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Verleumdungen: "Antisemitismusforscher" geben Unterlassungserklärung ab PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Angelika Gutsche   
Tuesday, 8. January 2008

Antisemitismusforschung: Überpinselte Falschbehauptungen

Von Gerhard Wisnewski

Berlin, 1. August 2007. Im Lichthof des Auswärtigen Amtes herrscht ganz großer Bahnhof. Das AA hat Medienvertreter und andere Gäste zur Eröffnung der Wanderausstellung „Antisemitismus? Antizionismus? Israelkritik?“ eingeladen. Etwa drei Wochen sollen die Ausstellungstafeln im Lichthof des Auswärtigen Amtes stehen und auf die Problematik des Antisemitismus aufmerksam machen.


heißt es auf der AA-Website: "Im Lichthof ist ein Cafe, das für die Öffentlichkeit zugänglich ist - genau wie der Hof, in dem auch regelmäßig Ausstellungen stattfinden."

AA-Lichthof: Diplomaten, Minister, Touristen, Cafés und Verleumdungen

Das Publikum im Lichthof des AA ist nicht nur an diesem Abend hochkarätig: Diplomaten, Minister, Staatssekretäre aus dem In- und Ausland laufen hier jeden Tag vorbei. Aber natürlich auch viele Journalisten und Touristen aus aller Welt. Der Lichthof ist ein äußerst prominenter Ort, sozusagen das Aushängeschild des Auswärtigen Amtes. "Der Lichthof im Neubau ist Haupteingang und Foyer des Auswärtigen Amts",

Die Ausstellung „Antisemitismus? Antizionismus? Israelkritik?“ kommt mit der größtmöglichen moralischen Reputation daher. Erstellt wurde sie vom Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der TU Berlin, "federführend" ist laut einem Schreiben der ZfA-Anwälte niemand Geringerer als die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Finanziert wurde die Ausstellung unter anderem von der Bundeszentrale für Politische Bildung. Eröffnet wurde sie durch den Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler. Ebenfalls zugegen: Der Direktor des European Department der School for Holocaust Studies von Yad Vashem, Doron Avraham.




Tafel im Originalzustand: Drei Wochen vor hochkarätigem Publikum Autoren mit Falschbehauptungen verleumdet

Der Eindruck, hier werde Forschung auf höchstem wissenschaftlichem und moralischem Niveau dargeboten, ist unentrinnbar. "Leider ist der Antisemitismus nicht dort, wo er hingehört - im Giftschrank der Erreger schwerheilbarer Krankheiten der Vergangenheit", sagt Erler dem AA zufolge bei der Ausstellungseröffnung. Die in der Ausstellung zitierten und präsentierten Personen werden also in die Nähe schwer heilbarer Kranker gerückt. Dazu kommt, daß in der Ausstellung nur wenige Personen namentlich erwähnt werden, was den Eindruck erweckt, als handele es sich hier um die geistigen Führer oder die wichtigsten Personen des Antisemitismus.

Nach Berlin soll die Ausstellung auch in anderen Städten zu sehen sein. In den nächsten Monaten soll sie in Magdeburg, München und Halle ihre Türen öffnen.

Bevor dies geschieht, darf man empfehlen, die wissenschaftliche Qualität und Kompetenz der Ausstellung beziehungsweise ihrer Veranstalter einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Zukünftige Gastgeber der Ausstellung sollten sich der Gefahr bewußt sein, möglicherweise für unhaltbare Behauptungen mitverantwortlich gemacht zu werden.

Denn noch während der Eröffnung am 1. August in Berlin nimmt eine der anwesenden Journalistinnen Kontakt zur Kuratorin Dr. Juliane Wetzel vom TU-Zentrum für Antisemitismusforschung auf. Sie weist Wetzel darauf hin, daß in der Ausstellung gravierende Falschbehauptungen enthalten sind. In voller Größe stehen dort nämlich die Namen Andreas von Bülow, Mathias Bröckers und Gerhard Wisnewski. Und zwar in folgendem Kontext:

"Verschwörungstheorien zum 11. September 2001

In Deutschland v.a. durch Gerhard Wisnewski, Mathias Bröckers und Andreas von Bülow verbreitet.

Zwei ihrer Thesen:

  • Jüdische Kreise hätten von dem Anschlag gewußt, weshalb es so gut wie keine Opfer gegeben habe - was nachweislich nicht stimmt: ca. 400 Juden und 5 Israelis sind umgekommen.
  • Der Mossad habe von dem Anschlägen gewußt und Israel habe Nutzen daraus gezogen."


Nun sollte man ja normalerweise meinen, daß ein wissenschaftliches Institut Quellen sammelt. Daß es dann die jeweilige Quelle zur Hand nimmt und bei der Erstellung von Veröffentlichungen strikt von dieser Quelle ausgeht. So haben beispielsweise die drei oben genannten Autoren ihre Bücher geschrieben.

Das Problem: Das Zentrum für Antisemitismus"forschung" der hochwohllöblichen Technischen Universität Berlin kann zumindest bei den oben zitierten Behauptungen so nicht vorgegangen sein. Und bedauerlicherweise auch nicht die mitverantwortlich zeichnende Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Denn diese Behauptungen sind falsch. Die betroffenen Autoren sind rechtlich gegen diese Falschbehauptungen vorgegangen. Gegenüber mir (Gerhard Wisnewski; Rechtsanwalt: Markus Menzendorff, Frankfurt) mußten der Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung, Prof. Dr. Wolfgang Benz, und die Ausstellungsleiterin Dr. Juliane Wetzel eine Unterlassungserklärung abgeben. Wetzel unterzeichnete auch "für das Ausstellungsteam der Gedenkstätte Yad Vashem". 

