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Bushs Mädel bei Beckmann PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Gerhard Wisnewski   
Thursday, 21. December 2006

Politik
Merkel bei Beckmann (Bericht auf ARD-Website)
Von Gerhard Wisnewski


Nur der Ordnung halber, damit wirs nicht vergessen: Haben Sie den Auftritt von Angela Merkel bei Beckmann gesehen (Angela Merkel ist die deutsche Bundeskanzlerin)? Ich weiß, ich bin spät dran, denn der war schon am 11. Dezember, also vor gut einer Woche. Trotzdem will ich darüber noch etwas schreiben, denn ich glaube, Sie haben das Wichtigste überhört. Und nicht nur Sie, sondern die gesamte deutsche Presse - während ich wiederum dachte, nicht richtig gehört zu haben. Doch der Reihe nach:
Zunächst erfährt man nicht viel,  weder über Politik noch über persönliche Dinge.  Wie war kürzlich die Aufführung von Verdis Aida in der Mailänder Scala? Natürlich "wunderbar". Die Inszenierung hat ihr "sehr gut gefallen". Die Stimmen waren "ok", die Stimmung "wunderbar". Aha. Und worum ging es in der Oper? "Wie so oft geht es um Frauen und um Liebe." Gut geraten, aber ein bißchen mager. Aber das ist doch eigentlich eine politische Oper, hakt Beckmann deshalb nach. Genau: Nämlich eine Oper um Kriege, Intrigen und Unterwerfung. "Jede Oper hat auch ein bißchen Politik", wolkt Merkel herum: "Aber ich gehe nicht vorrangig wegen der Politik in die Oper, sondern um mich an den Stimmen zu erfreuen." Sehr brav. Immerhin soviel: Die Oper spiele in einer Region, nämlich in Ägypten, "in der wir uns im Augenblick gedanklich häufig aufhalten."

Merkel bei Beckmann (Bericht auf ARD-Website)
Ja, ja - wo wir uns zur Zeit nicht so überall aufhalten. Und zwar nicht nur gedanklich. Deutschland wird eigentlich überall und nirgends verteidigt, mit der Tendenz zu überall. Ein deutscher Flottenverband dümpelt beispielsweise gar nicht so weit von Ägypten entfernt vor der Küste des Libanon herum, angeblich um Waffenschmuggel an die Hisbollah zu verhindern, in Wirklichkeit, um auf irgendetwas zu warten, auf was, weiß eigentlich niemand so genau. Schon gar nicht die Kanzlerin, jedenfalls nicht offiziell. Vielmehr zündet sie eine Nebelkerze der Harmlosigkeit nach der anderen an. Es ist schließlich Weihnachten.  Das Regieren zum Beispiel mache "Spaß".  Nein, halt: "Freude." Über die Erfolge ist sie "erfreut", aber auch "sehr nüchtern". Natürlich.

Bloß nichts rauslassen. Vor allem nichts Politisches. 
Eine Kanzlerin als graue Maus oder als Stealth-Bomber der Politik, der sich mit einer Tarnkappe der Harmlosigkeit und Beliebigkeit im geistigen Tiefflug durch die Sendung bewegt. Was die Frage aufwirft: Was will die Frau? Und: Was weiß die Frau? Oder besser noch: Was MEINT die Frau? Können wir einer Kanzlerin, die soviele Nebelkerzen wirft, überhaupt trauen? Was hat sie zu verbergen?

Daß Beckmann schließlich zum schweren Werkzeug griff, war da nur angebracht: "Die Irakpolitik von George W. Bush ist gescheitert, widersprechen Sie mir da?".  Nicht doch: Sie widerspricht niemandem, Herrn Beckmann nicht und Herrn Bush schon gar nicht. Und genau das war ja das Problem: Ihre bedingungslose Liebedienerei gegenüber dem US-Präsidenten. Im Irak gescheitert? Nein, nein: Gefragt ist "eine realistische Betrachtung der Schwierigkeiten", man müsse "vorankommen".  Die Baker-Kommission fordere den stufenweisen Abzug der US-Truppen, fragt der an diesem Abend fast tadellose Beckmann: "Teilen Sie diese Einschätzung?"

