Man zeigt Ihnen Fotos von der
zerschmetterten Leiche. (Schock) Seine Freunde behaupten, Sie seien ein
so schlimmer Finger, daß Sie es nötig hätten, daß sich jemand mal für
Sie umbringt.(Verletzung) Was das helfen soll? Fragen Sie nicht so
blöd. Ist es nicht schlimm genug, daß der Mann sich für Sie umgebracht
hat? Wollen Sie sein Opfer jetzt auch noch hinterfragen? Wenn es nichts
bringen würde, dann hätte sein schrecklicher Tod ja gar keinen Sinn
gehabt! Der Mann hätte sich vollkommen sinnlos selbst entleibt! Wollen
Sie das zulassen und aus ihm einen tragischen Irren machen, der völlig
umsonst vom Dach gehüpft ist?
De mortuis nihil nisi bene -
über die Toten nur Gutes. Also muß es irgendwas bringen. Und da es
nicht umsonst gewesen sein kann, müssen Sie wirklich so ein schlimmer
Finger sein - Asche auf Ihr Haupt, Sie verderbtes Subjekt.(Scham)
Wenn er aber durch Ihre
Verderbtheit gezwungen war, sich für Sie zu meucheln oder meucheln zu
lassen, stehen Sie in seiner Schuld (Schuldgefühle).
Merken Sie was? Sie sitzen sauber in der Tinte. Beziehungsweise in der Psychofalle.
Natürlich: Kein Mensch würde es wagen, Ihnen so eine Geschichte aufzutischen. Bis auf diese:
- Es gibt da einen Menschen, den Sie nicht kennen.
- Umgekehrt kennt dieser Mensch auch Sie nicht.
- Das kann er auch gar nicht, denn er ist schon seit 2.000 Jahren tot.
- Er ist aber für Sie gestorben.
Da sind Sie platt, was? Dafür, daß er das selbst behauptet hat, gibt es zwar keinen Beweis.Und gebeten haben Sie ihn darum auch nicht.
Aber dennoch tut man
Ihnen Gewalt an, indem man Ihnen den angeblichen, grausamen Tod eines
Menschen aufbürdet und Sie als Verursacher quasi mitschuldig daran
macht. Weil Sie so schlecht sind. Aber selbst wenn Sie den Betreffenden
gekannt hätten:
- Hat ein Mensch das
Recht, einem anderen Gewalt anzutun, indem er sich ungefragt FÜR IHN
umbringt oder umbringen läßt? Und ihn dabei noch beleidigt, in dem er
(oder andere) behauptet/n, der andere sei so verdorben, daß man ihn
nicht anders retten könne, als durch ein solches Opfer?
- Hat ein Mensch/oder Menschen das Recht, einem anderen auf diese Weise psychische Gewalt anzutun?
Zählen wir mal die Affekte,
die ich oben in Klammern gesetzt habe, zusammen, entdecken wir einen
Psychomechanismus, dessen Elemente zielgerichtet aufeinander aufbauen:
- Ein Mensch hat sich aufs Grausamste hinmetzeln lassen (Schock)
- Es wird behauptet, er hat das für Sie getan (Angriff/Verletzung)
- Sie
sind so schlecht, daß nur ein möglichst bestalisches Sterben Ihre
Verderbtheit aufwiegen kann (Scham). Dadurch werden Sie ins Monströse
verzerrt.
- Weil er das für Sie getan hat, stehen Sie in seiner Schuld (Schuldgefühle)
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Der gemeine Mann betrachtet die Religion als richtig, der Weise als falsch und der Politiker als nützlich.
(Seneca, römischer Philosoph, 4-65 n.Chr.)
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Eine Frage: Wenn Sie jetzt mal in sich hineinhorchen, fühlen Sie sich
dann frei? Ist Ihnen nach Frohlocken und Lobpreisen zumute? Oder lieben
Sie diesen Menschen?
Tja, das ist eine vertrackte
Frage, denn nur noch Wenige können den Nachhall dieser Geschichte in
sich wirklich unverfälscht spüren. Denn in 2.000 Jahren wurde das
gesamte Gefühlssystem des Menschen in diesem Punkt umgebogen, um ihn
dazu zu bringen, einer Figur nachzulaufen, die ihn in das
Herrschaftssystem der Schuldgefühle zwingt. Ihm wurde eingeredet,
diesen phantomhaften Psychoherrscher (dessen Geschichtlichkeit infrage
steht) für seinen Foltertod lieben zu müssen - also jemanden, der ihm
permanent psychische Gewalt widerfahren läßt. Das heißt, man versucht
Liebe an einen Foltertod und an Schuldgefühle zu binden und Freude an
das "Auffahren" eines Geistes in den Himmel zu einem Vater, der seinen
Sohn auf diese Weise hat verenden lassen. Die mögliche oder
wahrscheinliche "Schuld" dieser unmittelbaren Bezugsperson des
Getöteten wird ganz im Gegensatz zur angeblichen Schuld von Milliarden
Nicht-Bezugspersonen und Nicht-Zeitgenossen aber totgeschwiegen.
Das ist Operation J.: Eine Schuldmaschine, die
- Schuld erzeugt,
- Schuld bündelt,
- Schuld auf Milliarden Menschen richtet.
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Wenn
die Vernunft ein Geschenk des Himmels ist, und wenn man vom Glauben das
gleiche sagen kann, so hat uns der Himmel zwei unvereinbare, einander
widersprechende Geschenke gemacht.
(Denis Diderot, franz. Schriftsteller u. Philosoph, 1713-1784)
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Aber wozu das alles? Ganz einfach: Weil Schuldgefühle und schlechtes
Gewissen die effektivsten Herrschaftsinstrumente sind, die sich
überhaupt denken lassen.
Nicht, daß dieser Herr J.,
falls es ihn gegeben haben sollte, dieses System ersonnen hat.
Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich war er, wenn überhaupt, nur ein
willkommenes Opfer, dem diese ganze Geschichte von oben aufgepropft
wurde - von Leuten, die sehr genau wußten, was sie taten.

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Um jetzt mal salbungsvoll zu
werden: Horchen wir in diesen Tagen doch wirklich mal in uns hinein,
was diese Geschichte wirklich mit uns anstellt.
Denn wenn uns das nicht mehr gelingt, sind wir steuerbar. Und zwar in Ewigkeit. Amen.
http://www.unmoralische.de/Zitate_Atheismus4.htm