1. In der Unterlassungserklärung verpflichteten sich die Unterzeichner, die oben zitierten Behauptungen bei Meidung einer Vertragsstrafe von 10.000 Euro nicht mehr öffentlich zu verbreiten, und zwar auch nicht sinngemäß.

2. Ferner verpflichteten sie sich, die falschen und ehrenrührigen Behauptungen im Lichthof des Auswärtigen Amtes in geeigneter Weise zu widerrufen.

Gegenüber Mathias Bröckers verpflichtete sich das Zentrum für Antisemitismusforschung zur Richtigstellung sowohl in der weiter wandernden  Ausstellung als auch im Lichthof des Auswärtigen Amtes. Auch Andreas von Bülow wurden dem Vernehmen nach die entsprechenden Korrekturen zugesichert.

Zumindest ich habe mir auch noch weitere Schritte vorbehalten, um den enormen Schaden und die krasse und auch dreiste Verletzung der Persönlichkeitsrechte zu beheben und wieder gut gemacht zu bekommen.

Denn die Frage ist ja auch: Wie konnte es kommen, daß die Behauptungen weiter aufgestellt wurden, obwohl die Veranstalterin von Journalisten schon bei der Eröffnung auf deren Fehlerhaftigkeit hingewiesen worden war? Die wortreiche Erklärung der ZfA-Anwälte verblüfft:

Die Antragsgegnerin (also das ZfA) habe durch "ihre Mitarbeiterin, Frau Dr. Wetzel, bereits am 2. August den am 1. August durch den Hinweis eines Besuchers entdeckten Fehler bearbeitet und hat diese Mitteilung mit der Bitte, eine neue Plakatdruckversion zu erstellen, an die federführende Gedenkstätte Yad Vashem in Israel gesandt. Hintergrund war, daß der ursprünglich freigegebene Text der Tafel vermutlich durch eine Veränderung des Textes durch den Druckdesigner zu einer falschen Darstellung geführt hat. Aus technischen Gründen hat die Erstellung der neuen Tafel so lange gedauert, daß sie erst zu Beginn der nach Abschluß der Ausstellung im Auswärtigen Amt und zu Beginn der Ausstellung in der technischen Universität ersetzt werden konnte. Dr. Wetzel hat dann, nachdem die neue Tafel eigentlich nicht mehr beanstandungswürdig war, vorsorglich noch die Namen u.a. des Antragstellers übermalt, um jedwede mögliche Schlußfolgerung, der Autor sei mit antisemitischen Verschwörungstheorien in Verbindung zu bringen, auszuschließen."

Eine wahrhaft wirre Verteidigungsrede. Ganz ähnlich redete sich das ZfA auch bei Mathias Bröckers heraus.

Demnach bestätigen die Anwälte des ZfA  also tatsächlich,

  • daß das ZfA bereits zu Beginn der Austellung auf die krassen Fehler hingewiesen worden war,
  • daß die Fehler aber nicht sofort korrigiert, sondern weitere drei Wochen stehen gelassen wurden.

Und Schuld an der falschen Fassung soll auch nicht Frau Dr. Wetzel, sondern "vermutlich" irgendein Druckdesigner gewesen sein, der den Text der Wissenschaftler eigenmächtig verändert habe. Da allerdings jedes Buch, jeder Film und auch jede Ausstellung vor der Veröffentlichung durch die Autoren abgenommen werden muß, hilft diese peinliche Ausrede letztlich nicht weiter.


Entdeckt man eine solche gravierende Persönlichkeitsverletzung, hat man sie sofort zu beseitigen und nicht noch drei Wochen stehen zu lassen.


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Das größte Problem ist der enorme Schaden, den das Zentrum für Antisemitismusforschung, das "Ausstellungsteam" der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und nicht zuletzt das Auswärtige Amt der Antisemitismusforschung und der Holocaustforschung zugefügt haben. Man wird in Zukunft sagen dürfen, daß das Zentrum für Antisemitismusforschung und das "Ausstellungsteam" der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem nachweislich falsche Behauptungen aufgestellt haben. Speziell der Eindruck, die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gehe recht freihändig mit den Fakten um, ist verheerend. Allein das ist tödlich für unser aller Anliegen, echten (und nicht bloß behaupteten) Antisemitismus zu bekämpfen und das Andenken an die jüdischen Opfer des Dritten Reiches hochzuhalten. Gerade in Tagen wie diesen, in denen Antidemokraten wie Wolfgang Schäuble und Verteidigungsminister Jung auftrumpfen, muß verstärkt an diese Opfer der Diktatur erinnert werden.

Man wird aber auch sagen dürfen, daß diese Institutionen mitunter Behauptungen regelrecht aus der Luft greifen, ohne überhaupt über entsprechende Quellen zu verfügen. Denn es sieht ganz so aus, als seien nicht etwa vorhandene Aussagen der Autoren falsch wiedergegeben oder mißverstanden worden, sondern als seien derartige Aussagen gar nicht vorhanden gewesen.

Das eigentliche Anliegen der Austellung lag denn auch meiner Meinung nach nicht etwa in hehren Zielen wie der Bekämpfung des Antisemitismus, sondern in der Vermischung -  wie der Titel schon sagt - von Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik. Das eigentliche Anliegen der Ausstellung war m.E. damit nicht Aufklärung sondern Zensur, und zwar jeder kritsichen Äußerung über Israel und den Zionismus. Schlimm genug. Was aber noch nachdenklicher stimmt, ist die Frage, warum ZfA und die Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem ausgerechnet die Kritiker der offiziellen Version des 11.9. ins antisemitische Zwielicht rücken wollen. Möchte man hier etwa solche Recherchen diskreditieren und noch mehr erschweren? Und wenn ja: Warum?