
Von Gerhard Wisnewski
Es kommt ja immer wieder vor,
daß die Neocon-Presse die Interpretationshoheit über Texte gewinnt,
einfach deshalb, weil sonst keiner das Original liest. Ein schönes
Beispiel ist mal wieder der Brief des iranischen Präsidenten
Ahmadinedschad an "Präsident" George W. Bush. Die deutsche Prawda der
Neocons, der Spiegel, hat schon mal klargemacht, wie der Text zu
interpretieren ist:
"Die Zeilen, die Ahmadinedschad an Bush schickte,
entpuppen sich bei genauer Betrachtung als fadenscheinige
Pseudo-Epistel. Im Wesentlichen sind es drei Punkte, die dem Brief
seine Glaubwürdigkeit rauben:
- Ahmadinedschad geht an keiner Stelle konkret auf die bedrohliche Zuspitzung des Atomkonflikts ein.
- Zwar ist der Brief formal an
US-Präsident Bush adressiert, doch die eigentlichen Ansprechpartner
sind Ahmadinedschads iranische Wählerbasis und die Öffentlichkeit der
islamischen Welt.
- Das Schreiben ist an Populismus kaum zu überbieten und verliert dadurch seine Glaubwürdigkeit."
Und:
"Auf den ersten Blick lässt
schon die bloße Existenz des Schreiben aufhorchen: Zum ersten Mal seit
27 Jahren hat sich ein iranischer Regierungsvertreter offiziell an den
amerikanischen 'Todfeind' gewandt.
Doch eine Analyse des Briefes kann die hohen Erwartungen, die an ihn geknüpft worden sein mögen, nicht erfüllen. So ließ US-Präsident Bush dann auch heute erklären, er werde auf den Brief nicht antworten."
Hier der von einer Presserklärung der Bush-Junta nicht mehr zu unterscheidende Artikel: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,415372,00.html
Im Stalinismus war es ja immer
so: Wenn die Prawda etwas verriß, konnte man mit ziemlicher Sicherheit
davon ausgehen, daß an der Sache in Wirklichkeit etwas dran sein mußte.
Na, dann wollen wir doch mal lieber selbst eine Übersetzung lesen:
Ahmadinedschads Brief an George W. Bush
Herr George Bush,
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika
Bereits seit einiger Zeit habe
ich darüber nachgedacht, wie man die unbestreitbaren Widersprüche
rechtfertigen kann, die es auf der internationalen Bühne gibt - über
die immerzu debattiert wird, insbesondere in den politischen Foren und
unter Universitäts-studenten. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Das
hat mich dazu bewogen, einige Widersprüche und Fragen zu diskutieren in
der Hoffnung, dass es eine Gelegenheit eröffnen könnte, Abhilfe zu
finden.
Kann jemand Anhänger Jesu Christi (Der Friede sei mit
ihm), des grossen Gesandten Gottes sein, sich verpflichtet fühlen, die
Menschenrechte zu achten, Freiheit als ein Zivilisationsmodell zu
betrachten, seine Ablehnung gegenüber der Verbreitung von Atomwaffen
und Massenvernichtungswaffen zu verkünden, den Krieg gegen den Terror
zu seiner Parole zu machen, und dann schliesslich in Richtung der
Etablierung einer einheitlichen internationalen Gemeinschaft zu
arbeiten - einer Gemeinschaft, welche Christus und die Rechtschaffenen
auf Erden eines Tages regieren werden, aber dann gleichzeitig Länder
überfallen, Leben, Ansehen und Besitz der Leute zerstören, und mit der
äusserst geringen Aussicht, dass sich einige wenige Kriminelle in einem
Dorf, einer Stadt oder einem Konvoi befinden, das Dorf, die Stadt oder
den Konvoi in Flammen setzen?
Oder kann es sein, dass nur
aufgrund der Möglichkeit der Existenz von Massenvernichtungswaffen in
einem Land, das jetzt besetzt ist, rund 100'000 Menschen ermordet,
seine Wasserressourcen, Landwirtschaft und Industrie vernichtet, nahezu
180'000 Mann ausländischer Truppen auf seinem Boden festgesetzt werden,
die Unverletzlichkeit der Privathäuser der Einwohner gebrochen, und das
Land möglicherweise 50 Jahre zurückgeworfen wird? Zu welchem Preis?
