Von Dirk Gerhardt
Nun ist
sie also gelaufen, die vierte Wahl der Ära Bush. In beiden Häusern
konnten sich die Demokraten durchsetzen. Ein guter Tag für „checks and
balances“, wie es scheint - muss doch die Politik der Bush-Regierung
jetzt wieder mit der Demokratischen Partei abgestimmt werden.
Ein Tag
der Freude - nicht nur, weil die Demokraten beide Häuser gewonnen
haben, sondern weil die Integrität der US-Wahl wieder deutlich
verbessert werden konnte.
Wahl 2000: Präsident Gore
Nur zur
Erinnerung: Dass Al Gore die Wahl zum US-Präsidenten 2000 gewonnen hat,
ist mehr als nur ein Gerücht. Jeder erinnert sich sicher noch an das
Wahl-Debakel in Florida, dem Schlüsselstaat für die
Präsidentschaftswahl 2000.
Beide
Kandidaten lagen beinahe gleichauf, wobei G.W. Bush je nach
Zählvariante mit wenigen hundert bis einigen tausend Stimmen führte.
Amtlich am Ende mit 537 Stimmen.
Den sog. Exit Polls, den Wählerbefragungen beim Verlassen der Wahllokale, widersprach das, dort wurde Gore vorne gesehen.
Trotz
zahlreicher Indizien für Wahlmanipulationen wurde statt seiner noch in
der Nacht Bush bei Fox News von einem seiner Cousins zum Sieger
erklärt. Eine amtliche Nachzählung wurde dank Florida-Gouverneur Jeb
Bush, seinem Bruder, und Katherine Harris, einer Freundin der
Bush-Familie und Staatssekretärin in Florida, verhindert und
schließlich auch vom obersten Gerichtshof endgültig gestoppt. Später
kam heraus, dass die bei uns wenig beachteten Proteste von „Wählern“ in
Miami-Dade gegen die „verbitterten Demokraten“ und ihre
Nachzählungswünsche ein inszenierter und bezahlter Republikaner-Stunt
waren. Und noch viel später kam heraus, dass Al Gore der eigentliche
Gewinner in Florida gewesen war.
Da haben Sie noch nie etwas von gehört?
Es stimmt
aber trotzdem. Wenn alle Stimmen nachgezählt worden wären, egal nach
welchem Standard, hätte Gore die Wahl gewonnen gehabt. Ein Konsortium
verschiedener US-Medien hat die Nachzählung der Florida-Stimmen
ausgeführt und überwacht und seine Ergebnisse nach vielen Verzögerungen
im November 2001 veröffentlicht.
Oh, und
die amerikanische Presse hat darüber berichtet. Die New York Times und
die Washington Post beispielsweise: In langen Aufsätzen im hinteren
Politik-Teil unter irreführenden Überschriften. Wen das Volk wirklich
zum US-Präsidenten gewählt hatte, erfuhren die Leser sozusagen nur im
Kleingedruckten. Warum? Nun, nach dem 11.9.2001 waren die USA im Krieg.
Als letztes hätte man eine „überflüssige“ Debatte darüber benötigt, ob
der Präsident überhaupt Präsident war oder bloß ein aufgeblasener
Putschist. Die getürkten Wahlen und die geklaute Präsidentschaft
könnten ein weiteres Motiv gewesen sein, die Anschläge vom 11.9.2001
geschehen zu lassen bzw. zu inszenieren. Spätestens damit wurde jede
Diskussion über die Wahlen abgewürgt. Nach dem Motto: Die beste Flucht
ist immer noch die nach vorne.
Wahl 2004: Präsident John F. Kerry
Was
Wahlfälschung, Wählereinschüchterung und Manipulationen angeht, waren
die Präsidentschafts-Wahlen 2004 noch eine Steigerung. Einmal mehr
waren die „Exit Polls“ ein überdeutlichstes Anzeichen für Wahlbetrug -
nach dem Motto: "One man, one fraud". Nach diesen (zuverlässigen)
Befragungen der Wähler am Ausgang des Wahllokals hätte der Präsident
John F. Kerry heißen müssen.
Fragt sich nur: Wenn die Republikaner zwei Präsidentschaftswahlen geklaut haben, warum nicht auch die Kongreßwahlen 2006?
Man kann
davon ausgehen, daß es versucht wurde - so siegesgewiss wie Rove und
Bush trotz des überall spürbaren, bevorstehenden Desasters waren. So
siegesgewiss, wie schon am Wahlabend 2000 über den Sieg in Florida oder
am Wahlabend 2004 über den Sieg in dem wichtigen Staat Ohio.
Doch
dieses Mal haben alle möglichen Fälschungen nicht ausgereicht –
wahrscheinlich, weil die US-Bürger durch die letzten Wahldebakel
vorgewarnt waren. Hunderttausende verbrachten die Nacht vor dem
Fernseher und Computer, um jedes kleinste Anzeichen für Wahlbetrug
aufzudecken. Die hohe Wahlbeteiligung spricht ebenfalls für eine hohe
Aufmerksamkeit und Motivation der Wähler. Dutzende von
Bürgerrechtsbewegungen, die allesamt versuchten, die Wahl transparenter
zu machen und den Wählern bei der Wahl zu helfen, taten ein Übriges.
So
stimmten dieses Mal auch die „Exit Polls“ in allen Bundesstaaten mit
den amtlichen Ergebnissen überein. Ich habe es stichprobenartig geprüft
und keine Abweichungen außerhalb der normalen Fehlerquoten gefunden.
Man könnte nun sagen, endlich hätten die Prognoseinstitute ihre Arbeit
richtig gemacht - nachdem sie bei den Präsidentschaftswahlen USA 2000
und 2004 eben einfach falsch gelegen hätten. Aber vermutlich ist es
doch eher die dank der Abertausenden von Beobachtern, Helfern und
Anwälten verbesserte Integrität der Wahlen und letztlich auch das
mediale Interesse, das durch die vielen Unregelmäßigkeiten in den
Vorwahlen geschärft worden war, das dazu führte, dass man dieses Jahr
keinen großangelegten Betrug begehen konnte.
Der Wahltag 2006 war der Beginn der Wiederherstellung der Integrität der US-Wahlen. Mehr aber auch nicht.
Unübersichtliche
und unverständliche Wahlvorschriften, keine Trennung von
Partei-Wahlkampfhelfern und amtlichen Wahlüberwachern, Wahlcomputer
ohne Papierausdruck sowie parteiische Wahlmaschinenhersteller sind
Probleme, die bleiben.
Genauso
wie die Fragen nach dem Einfluss von Geld und Lobby-Gruppen wie AIPAC
(American Israel Public Affairs Committee; d. Red.) und PNAC (Project
for A New American Century; d. Red.) auf politische Entscheidungen.
Spötter behaupten ja, es gäbe nur eine einzige US-Partei mit zwei
Flügeln. Dass das nicht ganz der Wirklichkeit entspricht, zeigen die
verzweifelten und fortgesetzten Manipulationsversuche der Bushisten.