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Das RAF-Phantom - Leseprobe PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Gerhard Wisnewski   
Tuesday, 11. October 2005

Ich bombe, also bin ich - Wer ist die »Neue RAF«?

Glaubt man den Behörden, dann mordete seit etwa 1984 in der Bundesrepublik eine neue »Generation« der sogenannten »Rote Armee Fraktion«, kurz »RAF« genannt. Diese Dritte Generation der »RAF« soll die späte Nachfolge von Andreas Baader und Ulrike Meinhof angetreten haben, die die »RAF« Anfang der siebziger Jahre aus ihrer »Baader-Meinhof-Gruppe« formten. Über zwanzig Jahre lang soll die »RAF« somit mehr oder weniger kontinuierlich gekämpft haben. Gegen diese These spricht fast alles, dafür fast nichts. Zunächst einmal verweisen Gesellschaftsanalytiker auf die völlig veränderte Situation in der Bundesrepublik der achtziger und neunziger Jahre gegenüber der der sechziger und siebziger Jahre. Die Entstehung der »RAF« ist nur aus der extrem aufgeheizten Situation zwischen 1967 und 1970 erklärbar, in der kritische Bevölkerungspotentiale frontal mit der Staatsmacht zusammenprallten. Die Studentenbewegung probte den Aufstand gegen den »tausendjährigen Muff« ihrer Professoren, insbesondere aber erhob sie sich gegen die Nazi-Vergangenheit vieler Politiker und Wirtschaftsführer sowie gegen die Greuel des Vietnamkrieges. Die Studenten sahen darin zwei Seiten ein und derselben Medaille, und auch ausländische Besucher wie der Schah von Persien wurden als Teil dieses reaktionären Systems begriffen.

Der Schah galt als Vasall der kriegslüsternen USA, sein pompöser Empfang in der Bundesrepublik erregte den Zorn der kritischen Öffentlichkeit. Die Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und Staatsmacht geriet zur Machtprobe; die »Studenten« wollten eine demokratische Veränderung der Gesellschaft, einen Stop des Vietnamkrieges und eine Entfernung ehemaliger Nazi-Funktionäre aus Amt und Würden. Die Kraftprobe zwischen kritischer Jugend und dem Establishment geriet zur gesellschaftlichen Frage ersten Ranges. Die Studentenbewegung negierte des System, wo sie nur konnte: in ihrer Musik, ihrer Weltanschauung, ihrer Kleidung und Haartracht, dem Gebrauch anderer Drogen und vielem anderen mehr. Hier entstand nicht nur eine Protestbewegung, sondern eine Gegenkultur, die der herrschenden Lebensart diametral entgegengesetzt war. Unter dem Eindruck der Gewalt gegen diese Protestbewegung, insbesondere des Todes des Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 und des Mordversuchs an Rudi Dutschke am 11. April 1968, lösten sich einige aus den Diskussions- und Demonstrationszusammenhängen heraus und griffen zur Waffe.

So stellt sich grob verkürzt die Geschichte dieser Protestbewegung zumindest heute dar. Die sogenannte »Kaufhausbrandstiftung« von Andreas Baader und Gudrun Ensslin am 2. April 1968 markiert für viele den Beginn des »Terrorismus« in der Bundesrepublik. Durch den gewaltigen Rechtfertigungsdruck, den solche Aktionen bei kritischen Bevölkerungspotentialen schufen, markierten sie gleichzeitig den Anfang vom Ende der Protestkultur und ihr Versinken in der Lähmung des Terrors. Zum ersten Mal hatten sich die Gründer der »RAF« an die Spitze einer Protestbewegung gesetzt und sie damit zum Tode verurteilt. Dieser Vorgang sollte sich in Zukunft noch mehrfach wiederholen.


Der kurze Kampf der frühen »RAF«

Im Unterschied zur heutigen »Dritten Generation« der »RAF« war die »RAF« der ersten Jahre keineswegs ein Phantom, sondern stets im Fadenkreuz der Fahnder. Ihre Geschichte ist nicht nur eine Geschichte von Terror-Anschlägen, sondern auch von Observationen, Schußwechseln, Festnahmen und schließlich Prozessen. Die Geschichte der »RAF« ist eine Geschichte der andauernden, direkten Konfrontation zwischen den Untergrundkämpfern und Staatsorganen, die meistens genau wußten, mit wem sie es zu tun hatten. Ein Wissen, das sehr bald zur Verhaftung führte.

