Von Gerhard Wisnewski
Kennen Sie Paul Craig Roberts?
Nein? Nun, Paul Craig Roberts ist ein bekannter Republikaner,
Journalist und ehemals hoher Beamter der Reagan-Administration. Also
nicht gerade als Linker verdächtig. Derselbe Paul Craig Roberts schlägt
seit einer Weile Alarm. Dabei nimmt er nicht das kleinste Blatt vor den
Mund, vor allem nicht, was die Regierung von "Präsident" und
Merkel-Freund Bush angeht: "Die Bush-Administration ist verrückt.
Sollte das amerikanische Volk sie nicht durch ein
Amtsenthebungsverfahren ihrer Führung berauben, wird die
Bush-Administration Armageddon veranstalten."
Armageddon ist jene letzte, in der Bibel beschriebene Schlacht, in der die Welt in entsetzlichem Elend untergehen wird.
Der mutige Züricher Tages-Anzeiger
veröffentlichte am heutigen 2.3.2006 ein Interview mit Paul Craig
Roberts. Darin ließ der ehemalige Reagan-Mann wenig Raum für Illusionen
über die Bush-Regierung und die sie tragende republikanische Partei.
Diese Partei sei von den
sogenannten Neokonservativen (also Rumsfeld u.a.) "gekapert" worden,
weshalb er sie jetzt "die Partei der Braunhemden" nenne, so Roberts.
Roberts: "Ich weiss nicht
genau, wie die Neokonservativen das zu Stande gebracht haben, aber sie
haben die totale Kontrolle über die Politik und das Weisse Haus. Sie
dominierten die gesamte erste Amtszeit von Präsident Bush - mit
Ausnahme von Aussenminister Colin Powell. Und den sind sie
losgeworden.Wie sie das geschafft haben? Sie waren gut organisiert und
sind seit langem in Washington. Sie versuchten auch die Regierung
Ronald Reagans zu infiltrieren, aber wir sahen sie damals einfach als
Alliierte im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion. Wir wussten nicht, wer
sie wirklich waren. Indem die Neokonservativen Denkfabriken und Medien
übernommen haben, wurden sie die politischen Berater der
Republikanischen Partei."
Auf die Frage des Tages-Anzeigers,
ob er angegriffen worden sei, nachdem er begonnen hatte, die
Bush-Administration zu kritisieren, antwortet Roberts, seine Artikel
seien nicht mehr gedruckt worden und "ausserdem erhielt ich eine Menge
hasserfüllter E-Mails und begann zu begreifen, dass wir es hier mit
einer Bewegung von Braunhemden zu tun haben. (...) Die E-Mails waren
voll von irrationalem Hass. Ihre Position war, dass jeder, der unseren
Führer kritisiert, sterben muss."
Ausgelöst worden sei dieser
Trend erst durch die Anschläge im September 2001: "Sie bildeten den
Vorwand, die Macht in den Händen des Präsidenten zu konzentrieren. Es
hiess, man wolle die Amerikaner vor Terroranschlägen schützen. Nicht
durch die Detonation (sic!; GW) von Gebäuden aber wird Amerika
zerstört, sondern durch die Zerstörung der Verfassung, der
verfassungsmässigen Rechte und der Gewaltenteilung.(...) Das
war wie der Reichstagsbrand, es hatte den gleichen Effekt. Wir erlebten
einen umfassenden Anschlag auf die Bürgerrechte. Die Regierung Bush
nimmt das Recht in Anspruch, jeden, den sie verdächtigt, festzunehmen
und diese Person auf unbestimmte Zeit festzuhalten, ohne dass eine
Anklage erhoben oder Anwälten der Zugang zum Inhaftierten erlaubt wird."
Besonders schlimm sei auch, daß es in den USA keine unabhängigen Medien mehr gebe, so Roberts. "Aber es gibt doch unabhängige Medien", wirft der Tages-Anzeiger ein: "Nehmen Sie nur die 'New York Times'!"
Roberts: "Die 'New York Times'
hat die ihr von der Verfassung aufgetragenen Verpflichtungen nicht
erfüllt. Die Zeitung erlaubte der Reporterin Judith Miller, als
neokonservative Propagandistin zu dienen. Sie benutzte die 'New York
Times', um Lügen zur Legitimierung des Kriegs im Irak zu verbreiten.
Wir haben diese Art von
Propaganda seit dem Dritten Reich nicht mehr erlebt. (...) Oder schauen
Sie doch den Fernsehsender Fox News an. Es handelt sich hierbei um eine
reine Propaganda-Operation. Mit Nachrichten hat das nichts zu tun. Fox
ist eine effektive Propaganda-Organisation. Der Sender ist erfolgreich,
weil er den Amerikanern einredet, sie seien hart, sie seien gut, sie
seien Machos und würden anderen in die Hintern treten."
Auf die Frage, ob Bush vom
Kongreß angeklagt werden sollte, antwortet Roberts: "Ja. Er log, und
wir zettelten einen Krieg auf Grund dieser Lügen an. Gemäss der
Rechtsnormen, die bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen
etabliert wurden, ist Aggression ein Kriegsverbrechen. Der
amerikanische Vertreter in Nürnberg, Robert Jackson, sagte dazu: 'Wir
müssen den Deutschen klar machen, dass das Vergehen, dessen ihre Führer
angeklagt sind, nicht darin bestand, dass sie einen Krieg verloren
haben, sondern dass sie diesen Krieg begonnen haben.' George W. Bush
ist einer nackten Aggression schuldig. Seine gesamte Regierung ist
schuldig.
Tages-Anzeiger: "Sie sagen das im Ernst?"
Roberts: "Ja. Bush sollte vom
Kongress angeklagt und nach seiner Entfernung aus dem Amt nach Den Haag
überstellt und als Kriegsverbrecher angeklagt werden - genauso wie
Vizepräsident Cheney, Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz und Condoleezza
Rice. Bei den Opfern im Irak handelt es sich hauptsächlich um
Zivilisten."
Lesen Sie das gesamte Interview im Tages-Anzeiger (kostenpflichtig, benutzen Sie bitte die Archivsuche):
http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/news/ssi/archiv/index.html