Hunderte von Milliarden Dollar wurden aus der Staatskasse eines Landes
und zahlreicher anderer Länder ausgegeben, und Zehntausende junger
Männer und Frauen - als Besatzungssoldaten - wurden auf einen
unheilvollen Weg gebracht, entfernt von ihren Familien, ihren Lieben,
ihre Hände befleckt mit dem Blut anderer, einem derart grossen
psychologischen Druck unterworfen, dass jeden Tag einige Selbstmord
begehen und diejenigen, die zurückkehren, Depressionen leiden,
erkranken und zurecht kommen müssen mit allen möglichen Gebrechen,
während andere getötet werden und ihre Körper ihren Familien übergeben
werden.
Unter dem Vorwand der Existenz von
Massenvernichtungswaffen kam diese grosse Tragödie, um beide zu
verschlingen, die Völker des besetzten Landes und der Besatzer. Später
wurde aufgedeckt, dass von Anfang an keine Massenvernichtungswaffen
existiert haben. Sicher, Saddam war ein mörderischer Diktator. Aber der
Krieg wurde nicht angezettelt, um ihn zu stürzen, das ausgewiesene Ziel
des Krieges war Massenvernichtungswaffen zu finden und zu vernichten.
Er wurde im Namen eines anderen Zieles gestürzt. Nichtsdestotrotz sind
die Menschen der Region glücklich darüber.
Ich mache allerdings
darauf aufmerksam, dass über die vielen Jahre des aufgezwungenen
Krieges gegen den Iran Saddam durch den Westen unterstützt wurde.
Herr Präsident,
wie Sie vielleicht wissen, bin ich Lehrer.
Meine Studenten fragen mich, wie diese Taten in Übereinstimmung
gebracht werden können mit den Werten, die am Anfang dieses Briefes
hervorgehoben wurden, und der Verpflichtung gegenüber der Tradition von
Jesus Christus (Friede sei mit ihm), dem Gesandten des Friedens und der
Vergebung?
In Guantanamo Bay sind Gefangene, die nicht verurteilt
wurden, die keinen rechtlichen Beistand haben, deren Familien sie nicht
sehen können und die ganz offensichtlich in einem fremden Land
ausserhalb ihres Heimatlandes gehalten werden. Es gibt keine
internationale Überwachung ihres Zustandes oder ihres Schicksals.
Niemand weiss, ob sie Gefangene, Kriegsgefangene, Angeklagte oder
(überhaupt) Verbrecher sind.
Europäische Ermittler haben die
Existenz geheimer Gefängnisse auch in Europa bestätigt. Ich vermag die
Entführung einer Person für seine oder ihre Gefangennahme in einem
geheimen Gefängnis nicht mit den Bestimmungen irgend eines
Rechtssystems in Zusammenhang zu bringen. Aus diesem Grund ist es mir
unmöglich zu verstehen, wie solche Taten mit den Werten übereinstimmen,
die zu Beginn dieses Briefes hervorgehoben wurden, d. h. den Lehren von
Jesus Christus (Friede sei mit ihm), den Menschenrechten und
freiheitlichen Werten.
Junge Menschen,
Universitätsstudenten und einfache Menschen haben viele Fragen über das
Phänomen Israel. Ich bin sicher, dass Ihnen einige davon bekannt sind.
Im Verlauf der Geschichte sind viele Länder besetzt worden, aber ich
denke, dass die Errichtung eines neuen Staates mit einem neuen Volk ein
neues Phänomen ist, das einzigartig ist für unsere Zeit. Die Studenten
sagen, dass vor 60 Jahren ein solches Land nicht existiert hat. Sie
zeigen mir alte Dokumente und Globen und sagen: Versucht es wie wir -
wir sind nicht in der Lage, ein Land namens Israel zu entdecken.
Ich empfehle ihnen, die Geschichte des ersten und des zweiten
Weltkrieges zu studieren. Einer meiner Studenten sagte mir, dass
während des Zweiten Weltkrieges, in dem mehrere zehn Millionen Menschen
umgekommen sind, die Nachrichten über den Krieg zwischen den
kriegführenden Seiten schnell ausgetauscht wurden. Jede (Seite)
brüstete sich mit den eigenen Siegen und den jüngsten Fronterfolgen
gegen die andere Seite. Nach dem Krieg vermeldeten sie, dass sechs
Millionen Juden getötet worden sind. Sechs Millionen Menschen, die wohl
zumindest zwei Millionen Familien angehört haben.