Teilen? Nicht doch: Sie widerspricht nicht nur nicht, sie teilt auch nicht, schon gar nicht Meinungen. Jedenfalls nicht, wenn es nicht die Meinungen des US-Präsidenten sind.  Und diese teilt sie nicht einfach, sondern saugt sie auf wie ein Schwamm. Das "allein" - also der Abzug -  werde die Lage noch nicht verbessern, meint die Kanzlerin. Man müsse alles mögliche tun, und auch das Gegenteil. Naja: Ganz so hat sie es nicht gesagt, aber so ungefähr. Den "Diplomatieauftrag" der Baker-Kommission in Richtung Iran und Syrien findet Beckmann sodann erwähnenswert. Nun, es gebe ja nicht nur einen Diplomatieauftrag in dieser Richtung, meint die Kanzlerin, aber mit diesen Ländern sei es "am kompliziertesten".

Genau, und zwar weil ihr Freund George W. Bush das Verhältnis zu diesen Ländern vollständig vor die Wand gefahren hat. Ob sie mit den USA zu lange solidarisch gewesen sei, will Beckmann wissen. Nein, das Problem sei gewesen, daß Europa keine gemeinsame Haltung gehabt habe, meint Merkel - daß also nicht alle europäischen Staaten den Weg in George W. Bushs Allerwertesten angetreten haben - so wie sie. Das Irakdebakel war und ist also nicht das Problem, sondern die Spaltung Europas. Was "wir als Europäer" daraus gelernt haben, sei, "daß wir es dazu nicht wieder kommen lassen wollen". Soll heißen: Das nächste Mal sollen die Europäer gefälligst geschlossen hinter den Raubzügen der Vereinigten Staaten stehen. Die Lehre für die EU bestünde darin, "daß man gemeinsam handeln sollte." Gemeinsam mit den Amerikanern, natürlich.

"Aber es gibt doch eine menschliche Seite, Frau Merkel", beleuchtet Beckmann das ganze moralische und politische Elend dieser Kanzlerin: "Was da passiert im Irakkrieg, mit diesen vielen zivilen Toten, neben den 3.000 toten amerikanischen Soldaten, da kann doch kein vernünftiger Mensch sagen, daß das ein Auftrag war, der in Ordnung ist. Diese Mission ist fehlgeschlagen, in jeder Hinsicht."


Sehr schön. Und jetzt? Irgendein Wort des Bedauerns für die zivilen Opfer, das ganze herzzerreißende Elend, das ihr amerikanischer Freund über den Irak gebracht hat? Nicht doch: Saddam Hussein ist "weg", die Schwierigkeiten "sind groß", und wir alle haben jetzt die Aufgabe, "aus dieser Situation, wie sie im Irak ist, eine positive Entwicklung zu machen."
Interpretiert man Merkel richtig, wurde diese Situation nicht durch irgendwen verursacht, sondern fiel praktisch vom Himmel.

Beckmann: "Es springt Ihnen doch kein Zacken aus der Krone, wenn Sie sagen: was da gelaufen ist, ist ein Verbrechen an der Menschlichkeit."

Und ob - da fallen Merkel sehr wohl Zacken aus der Krone, und zwar alle: "Nein, das sage ich aber nicht", bockt die Kanzlerin. Womit Frau Merkel dankenswerter Weise erstens ganz klar machte, daß sie inzwischen Karriere gemacht hat - von Kohls Mädel zu Bushs Mädel für alles.  Und zweitens, wes Geistes Kind sie eigentlich ist.

Stattdessen sagt sie, "daß erstmal ein Diktator weg ist und daß trotzdem erstmal sehr viele neue Schwierigkeiten aufgetreten sind". Genau - nämlich die, daß es nun einen viel schlimmeren Diktator auf dem Globus gibt, und zwar George W. Bush.

"Früher haben Sie das kategorische Nein von Gerhard Schröder kritisiert - wie sehen Sie das heute?", arbeitet Beckmann weiter.

"Ich habe das kategorische Nein zu dem Zeitpunkt kritisiert, ja, weil es ein Beitrag dazu war, daß Europa nicht einheitlich aufgetreten ist."

