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| PNAC: Die Webseite der US-"Neocons". |
Von Gerhard Wisnewski
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Sie was? Die Neocons werden abgewickelt. Neocons, das sind die
amerikanischen Neo-"Konservativen". Freundlich formuliert. Unfreundlich
formuliert: Neofaschisten. Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz, John
Bolton, Jeb Bush, Richard Perle, Dick Cheney, und wie sie alle heißen.
Bis 2001 bildeten die Neocons in ihrem Think-Tank "Project for the New
American Century" eine Art frustrierter Schattenregierung. Anfang 2001
kamen sie "unter" Bush dann fast alle an die Macht. Rumsfeld wurde
"Verteidigungsminister", Wolfowitz stellvertretender
Verteidigungsminister, Bolton wurde zunächst Undersecretary of State,
dann Botschafter bei den Vereinten Nationen, Perle wurde Mitglied des
Defense Policy Board. Undsoweiter.
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| Neocon-Papier aus dem Jahr 2000: Amerika aufzurüsten, um einen Haufen Länder anzugreifen, kann einfach verdammt lange dauern... |
Die Neocons sind die Bush-Regierung, und die
Bush-Regierung ist die Neocons. Das sind jene feinen Herrschaften, die
schon lange vor dem 11.9.2001 zufällig genau das forderten, was durch
die Attentate des 11.9. erst ermöglicht wurde: Krieg gegen Afghanistan
und Irak, Erhöhung der Rüstungsausgaben, neue US-Führungsrolle in der
Welt, undsoweiter. Im Jahr 2000 meinten sie in einem Strategiepapier,
das alles könnte beschleunigt werden, wenn ein katastrophales,
katalysatorisches Ereignis vom Typ Pearl Harbor eintreten würde, was ja
dann - am 11.9. - auch prompt eintrat. Unter der Neocon-Regierung.
Als
solche richteten sie ein Desaster nach dem anderen an. In ihrer
Regierungszeit starben Amerikaner wie die Fliegen: am 11.9.2001, beim
Hurrikan Katrina, im Irak und in Afghanistan. Nicht-Amerikaner starben
wie - ja, wie was denn gleich? Die Neocons fuhren sowohl das
amerikanische Image als auch den amerikanischen Traum an die Wand und
zimmerten aus den Trümmern einen Alptraum aus Polizeistaat und
Überwachung. In Afghanistan, speziell aber im Irak, verstrickten sie
die Bevölkerung und die US-Streitkräfte in eine blutige Katastrophe:
Heute herrschen im Irak schlimmere Zustände, als unter Saddam Hussein.
Der wirkt gegen George W. Bush und seine Junta geradezu zivilisiert.
Aber daß ein Krieg gegen die Zivilisation geführt werden würde, haben
die Neocons ja schließlich gleich gesagt. Allerdings dachten wir, von
den Islamisten. Nun ja, ein kleines Mißverständnis.
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| ...es sei denn, man hätte da ein nettes, kleines Pearl Harbor, das die Leute auf Vordermann bringt. |
Wie wir überhaupt alles durcheinander bringen. Zum Beispiel waren die
Kriege in Afghanistan und im Irak auch kein Desaster, sondern ein
Erfolg. Besser gesagt: die reinste Party. Während auf den
Schlachtfeldern Schüsse fielen, knallten im Pentagon und in den
Zentralen der Rüstungsindustrie die Sektkorken. Die Anschläge des
11.9., die dem Pentagon das Steuersäckel erst so richtig aufschlossen,
passierten auch noch exakt am 60. Jahrestag der Grundsteinlegung dieses
Piratenministeriums. Nur, weil einer mit einem Flugzeugträger
herumfährt, heißt das ja noch lange nicht, daß er kein Verbrecher ist.
Der Unterschied ist nur der, daß moderne Piraten inzwischen über
Spin-Doktoren und Propagandaexperten verfügen, die dem Volk jeden
Raubzug als die reinste Wohltat für die Menschheit verkaufen. So
einfach ist das.
Während
alle Welt an einen Krieg gegen bin Laden und den Terror glaubte, fuhren
die Familien Bush und bin Laden über ihre Beteiligungen an
Rüstungsfonds die Ernte ein. Der Krieg ist nun mal jenes Gewerbe, das
neben dem Drogenhandel und der Prostitution noch die höchsten Renditen
abwirft. Im Falle der Bushs reicht es nicht, wenn Geld nicht stinkt. Es
muß so vollkommen geruchsfrei sein, daß auch der Gestank von Millionen
Litern Blut, Schweiß und Tränen nicht im geringsten wahrnehmbar ist.
Der Irak- und der Afghanistan-Krieg sind keineswegs gescheitert,
sondern ein absoluter Durchbruch auf dem Gebiet der kriminellen
Geldbeschaffung. Daß die Aktionen jetzt langsam runtergefahren werden,
liegt vermutlich daran, daß nunmehr genügend Milliarden den Besitzer
gewechselt haben. Das heißt: den Bürgern abgenommen wurden, um sie an
die herrschenden Eliten zu verteilen.
Zeit also,
die Neocons abzuwickeln. Oder für die Neocons, sich selbst abzuwickeln?
