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| Hohenthann bei Landshut: Schauplatz unheimlicher Unglücksfälle. |
Von Gerhard Wisnewski
Potsdam, 8. Januar 2007,
Inselkirche Hermannswerder. Vor dem Altar steht eine große, weiße Kerze
mit der Aufschrift "In Erinnerung an Felix". Gemeint ist der auf Schloß
Weihenstephan bei Landshut am 28. Dezember 2006 verschollene und am 3.
Januar 2007 in einem Brunnen tot aufgefundene 14jährige Schüler Felix
von Quistorp (Bericht auf dieser Seite hier).
Internatsdirektor Uwe Eisentraut
spricht das immer wieder wiederholte Mantra dieses Falles: "Es war ein
Unfall, ein schreckliches Unglück. Auch das gehört zu unserem Leben." "Ein tragischer Unglücksfall", pflichtet ihm zwei Tage später Pfarrerin Nicole Waberski bei der Trauerfeier für die Familie bei - wir wollen Felix nicht vergessen".
Eine
gute Gelegenheit, sich an die anderen Todesfälle und Katastrophen im
Umfeld von Felix' Großvater Erasmus von Fürstenberg zu erinnern. Alles
in allem verlor der Mann bei Unfällen Bruder, Ehefrau und Enkel.
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Der erste, der auf unerwartete und schreckliche Weise sein Leben ließ,
war Franz von Fürstenberg, Bruder des heutigen Schloßherrn und Felix'
Großvater, Erasmus von Fürstenberg. Am 12. September 1962 seien die
beiden mit dem Traktor von der Ernte zurückgekehrt, berichtet die
Münchner Abendzeitung vom 4. Januar 2007. Der ältere - Erasmus - habe
den Traktor gelenkt, "der jüngere saß hinter ihm auf der Ladefläche.
Die beiden Burschen waren schon fast am Schloß, da geschah das
Unglück." Und zwar habe sich in einer abschüssigen Kurve der Anhänger
auf den Traktor geschoben und den damals 20jährigen Franz von
Fürstenberg dabei zerquetscht.
Im selben Jahr ehelichte der hinterbliebene Bruder Erasmus-Elmar von Fürstenberg
(Felix' Großvater) eine gewisse Maria Antonia Gräfin von Vetter. Sie
fand Berichten zufolge zufällig auf den Tag genau 34 Jahre nach dem Tod
von Franz, am 12. September 1996, bei einem Autounfall unweit von
Schloß Weihenstephan den Tod. Damit hatte Felix' Großvater Erasmus von
Fürstenberg bereits zwei nahestehende Verwandte auf gewaltsame Weise
verloren.
Bei
der nächsten Katastrophe kam zwar niemand ums Leben, aber wieder schlug
das Schicksal im direkten Umfeld von Erasmus von Fürstenberg zu:
"Hohenthann. Am Mittwoch, 30 August 2006, kurz nach 3 Uhr, gingen bei
der Einsatzzentrale Landshut und bei der Polizei Rottenburg mehrere
Anrufe ein, wonach in Weihenstephan an der Ergoldinger Straße ein
Gebäude brennen soll", berichtete die Landshuter Zeitung.
"Wie sich herausstellte, brannte das Wirtschaftsgebäude des Schlosses
Weihenstephan. Es handelt sich hierbei um ein Gebäude in Hufeisenform,
Breite ca. 80 Meter und Schenkellänge von je ca. 30 Meter, in
unmittelbarer Nähe des Schlosses. In dem Gebäude befinden sich vier
Wohneinheiten, und es werden antike Möbel, antike Kutschen und
umfangreiches Werkzeug gelagert. Wegen Renovierungsarbeiten war das
Gebäude jedoch unbewohnt."
„Merkwürdiges Winseln und Jaulen“ des Hofhundes habe ihn geweckt, erzählt Erasmus von Fürstenberg laut pnp-online.de.
