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Libanon-Einsatz 2. Teil: Remember the Maine PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Gerhard Wisnewski   
Monday, 30. October 2006

Von Gerhard Wisnewski

Gestern stellte ich die Frage, was der UNO-Flottenverband unter Führung der Bundesmarine vor der Küste des Libanon eigentlich soll. Der Waffenschmuggel an die Hisbollah erfolgt über den Landweg, und selbst wenn der UNO-Verband ein Schiff mit Waffen stoppt, darf er sie nicht beschlagnahmen. Hat der Einsatz womöglich andere Hintergründe?  War die Schießerei an dem deutschen Aufklärungsschiff Alster bloß Zufall?

Lesen Sie nun den 2. Teil der Serie über den Libanon-Einsatz:



 

 

Die USS Liberty vor...

 

Die Alster ist nicht das erste "befreundete" Aufklärungsschiff, in dessen Nähe von  israelischen Flugzeugen geschossen wurde-  vorsichtig gesag: von . Das erste, von dem wir wissen,  war die USS Liberty am 8. Juni 1967, also mitten im Sechstagekrieg. Die mit Elektronik bepackte USS Liberty kreuzte etwa 17 Meilen vor der israelischen Küste in internationalen Gewässern, als sie plötzlich in "friendly fire" geriet - besser gesagt: in "unfriendly fire". Zur Verblüffung und alsbald zur Verzweiflung der Besatzung wurde das Schiff von israelischen Flugzeugen und Torpedobooten angegriffen und mit bis zu 1.000 Pfund schweren Bomben sowie mit Napalm bombardiert, wobei 34 Seeleute starben und über 170 verletzt wurden.  "Obwohl es in beiden Ländern mehrfache Untersuchungen gab, die eine Verkettung unglücklicher Umstände aufdeckten, nähren die Hintergründe des Angriffs bis heute Verschwörungstheorien aller Art", heißt es in dem Pseudo-Lexikon Wikipedia. Natürlich. Besonders erwähnenswert wäre da die "Verschwörungstheorie" der überlebenden Veteranen der Liberty, die den Vorfall bis heute schlicht als Kriegsverbrechen bezeichnen: "Innerhalb kürzester Zeit und ohne jede Warnung starteten israelische Kampfjets einen Raketenangriff auf die USS Liberty", heißt es in einem Bericht der Veteranenorganisation der Liberty. Es lohnt sich, da mal kurz hineinzuschauen, vielleicht auch deshalb, weil dies womöglich kein Stoff an der Bundeswehr-Führungsakademie war: "Die Flugzeuge absolvierten mehrere Überflüge, wobei sie die Liberty mit Raketen und ihren Bordkanonen angriffen. Nachdem die Munition der ersten Welle von Kampfflugzeugen erschöpft war, erfolgten weitere Anflüge von israelischen Kampfflugzeugen, um den Angriff mit Raketen, Bordkanonen und Napalm fortzusetzen. Während des Angriffs hatte die Besatzung der USS Liberty aufgrund massiver Störungen der Kommunikation Schwierigkeiten, die 6. Flotte um Hilfe zu bitten. Die Hauptziele auf dem Schiff waren die Kommandobrücke, die Kommunikationsantennen und die vier Maschinengewehre vom Kaliber .50 zur Abwehr von Enterversuchen. Nachdem die

 

...und nach der "Begegnung" mit israelischen Kampfverbänden.

 

israelischen Kampflugzeuge ihre Angriffe beendet hatten, kamen drei israelische Torpedoboote und begannen 35 Minuten nach dem Beginn des Luftangriffes eine Oberflächenattacke. Die Torpedoboote schossen insgesamt fünf Torpedos ab, von denen einer die Flanke der USS Liberty traf; auf der gegenüberliegenden Seite der Forschungsräume. Zusätzlich zu den acht, die während des Luftangriffs gestorben waren, wurden 26 Amerikaner bei dieser Explosion getötet. Nach ihrem Torpedoangriff fuhren die Torpedoboote an den Seiten der Liberty auf und ab, wobei sie ihre Angriffe fortsetzten und das Schiff mit Kanonen- und Maschinengewehrfeuer bestrichen. In Malta erhielt die Besatzung später den Auftrag, alle Löcher zu zählen, die so groß wie eine menschliche Hand oder größer waren. Zusätzlich zu den Tausenden von Maschinengewehr-Einschüssen vom Kaliber .50  fanden sie insgesamt 861 solcher Löcher. Überlebende berichteten, daß die Besatzungen der Torpedoboote die Decks der Liberty mit Maschinengewehrfeuer überschütteten, wobei sie auf Kommunikationseinrichtungen und auf jedes Besatzungsmitglied zielten, das sich an Deck bewegte. Überlebende berichteten auch, daß die Torpedoboot-Besatzungen auf die aufgeblasenen Rettungsboote schossen, die die Crew nach dem Befehl des Kapitäns, sich auf die Aufgabe des Schiffes vorzubereiten, zu Wasser gelassen hatte. Dieser Befehl mußte widerrufen werden, weil die Besatzung nicht in der Lage war, auf dem Hauptdeck zu stehen, ohne unter Beschuß genommen zu werden, wobei die Rettungsboote zerstört wurden, kaum daß sie in Betrieb genommen worden waren. (...) Durch Kombination verschiedener Systeme waren die Funker des Schiffes schließlich in der Lage, einen kurzen Notruf abzusetzen, der von der im Mittelmeer anwesenden 6. Flotte der Vereinigten Staaten empfangen und bestätigt wurde. Nach dem Empfang dieser Nachricht starteten die Flugzeugträger USS Saratoga und USS America jeweils Flugzeuge, um der USS Liberty zu Hilfe zu kommen. Die erwähnten angreifenden Flugzeuge wurde für feindlich erklärt und die Rettungsmaschinen wurden autorisiert, sie bei ihrer Ankunft zu zerstören. Die die Zerstörung der Angreifer autorisierenden Einsatzbedingungen wurden den Rettungsflugzeugen unverschlüsselt übermittelt. Kurz nach der Übertragung der Einsatzbedingungen der 6. Flotte an die gestarteten Flugzeuge brachen die israelischen Torpedoboote plötzlich ihren Angriff ab und übermittelten Nachrichten, ob die USS Liberty Hilfe benötige."