Denn wer hier wirklich wen "geht", ist schwer zu sagen. Damit es nicht
so auffällt, machen sich die Neocons und ihre Freunde jedenfalls
langsam von dem nunmehr ausgezehrten Acker. Erst Perle, dann Powell,
dann Wolfowitz, dann Libby, dann Rumsfeld, jetzt Bolton. Im leeren
Washingtoner Geldspeicher sitzt bald nur noch der Grüßgottonkel, der
als einziger in seiner illustren Familie wahrscheinlich wieder mal gar
nichts kapiert: George W. Bush. Das Sagen hat jetzt plötzlich eine
Kommission, die wie ein UFO über dem Weißen Haus schwebt, um George
Bush zu erklären, daß das, was wie krimineller Schwachsinn aussieht,
tatsächlich krimineller Schwachsinn ist, nämlich sein Krieg gegen den
Terror - natürlich nicht in so krassen Worten.
Damit
der Abgang leichter flutscht, benötigt man noch ein paar ölige Typen,
die das Ganze richtig schmieren. Respektive: Journalisten. Der Auftrag:
Die Abdankung der Junta als das Scheitern einer edlen Gemeinschaft von
Idealisten zu verkaufen. Sie glauben nicht, daß das geht?
Aber sicher. Anything goes.
Und
zwar so: In Wirklichkeit haben wir die Neocons bloß völlig falsch
verstanden. Sie waren nicht etwa Verbrecher, vielmehr träumten sie den
"Traum der Vernunft". Und dieser "Traum der Vernunft" hatte bloß den
kleinen, unbedeutenden Nachteil , das eine oder andere Ungeheuer zu
gebären. Das ist zwar blöd, aber: Diese oder dieses Ungeheuer ist nun
auch wieder nicht so schlimm, denn es "schlummerte". Und zwar nicht in
den kriminellen Aktivitäten, sondern in den "Visionen" der
amerikanischen Neokonservativen. Und die hatten eben nicht etwa einen
mit einem künstlichen Kampf der Kulturen verbundenen globalen Raubzug
geplant, sondern eine "republikanische Weltbefreiungsbewegung".
"Vordenker"
wie Paul Wolfowitz "waren zunächst einmal keine Finsterlinge", erklären
die wackeren Journalisten ihren kleinen Lesern die große, weite Welt.
Sie waren auch nicht etwa besessen von Macht und Moneten, nein: sie
waren "beseelt". Und zwar "von dem Gedanken, der Westen könne die
Demokratie exportieren, zum Beispiel in die arabische Welt." "Dass
andere (und sicher auch manche Neocons selbst) dabei noch weitere
Interessen im Kopf hatten, Interessen wie Öl oder globale US-Dominanz",
wird eingeräumt, aber sofort wieder mit schmierigen Liebedienereien
zugekleistert. Denn diese Interessenverquickung schmälere nicht den -
und jetzt kommts - "schönen, aufklärerischen Idealismus der
republikanischen Weltbefreiungs-Bewegung in Washington."
Mensch:
Weltbefreiungs-Bewegung! Na klar! Daß ich das nicht gleich kapiert
habe! Die Neocons haben einfach eine großen Kampf um eine bessere Welt
gekämpft und sind dabei tragisch gescheitert! Ist das nicht verdammt
schön? Beziehungsweise: schöner Mist? Um soetwas niederschreiben zu
können, muß Papier nicht nur geduldig, sondern regelrecht bewußtlos
sein. Die Frage ist nur: Wo kann man so einen Mist lesen? Ein Tip: Die
Redaktion befindet sich in Hamburg. Hamburg ist überhaupt ein
strategisch wichtiger Ort im Phantasie-Universum der Neocons, wo
finstere Islamisten der westlichen Zivilisation eine Bombe nach der
anderen unter den Hintern legen. Hamburg ist ein wichtiges Labor der
offiziellen Version, wo ausgekochte Journalisten brühwarm halbgare
Geschichten über den Terror unter die Leute bringen. In der sogenannten
"Hamburger Zelle" wurde die offizielle Verschwörungstheorie des
11.9.2001 geboren, in den Fernseh- und Magazin-Redaktionen der Stadt
wurde sie hochgepäppelt, und vor Hamburger Gerichten sollte sie (in den
Prozessen gegen die angeblichen "Terrorhelfer") festgeklopft werden.
Darüberhinaus
wurde sie auch noch ins Heimatland der Neocons exportiert,
beziehungsweise reimportiert. Und zwar nicht als der Blödsinn, der sie
nun mal war, sondern verpackt als "some of the finest writing and
reporting on the events of September 11", wie es auf dem englischen
Cover eines von der erwähnten Hamburger Redaktion hergestellten Buches
steht. "Mit ihrem Hauptsitz in Hamburg, der Operationsbasis für den
Rädelsführer Mohammed Atta und viele andere" hätten sich die
Schreiberlinge an der vordersten Front der Recherchen über diejenigen
befunden, "die - an einem wolkenlosen Sommermorgen - den heiligen Krieg
nach Amerika trugen", heißt es da. "Als First Class investigativer
Journalismus, kombiniert mit außergewöhnlicher Klarheit" sei das Buch
"eine herzzerreißende und fesselnde Rekonstruktion jener Ereignisse,
die uns alle veränderten."
Wie
wahr - unter anderem unser Bild vom Journalismus. Denn all die
schmierigen Geschichten hat natürlich niemand anderes als - Sie ahnen
es schon - der Spiegel geschrieben.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,453332,00.html
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