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| Staatsterrorist Robespierre (1758-1794) |
Terrorismus ist eine Sache von
finsteren, zerzausten Dunkelmännern, die in irgendwelchen Kellern
Bomben basteln, um den Staat und seine Bürger zu bedrohen, wird uns
gerne weis gemacht. Falsch. Am Anfang des Terrors stand niemand anderer
als der Staat. Und daran hat sich bis heute wenig geändert. 30 Jahre
nach dem deutschen Terrorherbst von 1977 hält mein neues Buch
"Verschlußsache Terror" diese und noch weitere Überraschungen bereit.
Leseprobe:
"Um die Machtausübung zu bewahren, ist es
notwendig, sich zu gewissen Zeiten des Terrors zu bedienen", befand
schon der berühmte Staatsphilosoph Niccolo Machiavelli im 16.
Jahrhundert. Und dessen Werke sind es denn auch, die bei Politikern und
"Sicherheitsexperten" überall auf der Welt im Schrank stehen, und nicht
etwa das Grundgesetz oder andere Verfassungen.
Die
Idee, mit Hilfe des Terrors zu regieren, ist also keineswegs neu. Ein
weiterer, glühender Anhänger dieser Vorstellung war der französische
Revolutionär und Führer Maximilien de Robespierre, der ein regelrechtes
Régime de la Terreur errichtete. Mit dieser – übersetzt –
"Schreckensherrschaft" sicherte sich der revolutionäre Staat seine
soeben errungene Herrschaft über die Bevölkerung. Robespierres "Klub
der Jakobiner" (nach dem ersten Tagungsort, dem Dominikanerkloster
Saint-Jaques) regierte mit Hilfe von Einschüchterung, Verurteilung und
Hinrichtung seiner wirklichen oder vermeintlichen Feinde.
Bemerkenswert: Jakobiner-Chef Robespierre war der Ansicht, der
Terrorismus stehe in einem engen Zusammenhang mit dem Streben nach
Demokratie und einer besseren Gesellschaft.
Das heißt also:
- Terrorismus
war in der Geschichte der Neuzeit zunächst kein Instrument finsterer
Dunkelmänner und Rebellen, sondern ein Instrument des Staates. Am
Anfang des Terrorismus in der Geschichte der Neuzeit stand also der
Staatsterrorismus.
- Terrorismus
beschreibt zunächst keine physische, sondern eine psychologische
Methode. Im Französischen steht das Wort terreur für »Angst« und
»Schrecken«.
Wenn
hier von Staatsterrorismus die Rede ist, sollte niemand gleich die Nase
rümpfen. Denn an der Wiege des organisierten Terrors stand niemand
anderer als der Staat, in diesem Fall der jakobinische.
Der
Terrorismus war demnach zunächst ein Regierungsinstrument. Er wurde
benutzt, um eine ganze Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen
und in eine bestimmte Richtung zu manipulieren: nämlich zum angstvollen
Gehorsam gegenüber der Regierung. In der Schreckensherrschaft der
Jakobiner sah Robespierre nicht nur eine politische Notwendigkeit, um
die extremen politischen Ziele, sondern auch, um die moralischen und
sozialen Ziele der Revolution durchzusetzen. Dabei verstieg er sich zu
Sätzen wie diesem: »Terror ist nichts anderes als Justiz, prompt,
scharf und unbeugsam. Er ist daher ein Ausdruck der Tugend!«
Kaum
zu glauben. Es kommt aber noch besser: Ausgerechnet der oberste
Terrorist bewirkte am 10. Juni 1794 den Erlaß eines neuen »Gesetzes zur
Vereinfachung der Strafprozeßordnung«. Genau wie heute wurden schon im
jakobinischen Frankreich mit »Terror-« oder »Antiterrorgesetzen« die
Rechte von Bürgern und Angeklagten eingeschränkt. Mit besagtem Gesetz
wurden sowohl die Voruntersuchungen als auch die Verteidigung von
Angeklagten vor dem Revolutionstribunal abgeschafft und als Urteil nur
Freispruch oder Hinrichtung zugelassen. Und genau wie heute konnten
auch schon damals die selbsternannten Terrorbekämpfer, die im Falle
Robespierres die eigentlichen Terroristen waren, von solchen neuen
»Terrorgesetzen« den Hals gar nicht voll genug bekommen.
