Presseerklärung
Die aus Anlaß der 15. Internationalen
Buchmesse in Havanna in Kuba anwesenden Vertreter deutscher Kultur und
Politik verurteilen aufs Schärfste die "Entschließung des
Europaparlaments zur Haltung der EU gegenüber der kubanischen
Regierung", vom 2. Februar 2006, in der die kubanische Regierung in
anmaßendem Stil und arroganter Rhetorik aufgefordert wird, eine Reihe
von Bedingungen zu erfüllen, die nach Ansicht der honorablen Mitglieder
des Europäischen Parlaments notwendig sind, um die kubanische
Demokratie und die Einhaltung der Menschenrechte voranzutreiben.
Dieser
Anspruch ist absurd, denn Kuba ebenso wie Venezuela und Bolivien sind
Teil eines allgemeinen Demokratisierungs- und Entwicklungsprozesses in
Lateinamerika, der durch diesen Entschluß des Europaparlaments gezielt
attackiert wird.
Dieser Entschluß wurde verabschiedet
in einer Situation absoluter Missachtung der grundlegenden Elemente des
Völkerrechtes und der internationalen Ethik von Seiten der Regierungen
der Europäischen Union, die:
1. aktive Komplicen in der Logistik
und der Operativität des von den USA geführten internationalen
Staatsterrorismus-Netzwerks sind.
2. aktive Komplicen sind in der Vorbereitung eines Nuklearkrieges gegen
den Iran.
3. eine völlige Missachtung des Willens der Weltregierungen
demonstrieren, indem sie die Verurteilung der kriminellen US-Politik gegenüber Kuba in der
Vollversammlung der Vereinten Nationen de facto negieren.
4. die demokratischen Wahlen in
Palästina, die von der Bewegung Hamas in legitimer und legaler Weise
gewonnen wurden, mit der Androhung ökonomischer Strangulierung durch
Einstellung der Wirtschaftshilfe in offener Missachtung des
Völkerrechts sanktionieren.
5. in verleumderischer und unmoralischer Weise den Weg für die US-Regierung
vorbereiten, die demokratischen Regierungen Venezuelas und Boliviens und des sozialistischen Kubas zu zerstören.
Die doppelte Moral und die offene
Bereitschaft zu lügen all jener, die für diese Entschließung votierten,
erinnert uns an die dunkelsten Tage des deutschen Parlamentarismus: die
Bewilligung der Kriegskredite 1914 im deutschen Reichstag und das
Ermächtigungsgesetz 1933 in der gleichen Institution.
Wir sind besonders betroffen von der
Tatsache, dass von den deutschen Abgeordneten der Linkspartei.PDS
lediglich Sahra Wagenknecht den Mut und die moralische Ehrlichkeit
besaß, gegen diese infame Entschließung zu stimmen.
Wir fordern alle demokratischen und
friedliebenden Menschen in der Linkspartei und in der Bundesrepublik
Deutschland und europaweit auf, den kriegstreiberischen Kräften des
Europäischen Parlaments und seiner Regierungen entgegenzutreten und das
Recht auf friedliche Entwicklung aller Menschen in der Weltgesellschaft
zu garantieren.
Diese Parlamentarier repräsentieren
uns nicht, und sie sprechen nicht in unserem Namen. Sie sprechen im
Namen des Großkapitals und der Bush-Regierung.
Havanna, 7. Februar 2006
junge Welt
Cuba Sí
Büro Buchmesse Havanna
Ulla Jelpke, MdB
Prof. Dr. Heinz Dieterich
Kai Homilius, Verleger
Ingo Niebel, Historiker und Journalist