei der Versorgung der Contras in Nicaragua mit
Waffen oder 2002 bei dem rechten Putsch gegen Chávez in Venezuela,
sowie 2004 bei der Absetzung des haitianischen Präsidenten
Jean-Bertrand Aristide: Reich hat im Hintergrund geplant oder die Fäden
gezogen und dabei häufig genug bewiesen, daß er keine Scheu gehabt hat,
verbrecherische und terroristische Aktionen zu unterstützen, wenn sie
nur den außenpolitischen Zielen der USA dienten.

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Zu den finanziellen Gönnern von RoG gehört auch der aus Ungarn
stammende US-Multimilliardär George Soros. Gern finanziert er
Nichtregierungsorganisationen (NGO), damit sie ihm bei seinen
politischen Aktivitäten nützlich sind, gerade auch in Osteuropa. Kaum
jemand weiß, daß Soros eine wichtige Rolle bei den politischen
Prozessen in Osteuropa gespielt hat, die 1989/91 zum Zusammenbruch des
Sozialismus führten. Bereits seit 1979 unterstützte der gebürtige Ungar
etwa osteuropäische Dissidenten mit drei Millionen US-Dollar pro Jahr,
darunter die Gewerkschaft Solidarnosc in Polen, die
Bürgerrechtsbewegung Charta 77 in der Tschechoslowakei und den
Dissidenten Andrej Sacharow in der Sowjetunion. Die Soros-Foundation
und sein Open-Society-Institute üben deshalb bis heute in den
postsozialistischen Ländern einen erheblichen politischen Einfluß aus.
Soros' Ziel: Verkleidet als
Menschenrechtler und Philanthrop unterstützt er prowestlich gesinnte
Bürgerrechtsbewegungen und Politiker dabei, in ihren jeweiligen Ländern
neoliberal eingestellte Regierungen zu installieren, um anschließend in
diesen Ländern unter wirtschaftlich optimierten Bedingungen seine
eigenen Geschäfte um so effektiver betreiben zu können. Von der
internationalen Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt engagierte sich
Soros in den 90er Jahren ebenso für die Destabilisierung der
jugoslawischen Regierung, wie für die Unterstützung der gegen Serbien
gerichteten politischen Interessen im Kosovo, um auch dort anschließend
seine Geschäftsinteressen ungehindert verfolgen zu können. Als
»ungekrönten König von Osteuropa« bezeichnet ihn daher der Journalist
Neil Clark im britischen Wochenmagazin New Statesman.
PR für eine »Lovemark«
Längst ist deutlich geworden,
daß »Reporter ohne Grenzen« eine exponierte Stellung unter den
internationalen Menschenrechtsorganisationen einnimmt. Dies ist nicht
nur der Fall aufgrund von Förderungen der Pariser Organisation durch
finanzkräftige Einzelpersönlichkeiten oder durch mit der US-Regierung
eng verbundene Organisationen bzw. auch durch die französische
Regierung. Was diese Menschenrechtsorganisation so schlagkräftig macht,
ist vor allem ihre professionelle Öffentlichkeitsarbeit, die sie für
ihre politischen Ziele betreibt. Tatsächlich steht aus der PR-Branche
keine geringere in den Diensten von RoG als die bekannte New Yorker
Werbeagentur Saatchi & Saatchi. Dieses Unternehmen gehört zum
Werbeimperium der Publicis Groupe S.A., einem multinationalen Konzern
mit Hauptsitz in Frankreich. Zur üblichen Kundschaft dieses
Werberiesens zählen Weltkonzerne wie Coca Cola, Disney, McDonald's und
Toyota.
Ihre geballte Werbekompetenz
lassen sich die New Yorker Profis gewöhnlich teuer bezahlen; für eine
NGO sind die Dienstleistungen normalerweise unerschwinglich. Doch für
RoG arbeitet Saatchi & Saatchi angeblich unentgeltlich. So ist die
PR-Agentur im aktuellen Finanzbericht von RoG zwar nicht als Geldgeber,
aber als einer von mehreren Geschäftspartnern aufgelistet, die ihre
Dienste kostenlos zur Verfügung stellen. Das Geschenk hat sicher einen
enormen geldwerten Umfang, denn die Pariser Menschenrechtsorganisation
verkündet in ihrem letzten Rechenschaftsbericht nicht ohne Stolz: »Das
Team der Agentur Saatchi & Saatchi entwickelt und realisiert alle
Kommunikationskampagnen der Reporter ohne Grenzen.«
Warum ausgerechnet Saatchi
& Saatchi für RoG die Werbetrommel rührt, darüber läßt sich
begründet spekulieren. Schließlich hat der Werbekonzern Publicis Groupe
S.A. Kunden, die eng mit den außenpolitischen Interessen der USA
verflochten sind, wie etwa der Bacardi-Konzern und nicht zuletzt die
US-Armee. Denn das Image der Truppe und der Ruf Amerikas haben
bekanntlich seit Beginn des von den USA ausgerufenen »Krieges gegen den
Terror« im Jahr 2001 weltweit gelitten.
So war
Saatchi-&-Saatchi-Chef Kevin Roberts am 9. März 2005 eingeladen
worden, in New York vor Vertretern verschiedener
US-Militärgeheimdienste eine neue, bessere Werbestrategie zu
präsentieren. Roberts entwickelte damals die Vision eines »Kampfes für
eine bessere Welt« als »paralleles Gleis zum Krieg gegen den Terror«.
