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Der stumme Zeuge: Besuch bei dem Phaeton-Wrack PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Gerhard Wisnewski   
Sunday, 31. May 2009

gerhard_phaeton_klein2.jpgDonnerstag, 18. Dezember 2008, kurz vor 17 Uhr. In den Städten Kärntens hängt der Weihnachtsschmuck in den Straßen. Während in der Landeshauptstadt Klagenfurt die letzten Käufer über den Weihnachtsmarkt streifen, friere ich mir auf dem Parkplatz eines Baumarktes in einem Gewerbegebiet die Füße ab. Es ist dunkel und nasskalt. Der Asphalt glänzt schwarz. Leichter Schneeregen rieselt vom Himmel. Um 17 Uhr bin ich hier mit einem Herrn K. verabredet. Ich soll auf einen weißen Polo warten. Oder war vielleicht alles nur Einbildung? Oder ein leeres Versprechen?

Gerhard Wisnewski am Wrack des Haider-Phaeton
Foto: Muggenthaler © Wisnewski/Kopp Verlag

Dass ich gleich das seit dem Unfall sorgfältig versteckte Wrack des Haider-Phaetons sehen darf, kann ich immer noch nicht glauben. Kurz vor fünf rufe ich die Handynummer von Herrn K. an. Ja, er sei unterwegs, höre ich ihn durch die Fahrgeräusche seines Autos rufen. Scheint zu klappen - also weiter warten. Schließlich kommt der weiße Polo und hält direkt vor mir. Im Inneren lehnt sich ein Mann mit grauen Haaren und Trachtenjacke zu mir herüber. Ich soll ihm mit meinem Wagen folgen. Aus dem Café des Baumarktes hole ich schnell noch den Fotografen, den ich mitgenommen habe.

Es sei nicht weit, bloß ein paar Minuten, wurde mir schon vorher gesagt. Während wir durch die dunkle, triste Gegend fahren, ist mir nicht ganz wohl bei der Sache. Wir sehen die Heckleuchten des Polos durch das leichte Schneetreiben. Er biegt schließlich nach rechts in eine breite Einfahrt ein. Ich sehe mehrere, von Neonlampen angestrahlte flache Gebäude. Das Gelände macht einen kalten, unheimlichen Eindruck. Der Polo hält an der langen Seite eines Flachbaus, wir dahinter.

Die Kärntner Landesregierung hat sichtlich Sorge, das Wrack könnte plötzlich verschwinden. Das Zugang wurde verrammelt wie der Eingang zu einem Pharaonengrab. Vor uns türmen sich Paletten mit schweren Gehwegplatten, die nur für unseren Besuch von der Gebäudeseite weggerückt wurden. Hinter den Platten erkenne ich eine Plane und dahinter eine orangefarbene Tür, die sich nur einen Spalt breit öffnen lässt. Durch den Spalt, nur wenige Zentimeter hinter der Tür, erkenne ich die zerknitterte, schwarz glänzende Motorhaube des Phaeton. Er ruht hier, wie ein großes, verletztes Tier, das sich zum Sterben verkrochen hat: Der letzte stumme Zeuge des Todes von Jörg Haider. Was hat man ihm wohl wirklich angetan, überlege ich, während wir uns an den Gehwegplatten vorbei durch den schmalen Türspalt zwängen. Was würde er sagen, wenn er reden könnte? Und: Werde ich ihn wirklich zum Reden bringen können?  

Und dann sind wir drin. Der Phaeton füllt die ganze kurze Seite einer vielleicht sechs mal zwölf Meter großen, rechteckigen Halle aus. Zwischen die Beifahrerseite und die Wand passt gerade mal ein Mann. Eine Reihe von Holzplanken in dem Raum deutet darauf hin, dass das Wrack komplett mit Holzbrettern „eingehaust“ war. Nur für meinen Besuch wurde es freigelegt.

Weitere Bilder vom Wrack des Haider-Phaeton sehen Sie im umfangreichen Farbteil des Buches.

Lesen Sie weiter hier:
http://www.kopp-verlag.de/