Spätere
Beispiele für Terror-Regime sind der Stalinismus und das Dritte Reich.
Genau wie Robespierre ließ der sowjetische Diktator Josef Stalin (in
wechselnden und kumulierenden Ämtern an der Macht von 1927 bis 1953)
Menschen auf einen bloßen Verdacht oder eine Denunziation hin
hinrichten. Mögen Robespierres Opfer in die Zehntausende gegangen sein,
gingen die Stalins in die Millionen. Interessant daran ist, daß Stalin
seine Karriere als Bankräuber, Terrorist und mutmaßlicher Agent der
Geheimpolizei begann, die später sein wichtigstes Regierungsinstrument
werden sollte. Rebell, Terrorist, Krimineller - diese Attribute könnten
auch auf Adolf Hitler zutreffen, der sein "Régime de la Terreur"
endgültig 1933 errichtete. Die Schreckensherrschaft gründete sich auf
Vandalismus ebenso wie auf Verhaftungen, Folterungen und Todesurteile.
Wesentliches Element der Schreckensherrschaft war der sogenannte
Volksgerichtshof, der vermeintliche oder wirkliche "Volksfeinde"
öffentlichkeitswirksam zum Tode verurteilte.

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| Das große Problem jeder Aktion ist die Reaktion bzw. der Rückstoß. |
Der große Nachteil der Angst als Herrschaftsinstrument sind jedoch die
sogenannten "Rückstöße": Das Gerücht über ein weiteres Terrorgesetz
führte am 27. Juli 1794 zum Sturz und am darauffolgenden Tag zur
Hinrichtung Robespierres. Adolf Hitler wurde zum Ziel von mindestens 39
Attentatsversuchen, wobei der Anschlag vom 20. Juli 1944 nur der
prominenteste war. Wieviele Attentatsversuche Stalin überlebte, wissen
wir nicht, Berichten zufolge ist er aber – anders als sein zeitweiliger
Verbündeter und späterer Todfeind Hitler – schließlich einem Anschlag
zum Opfer gefallen. (…)
Der
Terrorismus hatte also noch einen gewissen Schönheitsfehler, auch für
den Staat, und dieser Schönheitsfehler bestand in den Mechanismen von
Aktion und Reaktion. Zwar erzeugte der Terror Angst und Schrecken, er
erzeugte aber auch Haß gegen den Verursacher. Das bedeutet, daß
Terrorismus aus Sicht der Drahtzieher, egal, ob es sich bei ihnen nun
um Regierungen, Geheimdienste, Rebellen oder sonstige Terroristen
handelt, eine erwünschte und eine unerwünschte Reaktion auslöst.
Während Angst und Schrecken den Feind (oder die Bevölkerung, was für
manche Regierungen ein- und dasselbe ist) im Zaum halten, wird der
aufgestaute Haß bei nächster Gelegenheit auf die Verursacher selbst
zurückschlagen. Im Prinzip ist das wie bei einer Schußwaffe: Auch da
gibt es nicht nur den Schuß, sondern auch einen Rückstoß. Und dieser
Rückstoß kann den Schützen auch umwerfen.
Die
wichtigste "Innovation" bestand deshalb darin, den Terrorismus in seine
erwünschten und unerwünschten Wirkungen aufzuspalten und damit zu
"modernisieren". Nach der Nutzung des Terrors zu Regierungszwecken war
dies die zweite revolutionäre Erfindung: Nicht nur Angst und Schrecken,
sondern auch der aus den Anschlägen resultierende Haß, also der
Rückstoß, sollten für die Verursacher nutzbar werden. Erreicht werden
konnte das nur, wenn sowohl Aktion als auch Reaktion ungehindert auf
die Zielgruppen durchschlagen würden. Jawohl: die Zielgruppen. Ein
professionell organisierter Terrorakt hat heutzutage nicht eine,
sondern zwei Zielgruppen: eine primäre und eine sekundäre Zielgruppe.