Dieser »Kampf für eine bessere Welt« sollte aber mit positiv besetzten
Inhalten gefüllt werden, wie dem Kampf gegen AIDS oder der Bekämpfung
des weltweiten Hungers oder von Malaria. Es gäbe ja bereits
»phantastische Programme«, meinte der Werbefachmann, die einfach nur
mehr finanzielle Unterstützung bräuchten, damit sie »schnellere und
wirksamere Ergebnisse erzielen«. Damit hätte man dann »ein Produkt«,
das sich über entsprechende Bilder, die positive Emotionen wecken
würden, nach allen Regeln der Kunst mit dem Ziel vermarkten ließe,
»Amerika zu einer ›Lovemark‹ zu machen«.
Dabei hat Saatchi &
Saatchi – in Anlehnung an den bekannten Begriff »Trademark« – den
Begriff »Lovemark« geprägt. Dieses Wort, das umgangssprachlich mit
»Knutschfleck« assoziiert wird, wurde von Saatchi & Saatchi mit
einer neuen Bedeutung versehen: Mit »Lovemark« wird im Werbejargon ein
Markenprodukt bezeichnet, zu dem Verbraucher eine tiefe, bedingungslose
Verbindung aufgebaut haben, die auf Emotionen wie »Respekt und Liebe«
beruht. In seiner Rede vor den US-Militärs nennt Roberts auch Beispiele
für sachliche und lebende »Lovemarks«: Harley Davidson und Apple oder
der frühere US-Präsident John F. Kennedy.
Der »Krieg gegen den Terror«
sollte erst einmal in »Kampf für eine bessere Welt« umbenannt werden,
rät Kevin Roberts. Der Saatchi-&-Saatchi-Werbeprofi Roberts hat
sich einige Vorschläge einfallen lassen, um das angekratzte öffentliche
Image der USA erheblich aufzupolieren. Doch in seiner Präsentation
gegenüber den Militärs machte er auch deutlich, daß es ihm keineswegs
um einen grundsätzlichen Politikwandel geht: »Amerikanische Sicherheit
braucht eine drohende, strafende, brutale und unilateral kämpfende
Truppe voller junger, leicht angenervter Männer, die in der Lage sind,
jedes Schlachtfeld der Welt zu betreten.«
Nach seinen Vorstellungen soll
Amerikas »Krieg gegen den Terror« alias Amerikas »Kampf für eine
bessere Welt« also durchaus weitergehen. Amerika soll aber mit einem
bestimmten Maß an »Rätselhaftigkeit«, »Sinnlichkeit« und »Vertrautheit«
– also den »Bestandteilen von Lovemarks« – umgeben werden, um damit
anschließend diese »Marke Amerika« alias »USA« international besser
verkaufen zu können. Natürlich müssen dabei aus Gründen der
Glaubwürdigkeit auch Aktionen gegen »Armut, Hunger und Krankheit« in
der Welt durchgeführt werden, die dann im Fernsehen, »der größten
Verkaufseinrichtung«, möglichst optimal den Menschen präsentiert werden.
Saatchi & Saatchi und die
US-Streitkräfte, das machen die Überlegungen von Roberts deutlich,
arbeiten auf parallelen Ebenen für das gemeinsame politische Ziel:
Weltweit bedingungslose Loyalität mit den nationalen Interessen der USA
zu erreichen. Und dabei machen mit: die US-Regierung, das US-Militär,
der milliardenschwere US-Geschäftsmann Soros, die internationale
PR-Agentur Saatchi & Saatchi und nicht zuletzt die Pariser
Organisation für Pressefreiheit und Menschenrechte – die »Reporter ohne
Grenzen«.
Dabei gibt sich RoG richtig
Mühe, als unabhängige, unparteiische und integre Organisation zu
erscheinen, die sich unermüdlich für Pressefreiheit und Menschenrechte
und gegen Unrecht und Unterdrückung einsetzt. Nicht zuletzt wegen des
seriösen Erscheinungsbildes und Rufs dieser Organisation verlassen sich
Medienschaffende aus aller Welt auf deren Daten und Informationen;
viele Journalisten oder Prominente unterstützen diese Organisation
sogar aktiv oder rufen zu Spenden auf, darunter bekannte deutsche
Journalisten wie etwa Thomas Roth, Leiter des ARD-Studios Moskau, wie
Maybrit Illner, ZDF-Journalistin und Moderatorin, oder wie etwa
Heribert Prantl, innenpolitischer Redakteur der Süddeutschen Zeitung.
Die »Reporter ohne Grenzen« haben es bereitwillig geschafft, zu einer
»Lovemark« der US-Regierung zu werden. Ob das allen gutwilligen
Spendern und Förderern so klar ist, darf bezweifelt werden.
Elke Groß arbeitet als
freie Journalistin beim WDR und ist Rechercheurin bei der Sendung
MONITOR. Ekkehard Sieker ist freier Fernsehjournalist und längjähriger
Mitarbeiter des politischen Magazins MONITOR beim WDR. Beide sind
Redakteure bei dem neuen Nachrichtenmagazin Hintergrund
Quelle: Junge Welt vom 1.8.2007