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Medien und Vogelgrippe: Da lachen ja die Hühner PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Gerhard Wisnewski   
Friday, 3. March 2006

Medien&Bücher

Von Gerhard Wisnewski

Die schlechte Nachricht zuerst: Die Vogelgrippe lebt. Die gute: Vorwiegend im Hirn unserer Zeitungsredakteure. Vor allem nachts werden sie von dunklen Visionen geplagt, tags darauf verwandeln sie magere Katzen in fette Enten - und zwar auf ihren Titelseiten. Und im Fernsehen mutiert schon mal ein gestreifter Stubentiger plötzlich zu einem durchgeknallten und unberechenbaren Vieh, das um sich schlägt und faucht - so gesehen am 1. März 2006 in irgendeinem namenlosen Sender. Im heute journal vom 2.3.06 beschwerte sich ein leicht verschnupfter Claus Kleber über die vielen Briefe, die dem Sender Panikmache vorwürfen. Natürlich völlig unberechtigt. Trotzig drohte Kleber an, auch künftig, statt sein Gehirn zu benutzen, alles nachzuschwafeln, was ihm irgendwelche "Experten" erzählen.



Den grippekranken Vogel aber schossen am gestrigen 2. März 2006 zwei Münchener Tageszeitungen ab, eine davon die Abendzeitung. Schlagzeile: "Vogelgrippe - Schießbefehl auf Katzen?" Na dann: Gute Nacht.  Auch die andere brillierte mit einer kuscheligen Muschi und der Schlagzeile: "Was Sie jetzt alles wissen müssen".

Heraus kam ein Frage-Antwort-Spiel mit Fragen, die uns Anfang März echt auf den Nägeln brennen. Zum Beispiel: "Werden die Badeseen jetzt gesperrt?"

Eine mutige Frage: "Es ist auch nicht möglich, sich durch das Schlucken von Seewasser anzustecken", beruhigt die Abendzeitung Tausende von Eischwimmern, die sich zur Zeit in den Münchner Badeseen tummeln, "das ginge höchstens über die Atemwege."

Wenn das keine echte Weißwurst-Logik ist! Ich weiß ja nicht, wie die Anatomie eines AZ-Redakteurs aussieht, aber bei mir hängen Atem- und Nahrungswege durchaus zusammen.

Na dann, gute Besserung. Nächste Frage: "Darf mein Kind noch im Park spielen?"

Antwort: "Stellen, die mit Vogelkot beschmutzt sind, sollten gemieden werden." Schade eigentlich -  wo wir uns doch sonst um keinen Dreck scheren und uns so gerne im Vogelkot wälzen! Aber es kommt noch dicker: "Kommt es dennoch zum Kontakt mit Geflügel-Kot, ist Händewaschen Pflicht." Ach was! Wo wir doch vorher unser Sandwich so gerne mit mit Vogelkot beschmierten Händen gegessen haben. Es ist schon ein Kreuz mit diesen Maßnahmen gegen die Vogelgrippe.

Nächste Frage: "Wie hoch ist die Sterberate bei infizierten Menschen?" Antwort der Abendzeitung: Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben sich weltweit bisher 173 Menschen mit dem H5N1-Virus infiziert. 93 Personen sind an den Folgen des Virus gestorben..."  Gemessen an der Erdbevölkerung ist das also praktisch niemand. Eine für den Menschen bedrohliche Vogelgrippe existiert nicht. Aber die Abendzeitung schreibt: "...also über 50 Prozent." Schon wieder falsch. Denn selbst wenn diese Menschen wirklich an einem gefährlichen Vogelgrippe-Virus gestorben sein sollten, dann passierte ihnen dies in weniger entwickelten Ländern wie China oder der Türkei. Bei uns wäre die Todesrate mit Sicherheit viel niedriger.

Nächste Frage - diesmal von den Kollegen der tz: "Kann eine infizierte Katze das Virus auf Menschen übertragen?"

"Bei engem und längerem Kontakt ja", sagt Radio Eriwan. Quatsch: Der Kölner Virologe Herbert Pfister: "Nur die Frage der Wahrscheinlichkeit sei noch nicht geklärt." Gut gebrüllt bzw. gegackert. Leider ist aber die Frage, wie wahrscheinlich die Ansteckung des Menschen ist, eben des Pudels Kern.

Naja, keine Antwort ist eben auch eine Antwort und immer noch besser als eine falsche.