Die
primäre Zielgruppe ist jene, auf die das Attentat offensichtlich
gerichtet ist. Die sekundäre Zielgruppe ist die, die den Rückstoß
abbekommt. Nehmen wir als Beispiel den Reichstagsbrand vom 27. Februar
1933 (obwohl er nicht ganz meiner Definition von Terrorismus
entspricht, da er aufgrund des elitären Schauplatzes und der fehlenden
Todesopfer nicht allgemeinen Schrecken verbreitete). Die primäre,
offensichtliche Zielgruppe waren die Abgeordneten des Reichstages,
deren Institution – das Parlament – ausgeschaltet werden sollte. Da als
Täter aber ein angeblicher Kommunist festgenommen wurde, waren die
sekundäre Zielgruppe die Kommunisten. Zielgruppe und nicht Tätergruppe
deswegen, weil der angebliche kommunistische Brandstifter, Marinus van
der Lubbe, nur einen Sündenbock darstellte. Der Mann, der sich vor
Gericht als ähnlich verwirrt erwies wie viel später der Sündenbock des
11. September 2001, Zacarias Moussaoui, wäre zum Beispiel nicht in der
Lage gewesen, allein die fünfzehn bis zwanzig entdeckten Brandherde im
Reichstag zu entfachen - von anderen Widersprüchen einmal ganz
abgesehen. In Wirklichkeit werden deshalb von der seriösen Forschung
auch die Nationalsozialisten als Drahtzieher des Brandanschlages
angesehen. Mit van der Lubbes (vermutlich unfreiwilliger) Hilfe gelang
es ihnen, das Staatsruder herumzureißen, den Staat mit Hilfe eines
Notstandsgesetzes zu regieren und die Kommunisten zu verfolgen. An
diesem Beispiel wird deutlich, daß es sich bei Terrorismus tatsächlich
um ein Steuerungsinstrument handelt.
(…)
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| Deckt Hintergründe und Mechanismen des Terrors auf: Verschlußsache Terror. |
Und wie kann nun ein Terroranschlag so genial zerlegt werden, daß
Aktion und Reaktion auf zwei Zielgruppen gelenkt werden können? Ganz
einfach: Indem man den Absender fälscht. Damit wird die Energie des
Rückstoßes erstens von den wirklichen Verursachern abgelenkt und
zweitens auf ein genehmeres Ziel gerichtet. Dies erreicht man durch
eine Fälschung der Urheberschaft des Terrors, sprich: durch falsche
»kriminalistoide« Spuren, Bekennerbriefe und Aussagen, die durch die
Medien verbreitet werden müssen. Mit anderen Worten: Ein authentischer
Terrorismus, der seine Urheberschaft offen und glaubwürdig zu erkennen
gibt, ist eine "Riesendummheit".
Auch
und erst recht für eine oppositionelle Gruppe schickt sich das offene
Attentat im Grunde nicht. Denn da sie sich normalerweise in der
schwächeren Position befindet, kann sie die zu erwartenden
militärischen, polizeilichen und psychologischen Rückstöße noch
schwerer verkraften, als der Staat. Sie wird deshalb alles versuchen,
damit ihre Anschläge exakt jenem Feind zugeschrieben werden, den sie
bekämpfen will, nämlich dem Staat – alles andere wäre heutzutage
gewissermaßen vorsintflutlich. Ihre Kämpfer werden also beispielsweise,
bevor sie einen Angriff verüben, Uniformen des Staates anziehen und
dafür sorgen, daß ihre Leute bei dem Angriff als Staatsbedienstete
identifiziert werden. Geschieht dies nicht, ist dies mindestens
gefährlicher Dilettantismus, wenn nicht sogar Verrat. Ohne solche
Ablenkung Terrorattentate zu begehen, heißt, den Rückstoß voll
herauszufordern, und zwar im Hinblick auf sich selbst, aber auch im
Hinblick auf die Bevölkerungskreise, in denen der Staat die Gruppe
verortet. Das wäre in etwa so, als würde nachts mitten im Krieg ein
Soldat aus der Stellung ausbrechen und ganz offen auf eine überlegene,
feindliche Streitmacht feuern. Die Reaktion würde wohl nicht nur ihn
treffen, sondern auch seine Kameraden, vielleicht sogar die sie
schützende oder mit ihnen sympathisierende Bevölkerung. Das ist zum
Beispiel die »Riesendummheit«, die die RAF begangen hat. Das nenne ich
die Rückstoßfalle. Eine Gruppe, die in dieser Falle sitzt, wird sowohl
militärisch, als auch psychologisch aufgerieben – und ihr
Sympathisantenumfeld gleich mit. Und deshalb waren die Angehörigen der
RAF entweder monströs dumm oder hinterhältig – oder beides.
