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Wie die Medien den Abgang der Neocons verkaufen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Gerhard Wisnewski   
Wednesday, 13. December 2006

Medien&Bücher
PNAC: Die Webseite der US-"Neocons".
Von Gerhard Wisnewski


Merken Sie was? Die Neocons werden abgewickelt. Neocons, das sind die amerikanischen Neo-"Konservativen". Freundlich formuliert. Unfreundlich formuliert: Neofaschisten. Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz, John Bolton, Jeb Bush, Richard Perle, Dick Cheney, und wie sie alle heißen. Bis 2001 bildeten die Neocons in ihrem Think-Tank "Project for the New American Century" eine Art frustrierter Schattenregierung. Anfang 2001 kamen sie "unter" Bush dann fast alle an die Macht. Rumsfeld wurde "Verteidigungsminister", Wolfowitz stellvertretender Verteidigungsminister, Bolton wurde zunächst Undersecretary of State, dann Botschafter bei den Vereinten Nationen, Perle wurde Mitglied des Defense Policy Board. Undsoweiter.


Neocon-Papier aus dem Jahr 2000: Amerika aufzurüsten, um einen Haufen Länder anzugreifen, kann einfach verdammt lange dauern...
Die Neocons sind die Bush-Regierung,
und die Bush-Regierung ist die Neocons. Das sind jene feinen Herrschaften, die schon lange vor dem 11.9.2001 zufällig genau das forderten, was durch die Attentate des 11.9. erst ermöglicht wurde: Krieg gegen Afghanistan und Irak, Erhöhung der Rüstungsausgaben, neue US-Führungsrolle in der Welt, undsoweiter. Im Jahr 2000 meinten sie in einem Strategiepapier, das alles könnte beschleunigt werden, wenn ein katastrophales, katalysatorisches Ereignis vom Typ Pearl Harbor eintreten würde, was ja dann - am 11.9. - auch prompt eintrat. Unter der Neocon-Regierung.

Als solche richteten sie ein Desaster nach dem anderen an. In ihrer Regierungszeit starben Amerikaner wie die Fliegen: am 11.9.2001, beim Hurrikan Katrina, im Irak und in Afghanistan. Nicht-Amerikaner starben wie - ja, wie was denn gleich? Die Neocons fuhren sowohl das amerikanische Image als auch den amerikanischen Traum an die Wand und zimmerten aus den Trümmern einen Alptraum aus Polizeistaat und Überwachung. In Afghanistan, speziell aber im Irak, verstrickten sie die Bevölkerung und die US-Streitkräfte in eine blutige Katastrophe: Heute herrschen im Irak schlimmere Zustände, als unter Saddam Hussein. Der wirkt gegen George W. Bush und seine Junta geradezu zivilisiert. Aber daß ein Krieg gegen die Zivilisation geführt werden würde, haben die Neocons ja schließlich gleich gesagt. Allerdings dachten wir, von den Islamisten. Nun ja, ein kleines Mißverständnis.

...es sei denn, man hätte da ein nettes, kleines Pearl Harbor, das die Leute auf Vordermann bringt.
Wie wir überhaupt alles durcheinander bringen. Zum Beispiel waren die Kriege in Afghanistan und im Irak auch kein Desaster, sondern ein Erfolg. Besser gesagt: die reinste Party. Während auf den Schlachtfeldern Schüsse fielen,  knallten im Pentagon und in den Zentralen der Rüstungsindustrie die Sektkorken. Die Anschläge des 11.9., die dem Pentagon das Steuersäckel erst so richtig aufschlossen, passierten auch noch exakt am 60. Jahrestag der Grundsteinlegung dieses Piratenministeriums. Nur, weil einer mit einem Flugzeugträger herumfährt, heißt das ja noch lange nicht, daß er kein Verbrecher ist. Der Unterschied ist nur der, daß moderne Piraten inzwischen über Spin-Doktoren und Propagandaexperten verfügen, die dem Volk jeden Raubzug als die reinste Wohltat für die Menschheit verkaufen. So einfach ist das.


Während alle Welt an einen Krieg gegen bin Laden und den Terror glaubte, fuhren die Familien Bush und bin Laden über ihre Beteiligungen an Rüstungsfonds die Ernte ein. Der Krieg ist nun mal jenes Gewerbe, das neben dem Drogenhandel und der Prostitution noch die höchsten Renditen abwirft. Im Falle der Bushs reicht es nicht, wenn Geld nicht stinkt. Es muß so vollkommen geruchsfrei sein, daß auch der Gestank von Millionen Litern Blut, Schweiß und Tränen nicht im geringsten wahrnehmbar ist. Der Irak- und der Afghanistan-Krieg sind keineswegs gescheitert, sondern  ein absoluter Durchbruch auf dem Gebiet der kriminellen  Geldbeschaffung. Daß die Aktionen jetzt langsam runtergefahren werden, liegt vermutlich daran, daß nunmehr genügend Milliarden den Besitzer gewechselt haben. Das heißt: den Bürgern abgenommen wurden, um sie an die herrschenden Eliten zu verteilen.