Das heißt also: Hauptsache Geschlossenheit, egal bei welcher Schweinerei. Lieber vereint fremde Länder überfallen und Zivilisten abmurksen, statt über den Kurs verschiedene Meinungen vertreten. Lieber vereint Kriegsverbrechen begehen und gegen das Völkerrecht verstoßen, als über genau diese Verbrechen zu diskutieren.

Schlimm genug - ein weiterer Beweis für Merkels Untragbarkeit als Bundeskanzlerin. Das war aber nur die Vorspeise, denn nun ging es erst richtig los:

"Und heute sehe ich das so, daß wir im nächsten Konflikt, also im Konflikt mit dem Iran, alles daran setzen müssen, Europa und möglichst Rußland und China mit den Amerikanern auch zusammenzuhalten. Und das ist bis jetzt gelungen, und das hat uns im letzten Jahr, den Bundesaußenminister und mich, ziemlich viel
Zeit und Kraft gekostet, und daß es gelungen ist, finde ich richtig und wichtig."

Alles klar?

Punkt 1: Der nächste Konflikt, also Krieg, ist der mit dem Iran. Denn der letzte Konflikt, der mit dem Irak, war ebenfalls ein Krieg. Und den kann sie nicht ablehnen, weil sie ja sonst auch den "nächsten Konflikt" ablehnen müßte. Denn die ganze Sache soll haargenauso noch einmal durchgezogen werden.

Punkt 2: Merkel wird alles daran setzen, im Krieg mit dem Iran nicht nur Europa, sondern auch Rußland und China auf eine Linie mit den USA zu bringen.

Punkt 3: Die Bundeskanzlerin und der Außenminister der Bundesrepublik haben einen großen Teil ihrer Kraft darauf verwendet, ein fremdes Land im Dienste der USA zu nötigen und vielleicht sogar, einen Angriffskrieg vorzubereiten - diesmal aber mit einer geschlossenen Front.

Vielleicht wissen wir jetzt auch, worauf die deutsche Flotte vor dem Libanon wirklich wartet. Damit kann man Beckmanns Sendung fast historisch nennen. Leider hat der bis dahin äußerst eloquente Talkmaster diesen Punkt glatt verschafen. Das ist aber auch kein Wunder. Fast erscheint das, was die Kanzlerin da sagt, zu ungeheuerlich um wahr zu sein. Der nächste Krieg steht also schon fest, und Merkel soll dabei die Zuchtmeisterin der Amerikaner spielen, die den Laden auf Linie bringt. Für sterbende Frauen, Kinder und männliche Zivilisten interessiert sie sich den berühmten feuchten Kehricht. Sie sind ihr nicht mal eine Floskel des Bedauerns wert. Und glauben Sie ernsthaft, daß sich die Frau um deutsche Zivilisten schert, egal, ob ihnen nun Arbeitslosigkeit, Hartz IV oder eine schlechte Gesundheitsversorgung drohen? Natürlich nicht.

Daß Spiegel Online hinterher über "das aalglatte Medienverhalten eines Frontkopfes"  schimpfte, war da nur recht und billig. Doch leider meinte das Online-Magazin damit nicht etwa Merkel, sondern den "vor politischem Unverständnis triefenden"  und "unbeholfenen" Beckmann. Verkehrte Welt: Merkel sei "diejenige, die das Gespräch am Montagabend nach den ersten, grauenhaft belanglosen 15 Minuten etwas konkretisiert, quasi moderiert" habe, lobt Spiegel Online. Konkretisiert? Merkel? "Etwas energischer wirkt Beckmann nur, wenn es um sein Lieblingsthema Sport geht". Sport? Und was ist mit Beckmanns Fragen zum Irak-Krieg? Nur eine "schlechte Vorlage" und "Kinderkram".

Soso. Damit sagte die Sendung nicht nur viel über die Bundeskanzlerin, sondern auch über die wichtigsten Medien der Republik
aus, die verzweifelt versuchten, die entlarvende Wirklichkeit umzufrisieren: "Enthüllungsplauderer", "vorlauter Schuljunge", "aufgekratzter Konfirmand" schimpfte zum Beispiel auch die Website der Süddeutschen Zeitung auf Beckmann und jubelte: "Schüssellochspezialist Beckmann musste draußen bleiben."

Sehr schön. Aber welcher Planet?



http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/486/94392/
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,453911,00.html