Bleiben
wir bei dem Beispiel einer Regierung und einer oppositionellen Gruppe:
Die Regierung schlägt sich innerhalb des Staates mit einer unliebsamen
politischen (noch nicht: terroristischen) Gruppe herum, sagen wir: den
Linken. Nun könnte die Regierung ja einfach die betreffende Gruppe
diskriminieren, an die Wand drücken, schließlich einsperren und
foltern. Nicht gut. Diese Beispiele haben wir erlebt, etwa in Chile,
Griechenland oder Argentinien. Dann säße die Regierung in der
Rückstoßfalle. Für jeden Gefolterten würden möglicherweise drei andere
aufstehen, protestieren und mahnen, bis die Regierung durch ihre
eigenen Untaten destabilisiert wird. Zumindest würde ein enormer Haß
gegen die Regierung geschürt, der sich bei nächster Gelegenheit
entladen würde. Viel besser wäre es doch, die Regierung (oder ein
eigene Interessen verfolgender "Staat im Staate") würde im Namen der
Linken Attentate auf die Bevölkerung begehen und einen schönen,
»linken« Bekennerbrief am Tatort hinterlassen. Schon würde die
Bevölkerung die Bekämpfung der Linken fordern, und die Regierung würde
mit neuen Gesetzen und Maßnahmen nur dem Bevölkerungswillen Genüge tun.
Die
Regierung begeht im Namen einer linken Gruppe ein Attentat auf einen
Gewerkschaftsführer, und fertig ist der schönste Konflikt, und zwar
nicht zwischen der Regierung und den Gewerkschaften, auch nicht
zwischen der Regierung und der Linken, sondern exakt zwischen jenen
beiden Feinden, die die Regierung bekämpfen will. Besser geht’s gar
nicht. Die Regierung wird gar nicht als Angreifer erkannt, sondern
»assistiert« in der Auseinandersetzung dann nur noch mit Maßnahmen und
Gesetzen, die sie natürlich schon längst aus eigenem Antrieb
durchsetzen wollte und die schon längst in der Schublade lagen.
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| Die wahre Agenda 2010: Vom Terrorismus zur Tyrannei. |
Sie haben vielleicht schon einmal von der Vorstellung gehört, daß sich
auch Geschichte in dialektischen Prozessen vollzieht, das heißt als
Ergebnis von These und Antithese, oder besser: von Aktion und Reaktion.
Betrachten wir Hitler und das Dritte Reich: Als Reaktion auf sein
Modell vom Tausendjährigen Reich und auf seinen Machtanspruch auf die
halbe Welt (These) formierte sich der Widerstand der Alliierten
(Antithese), der schließlich zum Sieg über Hitler und zu einer neuen
Weltordnung führte (Synthese). Soweit jedenfalls die herrschende
Geschichtsauffassung.
Dasselbe
Spiel vollzieht sich auch vor Gericht. Statt eines klaren
Richterspruchs über die Ansprüche von Kläger (These) und Beklagtem
(Antithese) in Zivilverfahren bevorzugen Richter häufig den Vergleich
(Synthese). Auch in Strafprozessen macht sich das Gericht nur selten
genau den Standpunkt von Staatsanwaltschaft oder Verteidigung zu eigen,
sondern wählt meist einen dritten Weg. Auch da ist Geschichte das
Ergebnis eines dialektischen Prozesses.