Noch einmal:
Lassen Sie uns davon ausgehen, dass diese Ereignisse wahr sind. Führt
das logischerweise zur Einrichtung eines Staates Israel im Nahen Osten,
oder der Unterstützung für einen solchen Staat? Wie kann dieses
Phänomen begründet oder erklärt werden?
Herr Präsident,
ich bin sicher, dass Sie wissen, auf wessen Kosten Israel gegründet wurde:
- Viele Tausende wurden während des (Gründungs)prozesses getötet,
- Millionen der angestammten Bevölkerung wurden zu Flüchtlingen gemacht,
- Hunderttausende Hektar Ackerland, Olivenhaine, Dörfer und Städte wurden zerstört.
Diese Tragödie betrifft nicht
ausschliesslich die Zeit der Gründung, leider dauert sie nunmehr seit
sechzig Jahren an. Es wurde ein Regime eingesetzt, das selbst gegenüber
Kindern kein Erbarmen kennt, das Häuser zerstört, während sich die
Bewohner noch in ihnen befinden, das im Voraus seine Listen und Pläne
ankündigt, um palästinensische Persönlichkeiten zu ermorden, und
Tausende von Palästinensern gefangen hält. So ein Phänomen ist
einzigartig - oder zumindest extrem selten - in jüngster Zeit.
Eine weitere grosse Frage, die von den Menschen gestellt wird, ist die,
warum dieses Regime unterstützt wird. Liegt die Unterstützung für
dieses Regime auf einer Linie mit den Lehren Jesu Christi (der Friede
sei mit ihm) oder liberalen Werten? Oder müssen wir verstehen, dass es
gegen die Prinzipien von Demokratie, Menschenrechten und die Lehren der
Propheten verstösst, wenn man den ursprünglichen Bewohnern jener Länder
- innerhalb und ausserhalb von Palästina - erlaubt, ihr eigenes
Schicksal zu bestimmen, seien sie nun Christen, Muslime oder Juden?
Wenn es nicht so ist, warum gibt es dann so viel Widerstand gegen ein
Referendum?
Die neu gewählte
palästinensische Regierung übernahm kürzlich das Amt. Alle unabhängigen
Beobachter haben bestätigt, dass diese Regierung die Wählerschaft
repräsentiert. Es ist unglaublich, dass Sie die gewählte Regierung
unter Druck gesetzt und ihr geraten haben, das israelische Regime
anzuerkennen, den Kampf aufzugeben und den Programmen der vorherigen
Regierung zu folgen. Wenn die gegenwärtige palästinensische Regierung
damit übereinstimmen würde, hätte das palästinensische Volk dann für
sie gestimmt?
Wiederum: Kann so eine Position, die gegen die
palästinensische Regierung eingenommen wurde, mit den vorher
zusammengefassten Werten vereinbart werden?
Die Menschen fragen
auch, warum all die UN-Sicherheitsrats-Resolutionen, die Israel
verurteilen, mit einem Veto abgeschmettert werden.
Herr Präsident,
wie Ihnen sehr wohl bekannt ist,
lebe ich unter den Menschen und bin in ständigem Kontakt mit ihnen, und
viele Menschen aus dem Mittleren Osten schaffen es ebenso, mit mir in
Kontakt zu treten. Auch sie glauben nicht an diese dubiose Politik. Es
gibt Beweise, dass die Bevölkerung der Region auf diese Politik immer
wütender wird. Es liegt nicht in meiner Absicht, zu viele Fragen zu
stellen, aber ich muss mich auch auf andere Punkte beziehen.
Warum
ist es so, dass jegliche technologische und wissenschaftliche
Errungenschaft, die im Mittleren Osten erreicht wird, als eine
Bedrohung für das zionistische Regime betrachtet und dargestellt wird?
Ist denn nicht wissenschaftliche Forschung und Entwicklung eins der
Grundrechte der Nationen?
Sie sind mit der Geschichte vertraut.
Abgesehen vom Mittelalter: zu welchem Zeitpunkt in der Geschichte ist
wissenschaftlicher und technischer Fortschritt ein Verbrechen gewesen?
Kann die blosse Möglichkeit der Verwendung wissenschaftlicher
Errungenschaften für militärische Zwecke Grund genug sein, Wissenschaft
und Technologie insgesamt zu verwerfen? Wenn so eine Annahme zutrifft,
dann müssen auch alle wissenschaftlichen Disziplinen einschliesslich
Physik, Chemie, Mathematik, Medizin, Ingenieurwissenschaften usw.
verworfen werden. Es wurden Lügen erzählt in Sachen Irak. Was war das
Resultat? Ich habe keine Zweifel, dass die Äusserung von Lügen in jeder
Kultur verwerflich ist, und auch Sie mögen es nicht, angelogen zu
werden.