Nach der Baader-Befreiung am 14. Mai 1970 schaffte es der harte Kern der »RAF«, gerade zwei Jahre, im Untergrund zu überleben. Der eigentliche »Kampf« der Truppe um Andreas Baader und Ulrike Meinhof dauerte nur wenige Wochen. Nach dem ersten Bombenanschlag der selbsternannten Revolutionäre am 11. Mai 1972 vergingen noch genau 20 Tage, bis die Festnahmewelle begann: Am 1. Juni 1972 Andreas Baader, Jan Carl Raspe und Holger Meins. Am 7. Juni Gudrun Ensslin, am 9. Juni Brigitte Mohnhaupt, am 15. Juni Ulrike Meinhof und Gerhard Müller und am 7. Juli Irmgard Möller und Klaus Jünschke. Damit war der bewaffnete Kampf der ersten »RAF«-Generation gescheitert, bevor er richtig begonnen hatte. Diese Erfolge der Behörden waren keineswegs Zufall, sondern auf das reibungslose Funktionieren des Fahndungsapparates und die hoffnungslose Unterlegenheit der »Terroristen« zurückzuführen. Bereits gegen einen im Vergleich zu heute bescheidenen Polizei- und Gesetzesapparat hatten die autodidaktischen Untergrundkämpfer nicht die leiseste Chance.

Die Beamten spielten statt dessen Katz und Maus mit den Gesuchten. So observierten sie vor der Festnahme von Baader, Raspe und Meins am 1 . Juni 1972 tagelang das zentrale Sprengstofflager der Gruppe in einer Frankfurter Garage. Zur Sicherheit tauschten die Fahnder den Sprengstoff unbemerkt gegen harmlose Chemikalien aus. Wenig später ging ihnen dort fast die gesamte Gruppe ins Netz.

Auch als sich 1973 die sogenannte »Gruppe 4.2.« auf den Kampf im Untergrund vorbereitete, saßen Staatsbeamte auf Logenplätzen. Der Trupp galt als »der erste Nachfolger der ursprünglichen RAF«. Der Terror-Nachwuchs brachte es nicht weit, Staatsbehörden waren bei den ersten Gehversuchen der »RAF«-Nachfolger ganz in der Nähe. Der Verfassungsschutz observierte die Gruppe über Monate hinweg und hörte sogar die Telefonzelle ab, über die die Mitglieder kommunizierten. Die Untergrundkämpfer konnten die Observationsteams nicht abschütteln. Aus einer Mülltonne heraus gelangen dem Verfassungsschutz brillante Fotos der Gruppenmitglieder Ilse Stachowiak und Helmut Pohl. In der Nacht zum 4. Februar 1974 überraschte die Polizei die Gruppe im Schlaf. Alle Mitglieder wurden verhaftet.

Auch die Top-Terroristen der zweiten Generation standen unter hautnaher staatlicher Überwachung. Kurz vor den Hamburger Bürgerschaftswahlen 1977 gelang es dem Verfassungsschutz, Christian Klar und Adelheid Schulz in einem Hamburger Lokal zu observieren. Unauffällig wurde das Lokal verwanzt, es gelang, die Gespräche der beiden auf Tonband zu bannen. Wo das Duo seine Wohnung hatte, fanden die Verfassungsschützer ebenfalls heraus. Auch sie wurde mit Wanzen gespickt, die Gespräche auf Tonband aufgezeichnet. Indes: Eine Festnahme erfolgte nicht, Klar und Schulz setzten sich plötzlich ab.

Das nächste Mal war das Bundeskriminalamt der Terror-Clique nur ein Jahr später auf der Spur. 1978 machten BKA-Beamte Fotos von Christian Klar, Adelheid Schulz und Willy-Peter Stoll, als diese gerade einen Hubschrauber bestiegen, um eine Gefangenenbefreiung vorzubereiten. Zur Verhaftung kam es wieder nicht, begründet wurde dies mit einer »Fahndungspanne«.

Dies sind indessen nur die Fälle, die an die Öffentlichkeit kamen. Wie oft staatliche Behörden die Terroristen tatsächlich im Visier hatten, ohne sie festzunehmen, ist nicht bekannt. Sicher ist folgendes: »Hier hat man es ja gestattet, auch mit Mitwirkung des Bundeskanzlers Helmut Schmidt und mit Mitwirkung des Ministers Baum, die Terroristen Klar und Schulz, die der Hamburger Verfassungsschutz ins Visier bekommen hatte, der Polizei zu entziehen. ( ... ) Die Verfassungsschützer und Politiker machen dann Geschäfte mit Dingen ... das ist alles so unerträglich.« Minister, die gesuchte Terroristen der Strafverfolgung »entziehen« - wenn das keine radikale Ansicht ist! Sie stammt allerdings nicht von irgendwelchen »Systemveränderern«, sondern von Horst Herold, dem ehemaligen Präsidenten des Bundeskriminalamtes. Er ist davon überzeugt, daß es hätte gelingen können, den Terrorismus bereits 1977 oder 1978 vollständig zu zerschlagen - wenn der politische Wille vorhanden gewesen wäre. Eine Auffassung, die angesichts der hautnahen Observationen nachvollziehbar ist.