Wenn
Geschichte das Ergebnis von Spiel und Gegenspiel ist, dann greift
wirklicher oder »erfolgreicher« Terrorismus in das Spiel dieser Kräfte
ein. Moderner, organisierter Terrorismus versucht, nicht zum Objekt,
sondern zum Subjekt dieser gesetzmäßigen Mechanismen zu werden.
Moderner Terrorismus will also nicht zum Spielball dieser dialektischen
Kräfte werden, sondern vielmehr mit diesen Kräften spielen und sie für
seine Zwecke nutzen. Der moderne Terrorismus versucht sich über diese
Mechanismen zu stellen und sie zu beherrschen, statt von ihnen
beherrscht zu werden. Nun ist die Frage, auf welcher Seite moderner,
organisierter Terrorismus in dieses Kräftespiel eingreift und an
welcher Schraube er dreht: auf der Seite der These oder der Seite der
Antithese? Die Antwort lautet: auf beiden Seiten, wobei aber häufig
keine dieser beiden Seiten genau seinen wirklichen Interessen
entspricht. Die Interessen des modernen Terrorismus werden vielmehr
dort verwirklicht, wo der Konflikt zwischen diesen beiden Seiten in
einen dritten Weg mündet – eben die Synthese. Deshalb wird moderner
Terrorismus auch bestrebt sein, den Konflikt möglichst anzuheizen und
auf die Spitze zu treiben, um eine möglichst deutliche Synthese
»herauszubilden«. Der Unterschied zum spontanen und authentischen
Terrorismus liegt darin, daß diese Art von Terrorismus selten von der
These oder der Antithese, sondern "von der Synthese her" gedacht wird.
Das heißt: Er zäumt das Spiel aus These, Antithese und Synthese von
hinten auf und stellt es auf den Kopf. Er definiert die eigenen Ziele
und berachtet sie als gewünschte und in der Zukunft liegende Synthese
(zum Beispiel den totalitären Globalstaat), dann erst »überlegt« er
sich, welche Thesen und Antithesen notwendig sind, um diese Synthese zu
erzeugen. Wirkliche Geschichtenlenker sind selten Partei, und wer
einseitig Partei ergreift, ist selten ein wirklicher Lenker der
Geschichte. Professionelle Weltenlenker in ihrer Erscheinungsform als
Drahtzieher von Terroranschlägen sind wahre Meister dialektischer
Prozesse, insbesondere verstehen sie es, diese Prozesse anzuschieben
und zu einer gewünschten und vorabberechneten Synthese zu treiben.
These und Antithese sind die zwei »Zielobjekte« eines Anschlages. Die
Synthese ist das gewünschte Ergebnis aus der Sicht des wirklichen
Verursachers. Professionelle Terroristen oder deren Hintermänner wollen
den Feind also nicht unbedingt vordergründig bekämpfen, indem sie
eindeutige Anschläge auf ihn verüben. Manchmal wäre es viel besser, im
Namen des Feindes Anschläge auf die eigene Seite zu begehen. Sie
bleiben im Hintergrund und steuern den sich nach einem Anschlag
entfaltenden dialektischen Prozeß, um eine gewünschte Synthese zu
erreichen. Fortschritt vollzieht sich aus ihrer Sicht nur in
wiederkehrenden Konflikten, die schließlich in gewünschte Ergebnisse
münden. Und wirkliche und erfolgreiche Terrorstrategen würden sich
hüten, allzu offen als identifizierbare Konfliktpartei aufzutreten.
Denn erstens drohen dann die erwähnten Rückstöße (Ausnahme: Man glaubt,
die Rückstöße nicht fürchten zu müssen, weil die Gegenpartei als zu
schwach eingeschätzt wird). Und zweitens erreicht in einem offenen
Konflikt oft weder der eine noch der andere sein Ziel. Vielmehr wird
die »Wahrheit« eher in der Mitte liegen, wie es so schön heißt. Und
dort warten schon wie der Igel im Wettlauf mit dem Hasen die wirklichen
Nutznießer und/oder Drahtzieher des Terrorismus.
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