Herr Präsident,
haben die Völker Lateinamerikas
nicht das Recht zu fragen, warum man sich (von aussen) ihren gewählten
Regierungen widersetzt und Putschisten unterstützt?
Oder: Warum werden sie andauernd bedroht und leben in Angst?
Die Völker Afrikas arbeiten hart, sie sind erfinderisch und begabt. Sie
können eine wichtige und wertvolle Rolle spielen, Bedürfnisse der
Menschheit zu decken sowie zu ihrem materiellen und geistigen
Fortschritt beizutragen. Armut und Härten in grossen Teilen Afrikas
verhindern, dass dies geschehen kann. Haben sie nicht das Recht zu
fragen, warum ihr enormer Reichtum - einschliesslich der Bodenschätze -
geplündert wird, ungeachtet der Tatsache, dass sie diese (Bodenschätze)
nötiger haben als andere?
Noch einmal: Stimmen solche Taten mit den Lehren Christi oder den Grundsätzen der Menschenrechte überein?
Auch das mutige und gläubige
Volk Irans hat viele Fragen und Beschwerden - einschließlich des
Staatsstreichs von 1953 und dem nachfolgenden Sturz der rechtmäßigen
Regierung seinerzeit; der Bekämpfung der islamischen Revolution; der
Umwandlung einer Botschaft in ein Hauptquartier, das die Aktivitäten
der Gegner der Islamischen Republik unterstützte - viele tausend Seiten
von Dokumenten beweisen diese Beschuldigung; der Unterstützung Saddams
in dem Krieg, den er gegen Iran geführt hat; dem Abschuß eines
Passagierflugzeuges; dem Einfrieren von Guthaben des iranischen Volkes;
zunehmenden Bedrohungen, Wut und Unzufriedenheit gegenüber dem
wissenschaftlichen und nuklearen Fortschritt der iranischen Nation -
gerade wo alle Iraner überglücklich mit dem Fortschritt ihres Landes
sind und dies feiern; und vieler anderer Beschwerden, die ich in diesem
Brief nicht weiter anführen will.BR>
Herr Präsident,
"Der 11. September" war ein
horrendes Ereingis. Die Ermordung von Unschuldigen ist beklagenswert
und erschreckend in allen Teilen der Welt. Unsere Regierung erklärte
unverzüglich ihre Empörung über die Täter und zeigte ihr Beileid für
die Hinterbliebenen und drückte Sympathie aus. Alle Regierungen haben
eine Pflicht, die Menschenleben, das Eigentum und das gute Ansehen
ihrer Bürger zu schützen. Wie berichtet wird, beschäftigt Ihre
Regierung weitangelegte Sicherheits-, Schutz- und Geheimdienstsysteme -
und jagt ihre Gegner sogar im Ausland.
"Der 11. September" war
nicht eine simple Operation. Könnte diese geplant gewesen und
ausgeführt sein, ohne eine Koordination mit Geheimdienst und
Sicherheitsdiensten - oder deren weitläufiger Infiltrierung?
Selbstverständlich ist dies lediglich ein wohlbegründete Vermutung.
Warum wurden die unterschiedlichen Aspekte des Angriffs geheimgehalten?
Warum wurde uns nicht mitgeteilt, wer seine Verantwortlichkeiten
verfehlt hat? Und warum sind diese Verantwortlichen und die schuldig
befundenen Parteien nicht identifiziert und vor Gericht gestellt worden?
Alle Regierungen haben eine
Pflicht, Sicherheit und Seelenfrieden für ihre Bürger zu gewährleisten.
Seit einigen Jahren nun haben die Menschen aus Ihrem Land und Nachbarn
der Welt-Problemgegenden keinen Seelenfrieden mehr. Anstatt die
emotionalen Wunden der Überlebenden und der amerikanischen Menschen zu
heilen und zu versorgen - die immens traumatisiert gewesen waren -
intensivierten nach dem 11.9. einige westliche Medien ausschließlich
die Stimmung von Angst und Unsicherheit - einige berichteten
durchgehend über die Möglichkeit einer neuen Terrorattacke und hielten
die Leute in Angst.