"Der Schlossherr dachte zuerst an einen ungebetenen nächtlichen
Besucher. Doch ein Blick aus dem Fenster belehrte ihn eines Besseren:
Die Flammen loderten bereits aus den Wirtschaftsgebäuden. Sofort eilte
der Schlossherr ans Telefon, um Feuerwehr und Polizei zu verständigen."
Vor
den Augen des Freiherrn brannte das Gebäude weitgehend aus. Der
Sachschaden wurde auf eine bis eineinhalb Millionen Euro beziffert. Es
ermittelte dieselbe Landshuter Kripo, wie im Fall Felix von Quistorp.
Ergebnis: Ein Unglücksfall, nämlich "vermutlich ein Kabelbrand"
(Abendzeitung). "Die Feuerwehren konnten zwar verhindern, dass die
Flammen auf das Schloß übergriffen, doch das Wirtschaftgebäude brannte
völlig aus."
Die Rettung
des Hauptgebäudes gelang vielleicht auch deshalb, weil exakt das
glücklicherweise ziemlich genau ein Jahr zuvor geübt wurde. Damals war
die Freiwillige Feuerwehr schon einmal bei dem Freiherrn "zu Gast",
nämlich im Rahmen einer Übung. Man kennt sich: von Fürstenberg ist
nicht nur Gemeinderat in Hohenthann, sondern auch Schirmherr der
Freiwiligen Feuerwehr. Die Übung, die er zusammen mit "seiner "
Feuerwehr, die übrigens auch bei der tagelang erfolglosen Suche nach
dem vermißten Felix dabei war, im September 2005 veranstaltete,
grenzte an Hellseherei:
"Angenommen wurde ein Brand im Schloss Weihenstephan. Beim Eintreffen der Ortsfeuerwehr teilte der Besitzer Freiherr Erasmus von Fürstenberg dem
Ortskommandanten mit, dass das sich im Heizkessel befindliche Holz nur
schlecht verbrennt und der dabei entstandene Qualm bereits das gesamte
Gebäude verraucht hat, so dass sich die im 2. OG befindlichen Personen
nicht mehr in Sicherheit bringen können", hieß es im Mitteilungsblatt der
Gemeinde Hohenthann: "Gleichzeitig wurden die eintreffenden Wehren mit
der Ausleuchtung der weitläufigen Einsatzstelle und der Kühlung des
Daches beauftragt. Zur Verhinderung eines großen Schadens am Gebäude
musste durch den Einsatz der Ortsteilfeuerwehren auf gezielte
Löschangriffe bzw. Kühlung von außen im Bereich des Daches geachtet
werden." Genau das dürfte auch ein Jahr später ihre Aufgabe gewesen
sein, als plötzlich und unerwartet des Freiherrn Wirtschaftsgebäude
abfackelte und man sich aus diesem Anlaß an Ort und Stelle wiedertraf.
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| Feuerwehrübung auf Schloß Weihenstephan - ein Jahr vor dem echten Brand. (Ausriß aus Gemeindeblatt) |
"Bei der anschließenden Übungsbesprechung bedankte sich Kommandant Martin Auer nach seiner Begrüßung bei Freiherr Erasmus von Fürstenberg für die Möglichkeit, dessen Schloss für diese Übung benützen zu dürfen", hieß es im Gemeindeblatt: "1. Bürgermeister Peter Dreier bedankte sich zunächst ebenfalls beim 'Brandleider' Freiherr Erasmus von Fürstenberg".
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| Erasmus von Fürstenberg im Kreise seiner Freunde von der Feuerwehr. (Ausriß aus Gemeindeblatt) |
Glück im Unglück also, diese Übung? Schon möglich. Kein Glück hatte
jedenfalls der 14jährige Felix von Quistorp, den Ende Dezember 2006 die
vierte Katastrophe im direkten Umfeld des Freiherrn ereilte. Feuerwehr
und Polizei konnten ihn tagelang einfach nicht finden. Am 3. Januar
2007 stießen erst Spezialtaucher aus München am Grund des Brunnens
auf den jungen Adeligen, und zwar unter einer dicken Schicht aus Morast
und Unrat.