Nun, fest steht wohl, daß die Liberty während der Sechstagekrise genauso wenig gelitten war, wie die Alster während der derzeit schwelenden Nahostkrise. Warum könnte irgendjemand etwas gegen die Alster haben? Weil sie in der Lage ist, Israel bei seiner Kriegführung in die Karten zu gucken? Oder gar, weil sie den deutschen bzw. UNO-Flottenverband vor einer Provokation  warnen,  schützen und Beweise sichern könnte?

Die USS Maine beim Einlaufen in den Hafen von Havanna...

Vor etwa 108 Jahren, 1898,  wurde schon einmal ein Schiff in ein Krisengebiet geschickt, und auch das machte irgendwie keinen Sinn, weil sich die Krise ebenfalls an Land abspielte, während das Schlachtschiff gelangweilt im Hafen herumdümpelte. Die Matrosen hatten sogar striktes Landverbot. Was, um alles in der Welt, sollte das Schiff da?  Es lag da eine Woche, zwei, sogar drei. Nichts passierte - naja: fast nichts. Denn gegen Ende der dritten Woche flog das Schiff mit einem Riesenknall in die Luft, 266 Seeleute starben.Stellen Sie sich mal einen Moment vor, das würde einem der deutschen Schiffe passieren, und auf die Rakete oder den Torpedo hätte irgendjemand in großen Lettern IRAN oder SYRIEN draufgeschrieben. Oder HISBOLLAH, powered by IRAN.  Was würde dann wohl passieren? Keine Frage: Deutschland bzw. Europa wären sofort in die geplanten Kriege gegen Syrien und den Iran verstrickt. Noch "besser": Da es ich um eine UNO-Mission handelt, hinge gleich die ganze "Weltgemeinschaft" mit drin - ein Weltkrieg also.  Ist das die eigentliche Rolle, die die deutschen und europäischen Schiffe spielen sollen?

In unserem historischen Beispiel war die Explosion eine "tolle Sache", denn nun hatten die Entsender des Schlachtschiffes endlich einen Grund für ihren langersehnten Krieg gegen die Kolonialmacht auf der Insel. Sie beschuldigten die feindliche Kolonalmacht, das Schlachtschiff gesprengt zu haben und erklärten ihr etwa zwei Monate später den Krieg. Nocheinmal vier Monate später besetzten sie ihrerseits die Insel und wurden anschließend selbst faktische Kolonialmacht.

So jagten die USA Ende des 19. Jahrhunderts Spanien Kuba ab. Neuere Forschungsergebnisse legen nahe, daß die USA das Schiff namens Maine in dem kubanischen Hafen selbst gesprengt hatten, um einen Vorwand für den Krieg zu bekommen. Darauf deutet jedenfalls hin, daß die Maine nicht, wie behauptet, durch irgendwelche Minen, sondern durch eine Explosion im Inneren versenkt wurde. Diese Explosion kam den USA jedenfalls wie gerufen, konnten sie doch nun Spanien dafür verantwortlich machen. In den Vereinigten Staaten wurde eine nationale Hysterie  entfacht, die zwei Monate später unter dem Schlachtruf "Remember the Maine, to hell with Spain" in der Kriegserklärung  an Spanien gipfelte.

 

...und drei Wochen später (Gemälde)

 

Und wenn ich mir die sinnlos vor der Küste des Libanon herumdümpelnde Bundesmarine so ansehe, dann kommt er mir immer in den Sinn, dieser Spruch: "Remember the Maine!" Es kann nur eine Konsequenz geben: Den sofortigen Abzug der deutschen Kräfte. Der verfassungswidrige Einsatz und die offensichtlichen Gefahren für die Bundeswehrbesatzungen aber auch für das ganze Land und jeden einzelnen von uns sollten für sich genommen schon reichen, um die Regierung Merkel in die Wüste zu schicken. Aber nicht nur sie, sondern auch eine inkompetente Militärführung, die sich diesem verfassungswidrigen, illlegalen und unverantwortlichen Einsatz nicht widersetzt hat. Sie hat damit jede Führungsautorität verspielt. Was aber, wenn es wirklich zu Verlusten an Menschenleben und in einem zweiten Schritt zur Einbeziehung in den Neocon-Krieg gegen Syrien und den Iran kommt? Dann hätten Merkel und ihre Offiziere ein schweres Verbrechen an Deutschland begangen.