Ist das Dienst am amerikanischen Volk? Ist es möglich, das Ausmaß des Schadens durch Angst und Panik zu berechnen?
Warum haben die Medien, anstatt ein Gefühl der Sicherheit und des
Seelenfriedens zu fördern, das Gefühl der Unsicherheit erhöht?
Einige glauben das der Medienrummel den Weg bahnte - und die
Rechtfertigung - für einen Angriff auf Afghanistan. Wieder muß ich auf
die Rolle der Medien verweisen.
In den Satzungen der Medien sind
eine korrekte Verbreitung von Informationen und wahrheitsgetreues
Berichten eines Ereignisses etablierte Grundsätze. Ich spreche mein
tiefes Bedauern aus über die Mißachtung dieser Prinzipien, die sich bei
gewissen westlichen Medien zeigt. Der Hauptvorwand für einen Angriff
auf den Irak war die Existenz von Massenvernichtungswaffen. Dies wurde
ohne Unterlaß wiederholt - damit die Öffentlichkeit es schließlich
glaubte - und der Boden für einen Angriff auf Irak bereitet war. Wird
die Wahrheit nicht verloren gehen in solch einem arrangierten und
trügerischen Klima?
Und wieder: Wenn es erlaubt ist, daß die
Wahrheit verloren gehe, wie kann das in Übereinstimmung sein mit den
oben genannten Werten? Ist denn die Wahrheit dem Allmächtigen nicht
bekannt, selbst wenn sie verloren ginge?
Herr Präsident,
in den Ländern in aller Welt
versorgen die Bürger die Ausgaben der Regierungen und im Gegenzug sind
die Regierungen in der Lage ihnen zu dienen. Die Frage, die sich hier
stellt ist: Was haben die hunderten von Milliarden Dollar, die jährlich
für den Irak-Feldzug zu zahlen sind, für ihre Bürger gebracht? Wie Eure
Exzellenz sich darüber bewußt sind, leben in einigen Staaten ihres
Landes die Menschen in Armut. Tausende sind obdachlos und
Arbeitslosigkeit ist ein gewaltiges Problem. Sicherlich existieren
diese Probleme mehr oder weniger auch in anderen Ländern gleichermaßen.
Aber können mit dem Bewusstsein dieser Umstände die gewaltigen Ausgaben
des Feldzuges, die aus der öffentlichen Kasse bezahlt werden, erklärt
werden und in Einklang gebracht werden mit den vorab erwähnten
Prinzipien?
Was bisher erwähnt wurde sind einige der Mißstände der
Völker der Welt, in unserer Region und in ihrem Land. Aber meine
Behauptung - und ich hoffe, Sie werden einigem davon zustimmen - ist:
Diejenigen an der Macht haben eine bestimmte Zeit im Amt und werden
nicht ewig regieren, aber ihre Namen werden von der Geschichte
aufgenommen werden und andauernd beurteilt in der nahen und fernen
Zukunft. Die Menschen werden unsere Präsidentschaften hinterfragen.
Haben wir es bewältigt Frieden, Sicherheit und Wohlstand den Menschen
zu bringen, oder Unsicherheit und Armut. Haben wir es angestrebt,
Gerechtigkeit zu etablieren oder haben wir nur spezielle
Interessengruppen unterstützt, indem wir viele Menschen dazu gezwungen
haben, in Not und Mühsal zu leben, und dabei einige wenige Leute reich
und machtvoll gemacht, wobei wir die Zustimmung der Bevölkerung
verkauft haben und die Zustimmung des Allmächtigen dazu?
Haben wir die Rechte der Unterprivilegierten verteidigt oder sie
ignoriert?
Haben wir die Rechte der Völker in aller Welt verteidigt oder ihnen
Kriege aufgezwungen, uns unrechtmässig in deren Angelegenheiten
eingemischt, höllische Gefängnisse eingerichtet und Einige eingekerkert?
Haben wir der Welt Frieden und Sicherheit gebracht, oder haben wir das
Schreckgespenst der Einschüchterung und Drohung errichtet?
Haben
wir unserer Nation die Wahrheit gesagt und auch anderen in aller Welt
oder haben wir ihnen das Gegenteil davon präsentiert?
Standen wir auf der Seite der Menschen oder auf der Seite der Besatzer und Unterdrücker?