Zeit al
so, die Neocons abzuwickeln. Oder für die Neocons, sich selbst abzuwickeln? Denn wer hier wirklich wen "geht", ist schwer zu sagen. Damit es nicht so auffällt, machen sich die Neocons und ihre Freunde jedenfalls langsam von dem  nunmehr ausgezehrten Acker. Erst Perle, dann Powell, dann Wolfowitz, dann Libby, dann Rumsfeld, jetzt Bolton. Im leeren Washingtoner Geldspeicher sitzt bald nur noch der  Grüßgottonkel, der als einziger in seiner illustren Familie wahrscheinlich wieder mal gar nichts kapiert: George W. Bush. Das Sagen hat jetzt plötzlich eine Kommission, die wie ein UFO über dem Weißen Haus schwebt, um George Bush zu erklären, daß das, was wie krimineller Schwachsinn aussieht, tatsächlich krimineller Schwachsinn ist, nämlich sein Krieg gegen den Terror - natürlich nicht in so krassen Worten.

Damit der Abgang leichter flutscht, benötigt man noch ein paar ölige Typen, die das Ganze richtig schmieren. Respektive: Journalisten. Der Auftrag: Die Abdankung der Junta als das Scheitern einer edlen Gemeinschaft von Idealisten zu verkaufen. Sie glauben nicht, daß das geht?

Aber sicher. Anything goes.

Und zwar so: In Wirklichkeit haben wir die Neocons bloß völlig falsch verstanden. Sie waren nicht etwa Verbrecher, vielmehr träumten sie den "Traum der Vernunft". Und dieser "Traum der Vernunft" hatte bloß den kleinen, unbedeutenden Nachteil , das eine oder andere Ungeheuer zu gebären. Das ist zwar blöd, aber: Diese oder dieses Ungeheuer ist nun auch wieder nicht so schlimm, denn es "schlummerte". Und zwar nicht in den kriminellen Aktivitäten, sondern in den "Visionen" der amerikanischen Neokonservativen. Und die hatten eben nicht etwa einen mit einem künstlichen Kampf der Kulturen verbundenen globalen Raubzug geplant, sondern eine "republikanische Weltbefreiungsbewegung".

"Vordenker" wie Paul Wolfowitz "waren zunächst einmal keine Finsterlinge", erklären die wackeren Journalisten ihren kleinen Lesern die große, weite Welt. Sie waren auch nicht etwa besessen von Macht und Moneten, nein: sie waren "beseelt". Und zwar "von dem Gedanken, der Westen könne die Demokratie exportieren, zum Beispiel in die arabische Welt." "Dass andere (und sicher auch manche Neocons selbst) dabei noch weitere Interessen im Kopf hatten, Interessen wie Öl oder globale US-Dominanz", wird eingeräumt, aber sofort wieder mit schmierigen Liebedienereien zugekleistert. Denn diese Interessenverquickung schmälere nicht den - und jetzt kommts - "schönen, aufklärerischen Idealismus der republikanischen Weltbefreiungs-Bewegung in Washington."

Mensch: Weltbefreiungs-Bewegung! Na klar! Daß ich das nicht gleich kapiert habe! Die Neocons haben einfach eine großen Kampf um eine bessere Welt gekämpft und sind dabei tragisch gescheitert!  Ist das nicht verdammt schön? Beziehungsweise: schöner Mist? Um soetwas niederschreiben zu können, muß Papier nicht nur geduldig, sondern regelrecht bewußtlos sein. Die Frage ist nur: Wo kann man so einen Mist lesen? Ein Tip: Die Redaktion befindet sich in Hamburg. Hamburg ist überhaupt ein strategisch wichtiger Ort im Phantasie-Universum der Neocons, wo finstere Islamisten der westlichen Zivilisation eine Bombe nach der anderen unter den Hintern legen. Hamburg ist ein wichtiges Labor der offiziellen Version, wo ausgekochte Journalisten brühwarm halbgare Geschichten über den Terror unter die Leute bringen. In der sogenannten "Hamburger Zelle" wurde die offizielle Verschwörungstheorie des 11.9.2001 geboren, in den Fernseh- und Magazin-Redaktionen der Stadt wurde sie hochgepäppelt, und vor Hamburger Gerichten sollte sie (in den Prozessen gegen die angeblichen "Terrorhelfer") festgeklopft werden.

Darüberhinaus wurde sie auch noch ins Heimatland der Neocons exportiert, beziehungsweise reimportiert. Und zwar nicht als der Blödsinn, der sie nun mal war, sondern verpackt als "some  of the finest writing and reporting on the events of September 11", wie es auf dem englischen Cover eines von der erwähnten Hamburger Redaktion hergestellten Buches steht. "Mit ihrem Hauptsitz in Hamburg, der Operationsbasis für den Rädelsführer Mohammed Atta und viele andere" hätten sich die Schreiberlinge an der vordersten Front der Recherchen über diejenigen befunden, "die - an einem wolkenlosen Sommermorgen - den heiligen Krieg nach Amerika trugen", heißt es da. "Als First Class investigativer Journalismus, kombiniert mit außergewöhnlicher Klarheit" sei das Buch "eine herzzerreißende und fesselnde Rekonstruktion jener Ereignisse, die uns alle veränderten."

Wie wahr - unter anderem unser Bild vom Journalismus. Denn all die schmierigen Geschichten hat natürlich niemand anderes als - Sie ahnen es schon - der Spiegel geschrieben.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,453332,00.html