Hat unsere Regierung sich entschlossen, ein vernünftiges Vorgehen,
Logik, Ethik, Frieden, Einhaltung von Verpflichtungen, Gerechtigkeit,
Dienst am Volk, Wohlstand, Entwicklung und Respekt der menschlichen
Würde zu fördern, oder die Gewalt von Waffen, Einschüchterung,
Unsicherheit, Geringschätzung der Menschen, Verzögerung der Entwicklung
und Fähigkeiten andere Nationen und die Menschenrechte mit Füßen zu
treten?
Und letztendlich werden sie uns darin beurteilen, ob wir
wahrhaftig zu unserem Amtseid standen, den Menschen zu dienen, welches
die wichtigste Aufgabe ist und die Tradition der Propheten - oder nicht?
Herr Präsident,
wie lange noch kann die Welt diese Situation ertragen?
Wohin wird dieser Trend die Welt führen?
Wie lange noch muss die Menschheit den Preis für die falschen Entscheidungen einiger Führer zahlen?
Wie lange noch wird das Schreckgespenst der Unsicherheit - gezüchtet
durch die Vorräte an Massenvernichtungswaffen - die Menschheit
verfolgen?
Wie lange noch wird das Blut unschuldiger Männer,
Frauen und Kinder in den Strassen vergossen werden und die Häuser der
Menschen über ihren Köpfen zerstört werden?
Sind Sie zufrieden mit dem momentanen Zustand der Welt?
Denken Sie, dass die gegenwärtige Politik fortgesetzt werden kann?
Wenn die Milliarden Dollar, die für Sicherheit, Kriege und militärische
Logistik ausgegeben werden, statt dessen für Investitionen und Hilfe
für arme Länder, Gesundheitsförderung, Krankheitsbekämpfung, Bildung
und Verbesserung des geistigen und körperlichen Wohlbefindens, Hilfe
für die Opfer von Naturkatastrophen, Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten
und Produktion, Aufbauprojekte und Armutsbekämpfung, die Errichtung von
Frieden, die Schlichtung von zwischenstaatlichen Streitfällen, und die
Eindämmung von rassischen, ethnischen und anderen Konflikten ausgegeben
würden, wo stünde die Welt heute?
Wäre Ihre Regierung und Ihr Volk dann nicht gerechtfertigter Weise stolz?
Wäre der politische und wirtschaftliche Stand Ihrer Regierung nicht stabiler?
Und ich bedauere es sehr zu sagen: Gäbe es einen weltweit stetig ansteigenden Hass auf die amerikanische Regierung?
Herr Präsident,
es ist nicht meine Absicht, irgendjemanden unglücklich zu machen.
Wenn die Propheten Abraham, Isaak, Jakob, Ismael, Josef oder Jesus
Christus (Friede sei mit ihnen) heutzutage bei uns wären, wie würden
sie unser Verhalten beurteilen? Wird uns eine Rolle zugeteilt werden in
der verheissenen Welt, wo allumfassende Gerechtigkeit sein wird und
Jesus Christus (Friede sei mit ihm) gegenwärtig sein wird? Werden sie
uns aufnehmen?
Meine Hauptfrage ist:
"Gibt es keinen besseren Weg, mit dem Rest der Welt zu interagieren?"
Heutzutage gibt es hunderte Millionen Christen und hunderte Millionen
Muslime und Millionen Menschen, die den Lehren Moses' (Friede sei mit
ihm) folgen. Alle göttlichen Religionen teilen und respektieren das
eine Wort und das ist "Monotheismus" oder Glaube an einen Gott und
niemand anderen in der Welt.
Der Heilige Qur'an betont das gemeinsame Wort und fordert die Gläubigen der göttlichen Religionen auf und sagt:
[3:64] Sag: Ihr Leute der Schrift!
Kommt her zu einem Wort des Ausgleichs zwischen uns und Euch, dass wir
Gott allein dienen und ihm nichts beigesellen und dass wir uns nicht
untereinander an Gottes Statt zu Herren nehmen. Wenn Sie sich aber
abwenden, dann sagt: Bezeugt, dass wir Gott ergeben sind.
Herr Präsident,
Gemäß den göttlichen Versen sind
wir alle aufgerufen, Gott zu dienen und den Lehren der Propheten zu
folgen. Einem Gott zu dienen, der über aller Macht der Welt steht und
tun kann, was immer Ihm gefällt, der Herr, Der das verborgene und das
Offene kennt, die Vergangenheit und die Zukunft, Der weiss, was in den
Herzen Seiner Diener geschieht und ihre Handlungen aufzeichnet.
Der Herr, der Besitzer ist der Himmel und der Erde und das ganze
Universum huldigt ihm, die Ordnung des Universums steht in Seiner Hand,
und Er gibt Seinen Dienern die frohe Botschaft der Barmherzigkeit und
Vergebung seiner Sünden. Er ist der Beistand der Unterdrückten und
Feind der Unterdrücker. Er ist der Allgnädige, der Allbarmherzige.
Er ist die Zuflucht der Gläubigen und führt sie aus der Dunkelheit
heraus zum Licht. Er ist Zeuge dessen, was Seine Diener tun. Er ruft
Seine Diener auf zu glauben und gute Werke zu tun und ruft sie auf, auf
dem Weg der Gerechtigkeit zu beharren und standhaft zu bleiben. Er ruft
Seine Diener auf, achtsam gegenüber Seinen Gesandten zu sein und Er ist
Zeuge ihrer Werke.
Ein böses Ende haben nur die, die das Leben des
Diesseits bevorzugt haben und Ihrem Herrn ungehorsam sind und Seine
Diener unterdrücken. Und ein gutes Ende und die (ewige Glückseligkeit)
des Paradieses gehört denen unter Seinen Dienern, die ihren
majestätischen Herrn fürchten und nicht ihren Gelüsten folgen.
Wir
sind davon überzeugt, dass eine Rückbesinnung der Lehren der von Gott
gesandten Propheten der einzige Weg ist, der zum Heil führt.
Mir wurde berichtet, dass eure
Exzellenz den Lehren des Propheten Jesus (Friede sei mit ihm) folgt und
an das göttliche Versprechen glaubt, dass die Erde mit Gerechtigkeit
regiert wird.
Auch wir glauben, dass Jesus Christus (der Friede
sei mit ihm) einer der grössten (und vorzüglichsten) Propheten des
Allmächtigen war. Er wird wiederholend im Qur'an gepriesen. Der Prophet
Jesus (der Friede sei mit ihm) wurde ebenso folgenderweise im Qur'an
zitiert: und gewiss ist Allah mein Herr und euer Herr, daher dienet
Ihm; dies ist der gerade Weg [Sure Maria: 19:36].
Der Dienst
gegenüber dem Allmächtigen und der Gehorsam Ihm gegenüber ist der
Leitgedanke aller von Gott geleiteten Gesandten. Der Gott aller
Menschen in Europa, Asien, Afrika, Amerika, des Pazifik und
der restlichen Welt ist Einer. Er ist der Allmächtige, der alle Seine
Diener führen und um Ränge erhöhen möchte. Er hat den Menschen
verliehen.
Wir lesen weiter im Heiligen Buch: der
Allmächtige Gott sendet Seine Propheten mit Wunder und klaren Zeichen,
um die Menschen zu führen und göttliche Zeichen zu zeigen und um sie
(die Menschen) zu reinigen von (ihren) Sünde(n) und Verunreinigungen.
Und Er sendet das Buch und den Maßstab, so dass die Menschen
Gerechtigkeit zeigen und Ungehorsam meiden.
Alle der oben erwähnten Verse können auf die eine oder andere Weise auch in der Frohen Botschaft nachgelesen werden.
Göttliche Propheten versprachen: Der Tag wird kommen, an dem sich alle
Menschen vor dem Gericht des Allmächtigen versammeln, so das all ihre
Taten begutachtet werden. Die Guten werden zum Himmel geleitet und die
Übeltäter werden auf die göttliche Strafe treffen. Ich vertraue darauf,
dass wir beide an einen solchen Tag glauben, jedoch wird es nicht
einfach sein, die Handlungen der Herrscher zu bewerten, denn wir müssen
für unsere Nationen und all die anderen, deren Leben direkt oder
indirekt durch unsere Handlungen beeinflusst wurden, verantwortlich
sein.
Alle Propheten sprechen von Frieden und Friedlichkeit für
die Menschen - basierend auf Monotheismus, Gerechtigkeit und Respekt
gegenüber der Menschenwürde.
Denken Sie nicht das wir, wenn wir
alle daran glauben und an diesen Grundsätzen festhalten (die da sind
Monotheismus, Gottesdienst, Gerechtigkeit, Respekt gegenüber der
Menschenwürde, Glaube an den Letzten Tag), die derzeitigen Probleme der
Welt bewältigen können - welche das Resultat des Ungehorsams gegenüber
dem Allmächtigen und den Lehren der Propheten sind - und unsere
Leistung verbessern können?
Denken Sie nicht, das der Glaube an diese Grundsätze Frieden, Freundschaft und Gerechtigkeit fördert und garantiert?
Denken Sie nicht, dass die oben erwähnten geschriebenen und ungeschriebenen Grundsätze allgemein respektiert werden?
Werden Sie nicht diese Einladung annehmen? Dies wäre eine wirkliche
Rückkehr zu den Lehren der Propheten, zum Monotheismus und zur
Gerechtigkeit, um die Würde und den Gehorsam der Menschen gegenüber dem
Allmächtigen und Seinen Propheten zu bewahren.
Herr Präsident,
die Geschichte lehrt uns, dass
unterdrückende und grausame Regierungen keinen Bestand haben. Gott hat
das menschliche Schicksal Menschen anvertraut. Der Allmächtige hat das
Universum und die Menschheit ihrem eigenen Gutdünken nicht überlassen.
Viele Dinge sind wider den Wünschen und Plänen der Regierungen
geschehen. All dies lehrt uns, dass eine höhere Kraft am Werk ist und
alle Ereignisse von Ihm bestimmt werden.
Kann man die Zeichen des Wandels in der heutigen Welt abstreiten?
Lässt sich die heutige Weltlage mit der vor zehn Jahren vergleichen?
Veränderungen geschehen rasch und ereignen sich in rasanter Geschwindigkeit.
Die Menschen der Welt sind mit dem Status quo nicht zufrieden und
achten kaum auf die Versprechungen und Äusserungen, die von vielen
einflussreichen Führungspersonen in der Welt gemacht wurden. Viele
Menschen weltweit fühlen sich unsicher und begehren auf gegen die sich
ausbreitende Unsicherheit und den Krieg und nehmen die fragwürdigen
politischen Entscheidungen nicht hin. Die Menschen protestieren gegen
die zunehmende Kluft zwischen den Besitzenden und Besitzlosen sowie
zwischen den reichen und armen Ländern.
Die Menschen sind abgestossen von zunehmender Korruption.
Die Menschen vieler Länder sind über die Angriffe auf ihre kulturellen
Grundlagen und das Auseinanderreissen von Familien entrüstet.
Gleichermassen sind sie über den Niedergang von Zuwendung und Mitgefühl
bestürzt. Die Menschen der Welt haben den Glauben an internationale
Organisationen verloren, weil ihre Rechte von diesen Organisationen
nicht mehr vertreten werden.
Der Liberalismus und die westliche
Form von Demokratie sind nicht in der Lage gewesen, die Ideale von
Menschlichkeit zu verwirklichen. Aus heutiger Sicht sind diese beiden
Grundkonzepte gescheitert. Wer hinter die Dinge blickt, kann bereits
das Knirschen vom Zusammenbruch und Niedergang der Ideologie und
Denkweise des liberaldemokratischen Systems vernehmen.
Zunehmend
erkennen wir, dass Menschen weltweit sich zusammentun in Richtung auf
einen Anziehungspunkt - Gott den Allmächtigen. Zweifelsohne durch den
Glauben an Gott und die Schriften der Propheten werden die Menschen
ihre Probleme in Griff bekommen. Mein Frage an Sie lautet: "Möchten Sie
nicht dabei sein?"
Herr Präsident,
ob wir wollen oder nicht, die Welt
wird zum Glauben an den Allmächtigen hingezogen, und die Gerechtigkeit
und der Wille Gottes werden über alles den Sieg davon tragen.
Und der Friede sei mit denen, die dem rechten Weg folgen!
Mahmood Ahmadinejad
Präsident des Islamischen Republik Iran
Der Brief des
Präsidenten der Islamischen Republik Iran an US-Präsident George Bush
wurde aus der eigenen Homepage des iranischen Präsidenten in einer
grossen Gemeinschaftsaktion vieler Teilnehmer des Forums auf www.muslim-markt.de kurzfristig übersetzt. Möge Allah alle lohnen, die an der Übersetzung beteiligt waren.
Hier der zusammengestellte und vereinheitlichte Text, Quelle:
http://f25.parsimony.net/cgi-bin/topic-flat.cgi?Nummer=63498&Phase=Phase1&ThreadNummer=42403
Deutsche Grammatik/Orthographie wurde von Gerhard Wisnewski verbessert